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Nachtzug

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
orientieren

22.03.2017

Ich liebe den Nachtzug. Das erste Mal bin ich vor einigen Jahren nachts mit dem Zug gereist, mit dem IC 2020 von Frankfurt nach Hamburg. Welch ein Erlebnis das doch war! Dann entdeckte ich die echten Nachtzüge.
Das Suchen des Liegeplatzes. Das Öffnen der Abteiltür. Der Schreck beim Erblicken der drei älteren Männer - das wird ein Schnarchkonzert. „Was trinken sie zum Frühstück?“, fragt die vorbeikommende Zugbegleiterin. Einen Kaffee. „Kommen sie mit", sagt sie und bringt mich in ein komplett freies Abteil. „Das ist besser.“ Ist es.
Der Funktionalismus in diesen Zügen ist einmalig. Es gibt Haken an den Wänden zur Befestigung der Liegen und Kleider und Halterungen, bei denen es nicht ersichtlich ist, wofür sie gut sind. Unter der unteren Liege entdeckt man herausziehbare kleine Tischchen oder unter einem Tisch ein funktionierendes Waschbecken und einen Spiegel, mittels derer man sich am nächsten Morgen rasieren kann, während draußen ein Gebirge vorbei rauscht.
Das Bereitmachen der Bettwäsche. Dann das Einschlafen beim beruhigenden Rattern und Hin-und-Her-Geschaukel des Zuges. Das Geweckt-Werden. Die Felder. Die Dörfer. Vororte. Dann die Industrie. Es werden mehr Gleise. Der Bahnhof. Und dann. Eine neue Stadt. Ja, manchmal gar ein neues Land. Es gibt nichts Schöneres.
Man stolpert geradewegs in einen Kanal oder verliert sich im Dschungel unbekannter Buchstaben. Man geht seinen Weg ins Zentrum und es ist ganz still. Die Geschäfte sind geschlossen. Niemand ist unterwegs. Der Tourist schläft noch, keine klickenden Fotoapparate. Menschen sind auf dem Weg zur Arbeit. Bäckereien werden mit Brötchen beliefert, Restaurants mit Bier. Ein paar Obststände werden aufgebaut.
Und all das nach einer Nacht im Zug. Das ist ein Gefühl, was man nach keiner Reise im Flieger, nach keiner Fahrt mit dem Bus oder dem Auto erreichen kann.

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