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Studentenleben live

Die Philosophie und der Tod

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

16.09.2016

Ich habe in einem früheren Blog schon erwähnt, dass ich eine Vorlesung zu einem, wie ich glaube, für alle unmittelbar interessanten Thema gehört habe: Tod. Eine Grundannahme vieler Philosophien ist, dass der Mensch eine Sonderstellung einnimmt, weil er um seinen eigenen Tod weiß und ihn antizipieren kann. Viele Menschen denken zwar im Alltag nicht so häufig an den Tod, aber es gibt nicht erst seit der Psychoanalyse die Idee, dass die Angst vor dem Tod ein Motivator vieler Handlungen ist. Sich dessen bewusst zu werden, dazu dienen Gedankenexperimente, die sich mit der Unsterblichkeit befassen. Dabei ist zu unterscheiden, ob man sich auf die Unsterblichkeit einer immateriellen Seele bezieht oder auf die Unsterblichkeit des Körpers. Und es spielt eine Rolle, ob man alleine unsterblich wäre, ob dies für alle gelten würde und ob man trotzdem tötbar wäre.
Das Besondere an der Philosophie ist, dass sie sich nicht nur auf Meinungen und Einstellungen beziehen, sondern objektive Gründe dafür finden möchte, warum der Tod so und so zu bewerten ist. In unserem heutigen wissenschaflichen Weltbild findet der Glaube an eine immaterielle Seele immer weniger Platz. Wenn es diese nicht gibt und unsere personale Existenz mit dem Tod endet, scheint es zum Beispiel vernünftig, den Tod als etwas Negatives zu beschreiben, weil er uns unserer Lebenszeit beraubt, wie der amerikanische Philosoph Thomas Nagel schreibt. Allerdings könnte man auch mit Epikur argumentieren, dass der Tod nichts Schlechtes für uns ist, da wir ihn ja nicht erleben können. So oder so kann man sich fragen: Wie würde sich mein Leben ändern, wenn ich nicht sterben könnte? Würde ich dieselben Dinge tun wie bisher? Wäre mir irgendwann langweilig?
Das Thema körperliche Unsterblichkeit ist aktueller denn je: Wir erhöhen unsere Lebensspanne durch die Medizin unaufhörlich. Philosophen fragen natürlich: Wollen wir das? Rechfertigt der Zweck die Mittel (Kosten der modernen Medizin)? Sollten wir medizinischen Fortschritt gleicher verteilen (Stichwort: Lebenserwartung bei rund 80 Jahren in Europa und rund 40 in den ärmsten Ländern der Welt)? Und generell: Ab wann ist man überhaupt tot? Reicht der Tod des Gehirns wirklich aus, auch wenn der Organismus sich noch weiter versorgen kann (Stichwort: Hirntod)?
Insgesamt erscheint es mir sehr sinnvoll, den Tod auch gesellschaftlich aus der Verdrängung herauszuholen. Ich gehe mit meinem Professor mit, dass es ungesund ist, ständig an den Tod zu denken. Aber einige Entscheidungen würden sicher besser getroffen, wenn die Menschen sich ihre Sterblichkeit vor Augen führen würden.

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