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Bachelor live

Wo ist dieses Studentenleben?

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

30.08.2017

Wenn ich an Studentenleben denke, fallen mir vor allem an Klischees ein: wilde Partys, Diskussion bei Rotwein, schlaue Bücher. Wenn man dann zum ersten Mal in der Uni sitzt, fühlt sich das ganz anders an. Inzwischen habe ich zwei Semester hinter mir und muss ein wenig darüber schmunzeln, wie schüchtern wir am Anfang noch waren. Mein Dozent in Internationale Beziehungen brachte zu meinem ersten Seminar eine Power-Point-Präsentation mit, die konsequent alle Inhalte auf Deutsch, Englisch und Mandarin auflistete, und wir bekamen Angst, ob wir das etwa alles verstehen sollten.
Knapp zehn Monate später sieht es entspannter aus im Hörsaal. Da stehen Thermoskannen mit Kaffee, Tupperdosen mit Nudelsalat und Collegeblöcke. Wenn ich in der Statistikvorlesung einmal auf die Laptops der Studierenden um mich herum schaue, dann schreiben die wenigsten mit. Die meisten lesen Zeitung, bestellen etwas im Internet oder schreiben E-Mails – jedenfalls bis es an die Klausuren geht. Findet man normalerweise knapp ein Drittel der für die Vorlesung angemeldeten Studierenden auch tatsächlich in der Vorlesung, so sind es vor der Klausur plötzlich alle. Da tauchen Leute auf, die man vorher gefühlt noch nie gesehen hat.
Kurz vor den Klausuren trafen wir uns zum Lernen, saßen in der Bibliothek, rechneten und schrieben Folien ab. „Wo ist eigentlich dieses Studentenleben, von dem immer alle sprechen?“, fragte plötzlich eine Freundin von mir und schaute entgeistert von ihrem Collegeblock auf.
Ja, wo ist es eigentlich? So kurz vor den Klausuren stellt man sich die Frage wohl immer. Nach dem Abi habe ich noch darüber geschmunzelt, wenn Freunde, die bereits zu studieren begonnen hatten, mir weismachen wollten, dass eine Klausur an der Uni ungefähr so viel zum Lernen ist wie das gesamte Abitur. Aber inzwischen weiß ich genau, wovon sie sprechen. Da hilft wohl nur eins: Durchhaltevermögen!

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