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Studentenleben live

Die richtige Dosis Erwachsensein

Autor:
Bo

Rubrik:
orientieren

10.01.2017

Jeder normale Mensch wird mir den Vogel zeigen, aber ich gestehe: Die Zahl 20 im Zusammenhang mit meinem Alter gefällt mir nicht. Solange eine eins vor dem Alter steht, ist alles halb so schlimm, halb so ernst. Schließlich ist man ja noch ein Teenager und da gehören Fehler, Irrwege und Dramen dazu. Natürlich verändert sich das Leben nicht schlagartig, nur weil ich dann offiziell 20 bin. Dennoch habe ich zumindest einen gesunden Respekt vor meinem Geburtstag. Ich habe eine Freundin, die mit 20 Jahren ihren zweiten Bachelor abgeschlossen hat (Abi mit 16 und insgesamt ein überproportional begabter Mensch), andere sind jetzt schon erfolgreiche Gründer von Start-ups. Wenn ich diese Menschen sehe, frage ich mich, was ich in den vergangenen 20 Jahren erreicht habe. Spaß und schöne Momente hatte ich zur Genüge, aber gibt es nennenswerte Erfolge zu verbuchen?
Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Angst davor, 20 Jahre alt zu werden, weil ich Angst davor habe, erwachsen zu werden. Erwachsen klingt nach müde, starr und langweilig. Dieses Bild hat sich etwas geändert, nachdem ich einen klugen Satz der deutschen Poetry Slammerin Julia Engelmann gelesen habe: „Erwachsen werden heißt ja nicht, dass ich aufhören muss, ein Kind zu sein.“ Werde ich jemals anfangen, geschmacksneutrales Haferflockenmüsli statt quietschbunter Cornflakesringe zu schlemmen? Sehr unwahrscheinlich. Werde ich jemals lieber früh ins Bett gehen, anstatt mit halberfrorenen Fingern geheime Gänge der Bibliothek zu erkunden? Definitiv nicht.
Ich merke, dass ich in den bald 20 Jahren etwas erreicht habe: Ich bin glücklich und neugierig, abenteuerlustig und kreativ. Ich habe gelernt, mich zu akzeptieren und zu schätzen. Vielleicht bedeutet altern ja gar nicht verändern, sondern lernen und stärker werden.

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