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Bachelor live

Ostseewellen

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

07.08.2017

Es ist Sommer und der alljährliche Familienurlaub an der Ostsee steht an. Da ich das Meer im vergangenen Jahr sehr vermisste, fahre ich dieses Mal wieder mit. Doch was hat es auf sich mit der Ostsee?
Die Seebäder an der Küste sind schon seit Hunderten Jahren Ziel von Touristen. Zu DDR-Zeiten waren es staatlich organisierte Urlaube, vor allem vom FDGB – dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund – die die Menschen hierher brachten. Viel reisen durfte man nicht und ein Aufenthalt hier war durch die Subventionen des Staates günstig. Manch einer versuchte, über die Ostsee in den Westen zu fliehen, auf Luftmatratzen, in selbstgebauten Booten oder mit eigener Muskelkraft. Nachts wurden die Badestrände deshalb mit Flutlicht ausgeleuchtet und von den Grenzern überwacht. Die meisten Fluchtversuche scheiterten, mehr als 100 Menschen verloren gar ihr Leben. Doch circa 900 schafften über die See den Weg in die Freiheit.
2007 erlangte die Ostseeküste unweit Rostocks auf der ganzen Welt Beachtung, als der Badeort Heiligendamm Tagungsort des G8-Gipfels war. Die Sicherheitsmaßnahmen kosteten Millionen Euro. Die Reporter wurden im nahegelegenen Ort Kühlungsborn untergebracht und reisten mit der Dampflok Molli an.
Heute geben Kühlungsborn, vor allem aber Heiligendamm ein eher trauriges Bild ab. In Heiligendamm leben 300 Menschen. Das gigantische Grand Hotel hat vermutlich mehr Betten als der Ort Einwohner, wechselt alle paar Monate den Besitzer, taumelt von Insolvenz zu Insolvenz. Die wunderschönen Villen direkt am Strand fallen langsam ein. In Kühlungsborn leben 8000 Menschen. Allsommerlich rücken die Urlauber an, vor allem Rentner oder Familien mit kleinen Kindern. Erstere schieben ihre Rollatoren auf der Strandpromenade vor sich hin, an der Verkäufer ramschiger Läden versuchen, die Urlauber zu einem Spontankauf zu verleiten. Dabei ist es eigentlich ein ganz netter Ort. Es stimmt eben doch: Der Tourist zerstört, was er sucht, in dem er es findet.

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