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Bachelor live

Die Mündliche

Der Tag der mündlichen Prüfung war endlich gekommen. Ich hatte ziemlich entspannt geschlafen und war bereit, diese wirklich letzte Prüfung meines Jurastudiums anzupacken.

Um 8 Uhr habe ich mich vor dem Prüfungsamt mit meiner Prüfungsgruppe getroffen, dann sind wir zum Aufenthalts- und Vorbereitungsraum gelaufen, wo auch die anderen Prüfungsteilnehmer schon warteten. Um 8.45 Uhr bekam ich meinen Fall vorgelegt. In Hamburg weiß man nicht, in welchem Fach der Fallvortrag stattfindet, und dementsprechend gespannt war ich, als ich das Blatt mit der Aufgabenstellung umdrehte. Zivilrecht, der sogenannte „Fremdbesitzer-Exzess“ im Eigentümer-Besitzer-Verhältnis. Damit konnte ich arbeiten. Nach einer Stunde intensiver Vorbereitung bin ich dann in den Prüfungsraum gegangen. Einige neugierige Studierende waren da und die Prüfer schauten mich erwartungsvoll an. Es ging los.

Die ersten paar Minuten konnte ich meine Aufregung kaum verbergen, dies legte sich aber bald und ich konnte den Rest meines Vortrags entspannt halten.

Und dann war der erste Prüfungsteil auch schon vorbei. Und die nervenaufreibende Warterei vor den Prüfungsgesprächen ging los. Um 10.45 Uhr ging es weiter mit den Prüfungsgesprächen – erst Zivilrecht, dann öffentliches Recht, dann Strafrecht. Die Prüfer waren äußerst nett, haben immer wieder beruhigend gelächelt und die richtigen Fragen gestellt, falls einer der Prüflinge mal auf eine falsche Fährte geraten war. Ein paar der Fragen hatte ich schon in meiner Lerngruppe besprochen oder in der aktuellen Rechtsprechung gelesen. Ich saß immer auf glühenden Kohlen, wenn ich die Antwort auf eine Frage wusste, die leider nicht mir, sondern meinem Nachbarn gestellt worden war. Zwischen den verschiedenen Rechtsgebieten gab es immer wieder Pausen qualvollen Wartens, aber insgesamt ging die Zeit bis zum Prüfungsende ziemlich schnell vorbei. Erlöst konnten wir als letzte Prüfungsgruppe in den Vorraum gehen, wo schon Verwandte und Freunde mit Sekt und Umarmungen auf uns warteten. Eine halbe Stunde wurden wir zur Notenbekanntgabe wieder in den Prüfungsraum gerufen. Kurz und schmerzlos wurden die Noten bekannt gegeben. Mein Gefühl hatte sich bestätigt: Es war für mich gut gelaufen.

Ich kann es noch kaum glauben: Nach so viel Quälerei habe ich das erste Staatsexamen endlich hinter mir.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Sep 19, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Sep 19, 2017

Bachelor live

Der Kunde ist König

Während der Semesterferien arbeite ich in einem kleinen Teeladen mit angeschlossenem Café. Das Spektrum der Kundschaft dort ist breit: Manche von ihnen erzählen mir ihre halbe Lebensgeschichte und plaudern gerne. Dann gibt es Kunden, die wortlos das abgezählte Geld auf den Tisch legen und gehen – ist mir alles schon untergekommen.
Am liebsten sind mir die Stammkunden. Sie sind freundlich, unkompliziert und geben viel Trinkgeld. Einige von ihnen kommen bereits seit Jahren regelmäßig vorbei, zum Beispiel eine Gruppe älterer Herrschaften, die tagtäglich in der Mittagszeit auftaucht und wirklich jedes Mal das Gleiche bestellt.

Anstrengend sind die unentschlossenen Kunden. Sie lassen sich quasi die Speisekarte einmal laut vorlesen, stellen unzählige Fragen und entscheiden sich am Ende entweder für einen ganz normalen Kaffee oder bestellen gar nichts.
Dann gibt es noch Kunden, die teilweise sehr fragwürdige Sonderwünsche haben. Eine Dame verlangte beispielsweise, dass ich ihren Cappuccino in einem Teeglas serviere, statt in einer Tasse und eine andere bestellte ein Stück Torte ohne Boden.
Unangenehm sind die Kunden, die vor oder nach den Öffnungszeiten auftauchen und nicht akzeptieren wollen, dass wir bereits geschlossen oder noch gar nicht geöffnet haben. Letzte Woche kam ein Kunde eine halbe Stunde nach Ladenschluss herein und wollte einen Kaffee bestellen. Als wir ihm erklärten, dass die Kaffeemaschine bereits ausgeschaltet war und gerade gereinigt wurde, wurde er fast ein bisschen ungehalten und verließ schimpfend den Laden. Und auch morgens, wenn wir noch am Aufbauen sind und eigentlich noch gar nicht geöffnet haben, zeigen viele Kunden wenig Verständnis dafür, dass sie ein wenig länger warten müssen.
Aber egal wer zu uns ins Café kommt, die oberste Regel lautet immer: Der Kunde ist König. Also bleibt mir meistens gar nichts anderes übrig, als nur freundlich zu nicken und zu versuchen, die Wünsche der Kunden zu erfüllen.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Sep 15, 2017
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Sep 15, 2017

Bachelor live

An der schönen blauen Donau

An der Grenze zu Österreich – im tiefsten Bayern – liegt Passau. Im 50.000-Einwohner-Städtchen lässt es sich leben. Und studieren erst! Aus dem Hörsaalgebäude stürzt man direkt in die Inn, einen der drei Flüsse, die am Zipfel der Stadt, von dem man Österreich bereits erblickt, monumental in der Donau verschmelzen. Wenn das Licht von der richtigen Seite einfällt, erkennt man, wie sich das verschiedenfarbige Wasser der Flüsse vermengt. So schön es auch ist, wenn eine Stadt gleich drei Flüsse hat, wird Passau der Wasserreichtum nicht selten zum Verhängnis, wenn die Flüsse über die Ufer treten. Zuletzt war dies 2013 der Fall. Die Spuren des Hochwassers sind bis heute im ganzen Ort zu sehen, nicht nur anhand der Marken an den Hauswänden und der Existenz eines Hochwassermuseums, sondern auch an den Bauweisen der Häuser: Die historischen Gebäude haben im Erdgeschoss oft neue Fenster sowie moderne, schick designte Eingangstüren aus Metall.
Ist in Passau alles „im Lot“, ist nicht viel los in der Drei-Flüsse-Stadt. Gut ausgerüstete Radreisende schieben ihre Drahtesel durch die Stadt, glücklich, das Etappenziel erreicht zu haben. Hoch über der Stadt, vor der Klosterkirche, schmeißt man Geschirr, es wird geheiratet. Am Abend ist die Tankstelle der Treffpunkt der Nachtschwärmer. Egal ob jung, ob alt, mit oder ohne Auto: Hier trifft man sich. Untypisch viel Leben hier, mitten in der Nacht, an diesem sonst so beschaulichen Ort.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Sep 12, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Sep 12, 2017