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Bachelor live

In der Selbsthilfewerkstatt

Geht dem Leipziger Studierenden sein geliebtes Fahrrad kaputt oder möchte er es reparieren, so muss er es in die Werkstatt bringen. Doch was tun, wenn das studentische Budget die Reparatur in einem klassischen Fahrradladen nicht zulässt? Man besucht eine der vielen Selbsthilfewerkstätten der Stadt.
Auch mich zog es so zuletzt zum Fahrradmatze. Seit vier Jahren hat der junge Mann eine Werkstatt im Leipziger Osten und erklärt geduldig, steht zur Seite und sorgt so dafür, dass die Räder nach ein paar Stunden wie neu sein Haus verlassen.
An meinem Rad gab es einiges zu reparieren, habe ich doch eine größere Tour im Sommer vor mir. Betritt man die Werkstatt von Fahrradmatze, fühlt man sich mehr wie in einem WG-Zimmer. An den Wänden hängen alle nur denkbaren Ersatzteile und neue Reifen, auf dem Dielenboden schwirren die verschiedensten Teilchen und Schrauben umher. Doch Matze hat den Durchblick. Wir wechseln die Bremsbeläge, den Hinterreifen, fetten das Radlager neu, ziehen neue Brems- und Schaltzüge auf und mein Rad erhält eine neue Kette, neue Ritzel. Matze erklärt alles mit einer Urruhe, macht die Handgriffe vor und ich mache sie nach. Er hat drei Stellplätze für Räder, an denen gleichzeitig geschraubt werden kann. Es ist Betrieb im Laden. Eine Kundin lässt ihr Rad für eine Deutschlandrundreise überholen, eine andere kommt, um Probleme mit dem neu aufgebauten Eingangrad auszumerzen und ein dritter Kunde speicht die Räder des Rennrades neu ein.
Der Vorteil der Selbsthilfewerkstatt ist nicht nur, dass es billiger ist und dass man eine Menge lernt, sondern auch, dass es alle Ersatzteile und Werkzeuge direkt vor Ort gibt. In einer so fahrradreichen Stadt wie Leipzig eine super Erfindung und natürlich passt dieses Ladenkonzept auch sehr gut zum Trend des Selber-Reparierens.
Nach fünf Stunden sind Matze und ich fertig. Wir schütteln uns die noch ein wenig öligen Hände und ich verlasse die Selbsthilfewerkstatt nicht nur mit einem toll fahrenden Rad, sondern auch mit einer Menge mehr Wissen und Fähigkeiten. Und das zu einem wesentlich geringeren Preis als in großen Werkstätten.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 31, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 31, 2017

Bachelor live

Jura-Krimi

Hamburg und der G-20-Gipfel: Ein wahrer Jura-Krimi. Das dachte ich schon vor dem Gipfel, als ich mir rechtliche Bewertungen der verschiedenen Demonstrationsverbote und Räumungsversuche von Protest-Camps durchgelesen habe. Da versuchte der Veranstalter mit allen Mitteln, seine Veranstaltung zu schützen. Das Gericht hat seinem Anliegen teilweise stattgegeben. Und dann hat die Polizei doch noch rechtliche Mittel gefunden, um die Veranstaltung zu räumen. Jura kann sehr trocken sein, aber bei großen Veranstaltungen ist es echt spannend, zu sehen, wie alle Parteien versuchen, mit allen zur Verfügung stehenden (rechtlichen) Mitteln ihr Ziel zu erreichen. Und als Jurist kann man als maßgeblicher Drahtzieher mittendrin sein!
Diese positive Aufregung über die spannenden versammlungsrechtlichen Ereignisse wich spätestens am Freitagabend des Gipfels großem Entsetzen. Ich konnte an dem Wochenende nicht in Hamburg sein, aber die Videos von meiner geliebten Stadt, die halb in Flammen stand, haben mich richtig schockiert. Man konnte Aufnahmen sehen von furchterfüllten Hamburgern, die in Bussen oder vor ihrem Haus von vermummten Menschen bedroht worden sind. Von einem Mob, der mit Fackeln in den Händen durch die Straßen zog und Autos anzündete und Scheiben einschlug. Ein Beifahrer filmte die Fahrt durch ein Viertel in Altona, wo jedes fünfte Auto brannte. Für einen Mitteleuropäer Jahrgang 90 wirkte das wie Krieg.
Zwei Tage lang haben Randalierer aus verschiedenen Ländern Hamburg gezeigt, wie ein rechtsloser Zustand aussehen kann. Und wie schnell es passieren kann, dass man sich in einem solchen wiederfindet, in dem der Gesellschaftsvertrag „Ich tu dir nichts, wenn du mir nichts tust“ einfach aufgekündigt ist. Schwer Vorstellbares wird auf einmal möglich. Bestimmte Garantien, auf die man sein Leben aufbaut, sind für ein paar Tage wertlos geworden.
Kurz nach G-20 bin ich durch das Schanzenviertel geradelt und war überrascht, wie wenig von den Zerstörungen noch zu sehen war. Es waren ein paar Fensterscheiben mehr als sonst demoliert und Supermärkte sowie alle Geldinstitute hatten zu, aber ansonsten war das Leben wieder ganz normal. Was aber bleiben wird, ist das Gefühl, dass man von einem „schwarzen Block“ einfach überrannt werden kann.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Aug 31, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Aug 31, 2017

Bachelor live

Wo ist dieses Studentenleben?

Wenn ich an Studentenleben denke, fallen mir vor allem an Klischees ein: wilde Partys, Diskussion bei Rotwein, schlaue Bücher. Wenn man dann zum ersten Mal in der Uni sitzt, fühlt sich das ganz anders an. Inzwischen habe ich zwei Semester hinter mir und muss ein wenig darüber schmunzeln, wie schüchtern wir am Anfang noch waren. Mein Dozent in Internationale Beziehungen brachte zu meinem ersten Seminar eine Power-Point-Präsentation mit, die konsequent alle Inhalte auf Deutsch, Englisch und Mandarin auflistete, und wir bekamen Angst, ob wir das etwa alles verstehen sollten.
Knapp zehn Monate später sieht es entspannter aus im Hörsaal. Da stehen Thermoskannen mit Kaffee, Tupperdosen mit Nudelsalat und Collegeblöcke. Wenn ich in der Statistikvorlesung einmal auf die Laptops der Studierenden um mich herum schaue, dann schreiben die wenigsten mit. Die meisten lesen Zeitung, bestellen etwas im Internet oder schreiben E-Mails – jedenfalls bis es an die Klausuren geht. Findet man normalerweise knapp ein Drittel der für die Vorlesung angemeldeten Studierenden auch tatsächlich in der Vorlesung, so sind es vor der Klausur plötzlich alle. Da tauchen Leute auf, die man vorher gefühlt noch nie gesehen hat.
Kurz vor den Klausuren trafen wir uns zum Lernen, saßen in der Bibliothek, rechneten und schrieben Folien ab. „Wo ist eigentlich dieses Studentenleben, von dem immer alle sprechen?“, fragte plötzlich eine Freundin von mir und schaute entgeistert von ihrem Collegeblock auf.
Ja, wo ist es eigentlich? So kurz vor den Klausuren stellt man sich die Frage wohl immer. Nach dem Abi habe ich noch darüber geschmunzelt, wenn Freunde, die bereits zu studieren begonnen hatten, mir weismachen wollten, dass eine Klausur an der Uni ungefähr so viel zum Lernen ist wie das gesamte Abitur. Aber inzwischen weiß ich genau, wovon sie sprechen. Da hilft wohl nur eins: Durchhaltevermögen!

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Aug 30, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Aug 30, 2017