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Bachelor live

Mein Name ist nicht Hase

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

02.08.2017

Weil ich mich noch nicht allzu sehr in die Lernerei gestürzt habe und Urlaub machen teuer war, habe ich mich bei einigen Eventagenturen für eine geringfügige Beschäftigung beworben. Als Studentin kommt man schnell an kleinere Jobs, die dazu noch ganz gut bezahlt sind.
Schon nach dem Abitur hatte ich solche Jobs angenommen, und ich war oft beeindruckt von den Kollegen. Einige von den Servicekräften, mit denen ich gearbeitet hatte, kamen zum Beispiel aus Osteuropa und haben neben Deutsch lernen und Maschinenbau studieren auch noch gearbeitet, weil sie ihr Studium sonst nicht hätten finanzieren können. Ich habe sie als sehr engagierte und verantwortungsbewusste Leute kennengelernt.
Dieses Mal wurde ich auf einer Messe eingesetzt, saß wieder inmitten von netten Studentinnen und habe die ankommenden Besucher begrüßt. Doch dann wurde ich in dieser angenehmen Arbeitsatmosphäre gestört: Einer meiner Arbeitgeber hat mich doch tatsächlich „Hase“ genannt, als ich eine Aufgabe nicht nach seiner vollständigen Zufriedenheit erledigt hatte. Als ich das letzte Mal in den Spiegel geguckt hatte, war ich kein Hase, und ich habe mich auch über Nacht nicht in einen verwandelt. Das einzige, was den wehrten Herr dazu bewegt hat, mich Hase zu nennen, war meine Position und mein Geschlecht. Denn ich bin sicher: Wäre ich ein Junge, hätte er mich niemals „Hase“ genannt.
Gelinde gesagt: Ich war empört! Zum ersten Mal hatte ich Diskriminierung am Arbeitsplatz hautnah miterlebt und die Erfahrung gemacht, aufgrund von Äußerlichkeiten wie meinem (noch) geringen Ausbildungsgrad auf etwas „Niedrigeres“ reduziert zu werden. Ich bin kein Hase. Ich bin Studentin. Ich bin passionierte Sportlerin und Leserin. Ich fahre gerne in exotische Länder und diskutiere über politische Entwicklungen. Ich bin so viel mehr als das, worauf ich gerade reduziert worden bin.

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