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Bachelor live

Gerechtigkeit

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

28.06.2017

Ich mache gerade Urlaub in Marokko – sicherlich keines der ärmsten Länder Afrikas, trotzdem begegnet mir an vielen Ecken die Ungerechtigkeit dieser Welt. Sie springt mir ins Auge, wenn ich einen der vielen Bettler sehe; einige mit Kind, einige blind oder mit einer anderen Behinderung. Sie ruft mir hinterher mit den Stimmen der Verkäufer, die einem unbedingt ein Souvenir andrehen wollen.
Ungerechtigkeit, was heißt das eigentlich? Für mich heißt das, nicht die gleichen Chancen zu haben wie andere. Das gibt es überall, auch in Deutschland. Aber in Marokko sieht man deutlicher, mit welch unterschiedlichen Voraussetzungen die Menschen in ihr Leben starten. Was für ein unfassbares Glück es ist, in einem wohlhabenden Land in ein gutes Umfeld hineingeboren zu werden? Wie viel Zufall diese Welt doch bestimmt.
Nach der Lektüre einiger Artikel und Bücher zu diesem Thema, unter anderem „Überflieger“ von Malcolm Gladwell, hinterfrage ich meine eigene Leistung immer mehr. Wie viel von dem, was ich in meinem Leben schon erreicht habe, kann ich mir selbst zuschreiben und wieviel dem Zufall?
Immer, wenn ich in ärmere Länder reise, werde ich demütig. Ich finde es zwar irgendwie arrogant, dass ich erst diese Ungleichheit sehen muss, um mein eigenes Leben mehr wertschätzen zu können. An solchen Orten reift jedoch auch der Samen des Verantwortungsbewusstseins, der spätestens seit meiner Weltreise in mir sprießt. Hier wird mein Wunsch gestärkt, später einen Platz in der Gesellschaft einzunehmen, an dem ich die Welt wenigstens ein kleines bisschen gerechter machen kann.

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