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Bachelor live

Stereotypen

Autor:
Franziska

Rubrik:
studium

19.06.2017

Studierenden eines bestimmten Studienfachs eilt häufig ein gewisser Ruf voraus. Ob gewollt oder nicht, manche Stereotypen haben wir fast alle in unseren Köpfen. Zum Beispiel verbinde ich Informatiker und Maschinenbauer unweigerlich mit karierten Hemden und blasser Haut. Unter Kulturwissenschaftlern und Philosophen stelle ich mir barfüßige Personen mit einem alternativen Lifestyle vor. Und Juristen tragen natürlich stets einen Anzug und wollen ständig Recht haben.
In diesem Semester habe ich mich für BWL im Profilfach entschieden. Ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde, denn auch die Vorurteile über BWL-Studierende häufen sich: Kinder reicher Eltern, verwöhnt, eingebildet, schnöselig und zu erkennen an Seitenscheitel und Polohemd. Natürlich weiß ich, dass diese Klischees nicht für alle Studierende gelten und dass Vorurteile häufig in keinster Weise der Wahrheit entsprechen. Denn auch ich muss mich damit herumschlagen – schon öfter ist es mir passiert, dass ich für mein Studium der Sozialwissenschaften belächelt wurde. Nicht selten geht mein Gegenüber davon aus, dass ich quasi die Arbeitslosigkeit studiere und später bestenfalls als Taxifahrerin enden werde. Fast überflüssig ist es also zu erwähnen, dass die allermeisten Studierenden bei uns im Hörsaal völlig normal und fast unscheinbar aussehen.
Ein paar Wochen später saß ich in der BWL-Vorlesung dann aber in der Reihe vor ein paar Jungs, die mir vor allem deswegen aufgefallen sind, da sie die ganze Zeit über quasselten. Ausführlich sprachen sie über ihre Urlaubspläne in den Semesterferien: Der eine hatte eine Kreuzfahrt vor, der andere wollte in das Ferienhaus seiner Eltern an die amerikanische Westküste fliegen. Ganz schön gut betucht, dachte ich, als ich diese Konversation zwangsläufig mithörte. Als ich nach der Vorlesung aufstand und mich zu ihnen umdrehte, musste ich dann doch ein bisschen schmunzeln: Jeder von ihnen trug Seitenscheitel und Hemd sowie eine edel aussehende Armbanduhr, was mir auffiel, als sie ihre teuren Laptops in Ledertaschen verstauten. Diese lebendig gewordenen Stereotypen bleiben aber trotzdem die Ausnahme.

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