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Studentenleben live

Allein als Frau in Marokko

Autor:
Nele

Rubrik:
studium

25.01.2017

Meine drei Tage alleine in der marokkanischen Hafenstadt Agadir brechen an. Der Abschied von der Crew des Segelschiffs Alexander von Humboldt II. fällt mir schwer, am liebsten würde ich auf dem Schiff bleiben. Mein Hotel in Agadir liegt in einer ruhigen Seitenstraße. Bei 40 Grad im Schatten versuche ich mich, mit Dreiviertelhosen und einem normalen, die Schultern bedeckenden T-Shirt anzupassen. Trotzdem läuft der Schweiß in Strömen, ich gebe meine Erkundung Agadirs bald auf und warte bis in die frühen Abendstunden. Es sind viele Menschen unterwegs, jedoch sehe ich keine einzige Frau alleine – dahingehend steche ich aus der Menge heraus. Ich fühle mich allerdings nie unsicher oder gar bedroht. Selbstverständlich wird man oft angesprochen. Marokkaner sind jedoch allgemein eher zurückhaltend und sobald man einfach weitergeht, verstehen sie, dass kein Interesse besteht und lassen einen in Ruhe.
Witzigerweise scheinen fast alle Männer erst einmal irritiert zu sein, wenn sie mich sehen – zumindest auf der Straße. Auch von den Frauen ernte ich so manch neugierigen Blick. Die Kellner sind allerdings alle sehr höflich, führen sich fast wie große Brüder auf. Trotzdem bin ich ab 22 Uhr wieder im Hotel, ein wenig Unsicherheit bleibt dann doch. Am deutlichsten tritt diese zu Tage, als ich mir ein Taxi zum Flughafen nehme. Zwar ist das Taxi vom Hotel bestellt, aber ich bleibe doch nervös, bis das Flughafengebäude in Sicht ist.
Am Flughafen Agadirs merke ich sehr schnell, dass sich meine Einstellung gegenüber einigen Dingen geändert hat. In Marokko lernt man, zu warten – vor allem bei Behördengängen. Geduld ist ja leider eine Tugend, die vielen Deutschen fehlt. Genauso wie Gelassenheit. In der Schlange beim Check-In nörgeln die deutschen Touristen ohne Ende. Und ich stehe zwischen den Heimkehrern, summe ein Lied vor mich hin, während ich warte und muss einfach grinsen. Das Leben ist schön, man macht es sich nur selbst häufig schwer.

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