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Studentenleben live

Praktikum in der forensischen Psychiatrie

Autor:
Maja

Rubrik:
studium

14.09.2016

Nach ein paar freien Tagen in den Semesterferien habe ich ein zweimonatiges Praktikum in der forensischen Psychiatrie begonnen. Dort werden psychisch kranke Straftäter untergebracht und behandelt. Diese sitzen häufig erst im Gefängnis eine Haftstrafe ab und machen danach in der forensischen Psychiatrie den Maßregelvollzug. Dies bedeutet, dass sie an sich selbst und ihren Problemen mit professioneller (psychologischer) Hilfe arbeiten. Die meisten Patienten auf den beiden Stationen, auf denen ich eingesetzt werde, haben ein Suchtproblem, manche aber auch eine andere psychische Krankheit.
Meine Aufgaben im Praktikum sind recht vielfältig. Zunächst darf ich täglich zwei Einheiten Gruppentherapie beobachten, was sehr spannend ist. Außerdem bin ich bei sämtlichen Besprechungen dabei und protokolliere sie. Ansonsten darf ich psychologische Tests (also zum Beispiel Intelligenz- oder Persönlichkeitstests) mit den Patienten durchführen. Einmal in der Woche darf ich auch mit zur Arbeitstherapie (Ergotherapie) kommen und töpfern. Ich hoffe, im Laufe der Zeit auch einen Einblick in die Musiktherapie oder ins Sozialtraining zu bekommen.
Vergangene Woche durfte ich meinen Praktikumsbetreuer zu Gericht begleiten, wo er als Gutachter in einem Prozess eingesetzt war. Es hat mich überrascht, dass man als Psychologe in einer forensischen Psychiatrie auch Gutachten für fremde Patienten schreiben muss. Solche Fachgutachten werden zum Beispiel benötigt, um herauszufinden, ob ein Straftäter zum Tatzeitpunkt steuerungs- und einsichtsfähig war, um auf dieser Grundlage die Schuldfähigkeit zu beurteilen.
Eigentlich wollte ich nach meinem Studium in die Forschung gehen. Weil aber viele Psychologen letztendlich klinisch arbeiten, wollte ich mir diesen Arbeitsbereich zumindest im Rahmen eines Praktikums anschauen. Und jetzt gefällt es mir richtig gut. So ein spannendes Praktikum habe ich noch nie gemacht. Das Schöne daran ist, dass ich genau das passende Fach bereits studiere. Ich werde noch mal in mich gehen müssen und überlegen, in welcher Richtung ich meinen Master machen möchte.

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