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Studentenleben live

Das große und das kleine Nein

Als ich klein war, hatte ich ein Buch über das Nein sagen. Mütter wissen eben, worauf es ankommt. Es ging um das große und das kleine Nein, darum, dass man es manchmal eben laut und deutlich sagen muss, damit es der andere auch versteht und dass es wichtig ist, dass man Dinge verneint, die man nicht möchte. Dinge wie Küsschen auf die Wange von Omis oder eine Parkbank teilen mit einem fremden Mann.
Viel daraus gelernt habe ich offensichtlich nicht, auch wenn es sich jetzt um andere Dinge handelt. Wenn die Familie, bei der ich regelmäßig babysitte, mich fragt, ob ich zu den Schließzeiten des Kindergartens im Sommer auch mal von neun bis drei auf ihr Kind aufpassen kann, um danach direkt weiter ins Einkaufszentrum zu gehen und dort auch nochmal fünf Stunden zu arbeiten, dann sage ich nicht nein. Weil ich denke, dass sie sonst niemanden haben und nicht fragen würden, wenn sie mich nicht wirklich bräuchten. Und weil es ja theoretisch möglich ist. Dann sage ich lieber zu, um nett zu sein, und küre den Tag schon fünf Tage vorher gedanklich zu einem Horrortag. Ich betone in meiner Zusage aber noch einmal, dass ich danach wirklich direkt woanders arbeiten muss und hoffe, man kann den Stress aus meinem Tonfall heraushören, hoffe, dass das kleine Nein, verpackt im Ja, gereicht hat.
Irgendwie ist es schwierig, einfach mal etwas für sein eigenes Wohl zu entscheiden. Weil wir nach rationalen Begründungen suchen, die auch objektiv sinnvoll erscheinen. Als wäre es unmöglich, dass unser Gegenüber Empathie für uns empfindet und versteht, warum etwas manchmal auch aus emotionalen Gründen nicht möglich ist. Ein bisschen bescheuert ist das schon. Aber vielleicht lerne ich das ja irgendwann noch. Spätestens, wenn ich mit meinen Kindern dieses Buch lesen werde.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Sep 14, 2016
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Sep 14, 2016

Studentenleben live

Praktikum in der forensischen Psychiatrie

Nach ein paar freien Tagen in den Semesterferien habe ich ein zweimonatiges Praktikum in der forensischen Psychiatrie begonnen. Dort werden psychisch kranke Straftäter untergebracht und behandelt. Diese sitzen häufig erst im Gefängnis eine Haftstrafe ab und machen danach in der forensischen Psychiatrie den Maßregelvollzug. Dies bedeutet, dass sie an sich selbst und ihren Problemen mit professioneller (psychologischer) Hilfe arbeiten. Die meisten Patienten auf den beiden Stationen, auf denen ich eingesetzt werde, haben ein Suchtproblem, manche aber auch eine andere psychische Krankheit.
Meine Aufgaben im Praktikum sind recht vielfältig. Zunächst darf ich täglich zwei Einheiten Gruppentherapie beobachten, was sehr spannend ist. Außerdem bin ich bei sämtlichen Besprechungen dabei und protokolliere sie. Ansonsten darf ich psychologische Tests (also zum Beispiel Intelligenz- oder Persönlichkeitstests) mit den Patienten durchführen. Einmal in der Woche darf ich auch mit zur Arbeitstherapie (Ergotherapie) kommen und töpfern. Ich hoffe, im Laufe der Zeit auch einen Einblick in die Musiktherapie oder ins Sozialtraining zu bekommen.
Vergangene Woche durfte ich meinen Praktikumsbetreuer zu Gericht begleiten, wo er als Gutachter in einem Prozess eingesetzt war. Es hat mich überrascht, dass man als Psychologe in einer forensischen Psychiatrie auch Gutachten für fremde Patienten schreiben muss. Solche Fachgutachten werden zum Beispiel benötigt, um herauszufinden, ob ein Straftäter zum Tatzeitpunkt steuerungs- und einsichtsfähig war, um auf dieser Grundlage die Schuldfähigkeit zu beurteilen.
Eigentlich wollte ich nach meinem Studium in die Forschung gehen. Weil aber viele Psychologen letztendlich klinisch arbeiten, wollte ich mir diesen Arbeitsbereich zumindest im Rahmen eines Praktikums anschauen. Und jetzt gefällt es mir richtig gut. So ein spannendes Praktikum habe ich noch nie gemacht. Das Schöne daran ist, dass ich genau das passende Fach bereits studiere. Ich werde noch mal in mich gehen müssen und überlegen, in welcher Richtung ich meinen Master machen möchte.

Autor: Maja  |  Rubrik: studium  |  Sep 14, 2016
Autor: Maja
Rubrik: studium
Sep 14, 2016

Studentenleben live

Murphys Gesetz

Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen – unter diesem Motto schien unser Urlaub zu stehen. Eigentlich war der Plan sehr einfach: Fünf befreundete Studierende wollen zwei Wochen lang mit dem Auto durch Schweden fahren, wild campen, in Seen baden und spontan das tun, worauf sie Lust haben. Dass wir das große Familienauto meiner Eltern nehmen durften, stand seit Mai fest. Miriam kümmerte sich um die Kreditkarte, damit wir im Ausland Geld abheben konnten. Pia ums Zelt und die meisten anderen Kleinigkeiten, die man zum Campen braucht. Bei Hanjos Eltern in Schleswig-Holstein würden wir die erste Nacht unterkommen und Lisa wollte Medikamente, Waschmittel und eine Kamera mitnehmen. So weit der Plan.
Der Tag der letzten Klausuren, an dem es losgehen sollte, rückte immer näher, als plötzlich ein Anruf von Zuhause kam: Das Auto sprang nicht mehr an. Der Wagen kam in die Werkstatt und wir suchten fieberhaft nach Alternativen für den Fall, dass es nicht mehr rechtzeitig repariert werden konnte.
Aber da bahnte sich schon Unheil Nummer zwei an: Miriams Auge war plötzlich so zugeschwollen, dass sie nicht einmal die Klausur mitschreiben konnte, und der Augenarzt sagte, dass sie zumindest bis Mitte der nächsten Woche auf gar keinen Fall in den Urlaub gehen kann, sondern in ärztlicher Behandlung bleiben sollte. Für uns fiel so nicht nur eine Mitfahrerin weg, sondern auch noch etwas Budget für die Reisekasse.
Dann stellte sich noch heraus, dass der Dachgepäckträger meiner Eltern wohl irgendwann entsorgt wurde, sodass alles Gepäck in den Kofferraum musste und nicht wie geplant Isomatten und Schlafsäcke in einer Dachbox untergebracht werden konnten. Langsam waren wir alle etwas genervt von den ganzen Zwischenfällen, aber immer noch fest überzeugt, den Urlaub irgendwie durchziehen zu können.
Und tatsächlich wendete sich das Blatt langsam zum Guten: Am Samstag hatte die Werkstatt das Auto wieder zum Laufen gebracht, Miriams Mutter kündigte an, ihrer Tochter einen Flug nach Stockholm zu spendieren, sodass sie zumindest einen Teil des Urlaubs miterleben könnte, und am Sonntagnachmittag saßen Pia, Lisa und ich im Auto auf der A1 Richtung Schleswig-Holstein.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Sep 13, 2016
Autor: Janna
Rubrik: studium
Sep 13, 2016