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Bachelor live

Weit weg

So langsam bekomme ich die Erholung, die ich nach dem Staatsexamen so bitter nötig hatte und die mir der Sprachkurs in Frankreich nicht gegeben hat. Mit viel Abstand zu den drängenden Fragen sehe ich klarer.
Erstens: Direkt nach dem Staatsexamen konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, in meinem Leben nochmal irgendetwas Anstrengendes zu machen. Jetzt, wo ich erholter bin, kommt die Lust wieder, neue Dinge zu lernen und mich Herausforderungen zu stellen.
Zweitens: Der Widerwille gegen fremdbestimmtes Lernen an einer Universität ist keine nachhaltige Motivation für eine Promotion. Hauptantrieb sollte der Wille sein, sich sehr intensiv mit einem (juristischen) Thema auseinanderzusetzen. Und weil ich mir momentan nur abstrakt und nicht konkret vorstellen kann, welches Thema das sein könnte, fehlt mir wohl die durchschlagende Motivation.
Drittens: Wenn ich noch nicht ganz sicher bin, was ich später machen will, ist es doch das Beste, mich breit aufzustellen. Ist da ein politikwissenschaftlicher Master nicht die perfekte Ergänzung zu einem juristischen Staatsexamen?
Und schließlich habe ich noch mit einer Absolventin des College of Europe telefoniert, die all diese Erkenntnisse noch um einen schönen Erfahrungsbericht aus Brügge ergänzt hat. Mit dem gewonnenen Abstand zum Examen kann ich mir das Leben, das sie gezeichnet hat, nun wieder sehr gut vorstellen. Ich habe Lust, verschiedene Sprachen zu sprechen und neue Dinge zu lernen – auf einem komplett neuen Gebiet! Ich habe Lust, neue Leute kennenzulernen und mich inspirieren zu lassen. Ich habe Lust auf das aufregende Leben, das mir das College bietet.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jun 21, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jun 21, 2017

Bachelor live

Übersetzen

In meinem Praktikum am Theater in Prag übersetzte ich bereits Texte aus dem Tschechischen ins Deutsche. Nun lerne ich an der Uni, wie Übersetzen eigentlich funktioniert. Das Ganze ist nämlich wesentlich komplizierter, als es scheinen mag und viel mehr, als nur Worte der einen Sprache in die andere zu übertragen.
Ein Übersetzer muss ein ausgezeichneter Kenner beider Kulturen sein. Oft stolpert man über Wortspiele, Phraseologismen, also feste Textbausteine wie „Mit freundlichen Grüßen“ oder Schilderungen eines Phänomens aus tschechischer Sicht. Wann übersetze ich eine tschechische Ortsbezeichnung, den Namen eines Gerichts oder einer Hochschule – und wann belasse ich es im Tschechischen? Und wie nah bleibe ich am Original?
Im Seminar besprechen wir jeden Donnerstag die tschechischen Ausgangstexte, übersetzen diese über das Wochenende und diskutieren am Dienstag lebhaft über die verschiedenen Ergebnisse. Wir sind zu acht im Seminar und es kommt nie vor, dass alle einen Satz gleich übersetzen. Oft sind es Fehler im Ausdruck, Zahlendreher oder ähnliches. Hat man allerdings einen Interpretationsfehler gemacht, das heißt, etwas im Ausgangstext schlichtweg nicht richtig verstanden, ist das natürlich schon ärgerlich. Doch man lernt aus den Fehlern aller, davon lebt das Seminar.
Das Übersetzen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kräftig gewandelt. In den Alltag professioneller Übersetzer haben sogenannte CAT-Tools Einzug gehalten, das steht für „computer-assisted translation“. Hier pflegt man in ein Computerprogramm bereits übersetzte Texte in beiden Sprachen ein. Ist eine gewisse Textmenge erreicht, werden dem Übersetzer direkt beim Schreiben Vorschläge zur Übersetzung gemacht. Im Extremfall tippt man also gar nicht mehr, sondern nimmt nur noch an oder lehnt ab.
Mit solchen Systemen arbeiten wir an der Universität freilich nicht. Bei der Prüfung dürfen wir aber einen PC mit Internetzugang verwenden. Ohne den ginge es auch fast nicht mehr. Neben meinen Wörterbüchern in Buchform nutze ich die Online-Wörterbücher, schlage Worte im tschechischen Internet-Sprachenhandbuch nach und verwende den tschechischen Nationalkorpus, in dem sich einige Übersetzungen, vor allem von offiziellen EU-Texten, befinden.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Jun 20, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Jun 20, 2017

Bachelor live

Stereotypen

Studierenden eines bestimmten Studienfachs eilt häufig ein gewisser Ruf voraus. Ob gewollt oder nicht, manche Stereotypen haben wir fast alle in unseren Köpfen. Zum Beispiel verbinde ich Informatiker und Maschinenbauer unweigerlich mit karierten Hemden und blasser Haut. Unter Kulturwissenschaftlern und Philosophen stelle ich mir barfüßige Personen mit einem alternativen Lifestyle vor. Und Juristen tragen natürlich stets einen Anzug und wollen ständig Recht haben.
In diesem Semester habe ich mich für BWL im Profilfach entschieden. Ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde, denn auch die Vorurteile über BWL-Studierende häufen sich: Kinder reicher Eltern, verwöhnt, eingebildet, schnöselig und zu erkennen an Seitenscheitel und Polohemd. Natürlich weiß ich, dass diese Klischees nicht für alle Studierende gelten und dass Vorurteile häufig in keinster Weise der Wahrheit entsprechen. Denn auch ich muss mich damit herumschlagen – schon öfter ist es mir passiert, dass ich für mein Studium der Sozialwissenschaften belächelt wurde. Nicht selten geht mein Gegenüber davon aus, dass ich quasi die Arbeitslosigkeit studiere und später bestenfalls als Taxifahrerin enden werde. Fast überflüssig ist es also zu erwähnen, dass die allermeisten Studierenden bei uns im Hörsaal völlig normal und fast unscheinbar aussehen.
Ein paar Wochen später saß ich in der BWL-Vorlesung dann aber in der Reihe vor ein paar Jungs, die mir vor allem deswegen aufgefallen sind, da sie die ganze Zeit über quasselten. Ausführlich sprachen sie über ihre Urlaubspläne in den Semesterferien: Der eine hatte eine Kreuzfahrt vor, der andere wollte in das Ferienhaus seiner Eltern an die amerikanische Westküste fliegen. Ganz schön gut betucht, dachte ich, als ich diese Konversation zwangsläufig mithörte. Als ich nach der Vorlesung aufstand und mich zu ihnen umdrehte, musste ich dann doch ein bisschen schmunzeln: Jeder von ihnen trug Seitenscheitel und Hemd sowie eine edel aussehende Armbanduhr, was mir auffiel, als sie ihre teuren Laptops in Ledertaschen verstauten. Diese lebendig gewordenen Stereotypen bleiben aber trotzdem die Ausnahme.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Jun 19, 2017
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Jun 19, 2017