interaktiv

Studentenleben live

Das große und das kleine Nein

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

14.09.2016

Als ich klein war, hatte ich ein Buch über das Nein sagen. Mütter wissen eben, worauf es ankommt. Es ging um das große und das kleine Nein, darum, dass man es manchmal eben laut und deutlich sagen muss, damit es der andere auch versteht und dass es wichtig ist, dass man Dinge verneint, die man nicht möchte. Dinge wie Küsschen auf die Wange von Omis oder eine Parkbank teilen mit einem fremden Mann.
Viel daraus gelernt habe ich offensichtlich nicht, auch wenn es sich jetzt um andere Dinge handelt. Wenn die Familie, bei der ich regelmäßig babysitte, mich fragt, ob ich zu den Schließzeiten des Kindergartens im Sommer auch mal von neun bis drei auf ihr Kind aufpassen kann, um danach direkt weiter ins Einkaufszentrum zu gehen und dort auch nochmal fünf Stunden zu arbeiten, dann sage ich nicht nein. Weil ich denke, dass sie sonst niemanden haben und nicht fragen würden, wenn sie mich nicht wirklich bräuchten. Und weil es ja theoretisch möglich ist. Dann sage ich lieber zu, um nett zu sein, und küre den Tag schon fünf Tage vorher gedanklich zu einem Horrortag. Ich betone in meiner Zusage aber noch einmal, dass ich danach wirklich direkt woanders arbeiten muss und hoffe, man kann den Stress aus meinem Tonfall heraushören, hoffe, dass das kleine Nein, verpackt im Ja, gereicht hat.
Irgendwie ist es schwierig, einfach mal etwas für sein eigenes Wohl zu entscheiden. Weil wir nach rationalen Begründungen suchen, die auch objektiv sinnvoll erscheinen. Als wäre es unmöglich, dass unser Gegenüber Empathie für uns empfindet und versteht, warum etwas manchmal auch aus emotionalen Gründen nicht möglich ist. Ein bisschen bescheuert ist das schon. Aber vielleicht lerne ich das ja irgendwann noch. Spätestens, wenn ich mit meinen Kindern dieses Buch lesen werde.

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