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Studentenleben live

Die kleine Mock

Nun war es im Keller des Neuen Augusteums der Uni Leipzig wieder so weit: Die kleine Mock-Konferenz stand an, also eine simulierte Konferenz (englisch: mock, deutsch: nachgemacht, simuliert). Mehrmals im Semester veranstalten die Studierenden des Masterstudiengangs Konferenzdolmetschen eine Konferenz mit Gastrednern und jeweils zwei Vorträgen in verschiedenen Sprachen. In der Dolmetschanlage zu Füßen des Audimax üben sie, wie es ist, unter echten Bedingungen zu dolmetschen.
Jüngst gab es nun zwei Vorträge in deutscher und russischer Sprache. Ersterer trug den Namen „Gallium – Vom Rohstoff zur LED“, der zweite beschäftigte sich mit der industriellen Brotproduktion in Tscheljabinsk. Die speziellen Themen schienen für die Studierenden schon eine harte Nuss gewesen zu sein und erforderten viel Vorbereitung. Wie spricht man denn bitte chemische Formeln, an denen ich schon im Deutschen scheitern würde, auf Französisch aus? Und wie heißen all diese Brotenzyme auf Italienisch?
Die Vorträge wurden simultan ins Arabische, Deutsche, Russische, Englische, Französische, Spanische und Italienische gedolmetscht. Für mich war es überaus spannend, mit dem Empfängergerät zwischen den einzelnen Kabinen hin und her zu wechseln. Drei dieser Sprachen hatte ich immerhin während meiner Schullaufbahn mehr oder weniger intensiv gelernt. Im Französischen schnappte ich einige Verben und Strukturen auf, im Russischen hingegen etwas komplexere Wörter – dank meiner Tschechisch-Kenntnisse. Ich verstand dennoch nicht sonderlich viel, nur auf dem deutschen oder englischen Kanal. Spannend war es auch, die Kopfhörer abzunehmen und einmal der Geräuschkulisse zu lauschen. Da war dieser eine Sprecher hinter dem Mikro und dann ganz leise das Sprechen all der Menschen in ihren Kabinen. Ein seltsames Hörerlebnis.
Nun bin ich gespannt auf die nächste Mock. Vielleicht geht es ja dann um die Zusammensetzung von Verpackungen für Druckerschwärze in Südspanien oder um die Zutaten in Weißwürsten.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Jan 25, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Jan 25, 2017

Studentenleben live

Allein als Frau in Marokko

Meine drei Tage alleine in der marokkanischen Hafenstadt Agadir brechen an. Der Abschied von der Crew des Segelschiffs Alexander von Humboldt II. fällt mir schwer, am liebsten würde ich auf dem Schiff bleiben. Mein Hotel in Agadir liegt in einer ruhigen Seitenstraße. Bei 40 Grad im Schatten versuche ich mich, mit Dreiviertelhosen und einem normalen, die Schultern bedeckenden T-Shirt anzupassen. Trotzdem läuft der Schweiß in Strömen, ich gebe meine Erkundung Agadirs bald auf und warte bis in die frühen Abendstunden. Es sind viele Menschen unterwegs, jedoch sehe ich keine einzige Frau alleine – dahingehend steche ich aus der Menge heraus. Ich fühle mich allerdings nie unsicher oder gar bedroht. Selbstverständlich wird man oft angesprochen. Marokkaner sind jedoch allgemein eher zurückhaltend und sobald man einfach weitergeht, verstehen sie, dass kein Interesse besteht und lassen einen in Ruhe.
Witzigerweise scheinen fast alle Männer erst einmal irritiert zu sein, wenn sie mich sehen – zumindest auf der Straße. Auch von den Frauen ernte ich so manch neugierigen Blick. Die Kellner sind allerdings alle sehr höflich, führen sich fast wie große Brüder auf. Trotzdem bin ich ab 22 Uhr wieder im Hotel, ein wenig Unsicherheit bleibt dann doch. Am deutlichsten tritt diese zu Tage, als ich mir ein Taxi zum Flughafen nehme. Zwar ist das Taxi vom Hotel bestellt, aber ich bleibe doch nervös, bis das Flughafengebäude in Sicht ist.
Am Flughafen Agadirs merke ich sehr schnell, dass sich meine Einstellung gegenüber einigen Dingen geändert hat. In Marokko lernt man, zu warten – vor allem bei Behördengängen. Geduld ist ja leider eine Tugend, die vielen Deutschen fehlt. Genauso wie Gelassenheit. In der Schlange beim Check-In nörgeln die deutschen Touristen ohne Ende. Und ich stehe zwischen den Heimkehrern, summe ein Lied vor mich hin, während ich warte und muss einfach grinsen. Das Leben ist schön, man macht es sich nur selbst häufig schwer.

Autor: Nele  |  Rubrik: studium  |  Jan 25, 2017
Autor: Nele
Rubrik: studium
Jan 25, 2017

Studentenleben live

Eine ohne alles

Es gibt Städte mit Fastfoodrestaurants, Trdelník-Buden, Supermärkten und Mensen. Und es gibt Leipzig und seine Würstchenbuden. Vermutlich sind es ebenjene Würstchenbuden, die Leipzig zu Leipzig machen. Schon seit meinen Kindheitstagen komme ich in ihren Genuss. Nach den ausgedehnten Einkaufstouren mit meinen Eltern in der nahegelegenen Metropole wäre daheim oftmals keine Zeit mehr fürs Kochen gewesen – die Thüringer Rostbratwurst lieferte den ehrenwerten Ersatz.
In der Innenstadt stehen die Buden zuhauf: am Bahnhofsvorplatz, vor den Kaufhäusern, am Neuen Rathaus, an der Uniklinik und am Straßenbahnhof Angerbrücke. Wo waren sie wohl früher überall verteilt? Meist handelt es sich um einen einfachen Grill mit einer Plexiglasscheibe – zum Schutz der Kunden vor Fettspritzern – und einer Regenschirmapparatur obenauf. Manchmal gibt es anbei noch ein Tischchen mit den vom vielen Herausquetschen schon verformten roten Ketchup- und gelben Senfflaschen auf einer feuerwehrroten Plastetischdecke. Neben den Rostbratwürsten im pappigen Brötchen zum unfassbar niedrigen Preis wird die Standardauswahl alkoholfreier Getränke feilgeboten. Es kann ein Wintertag sein mit Temperaturen gen Null – die Männer an den Würstchenbuden machen ihren Job; mit Mütze, ohne Handschuhe. Der Grill ist in Männerhand, junge Burschen und Rentner – das hat sich seit meiner Kindheit nicht geändert. Hier eine Frau anzutreffen, wäre wohl ähnlich überraschend wie beim Dönermann.
Die Würstchenbude bleibt ein Leipziger Unikum. Sie ist ein Schritt dahin, Leipzig endlich lieben zu lernen und ich bin mir sicher, bei Leipzigbesuchen noch in 50 Jahren in die Wurst zu beißen und eine große Portion Erinnerung zu schmecken. „Hallo. Eine ohne alles bitte. Danke. Schönen Tag noch.“

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Jan 20, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Jan 20, 2017