interaktiv

Bachelor live

Snapchat und Co.

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

09.10.2017

Ich wehre mich meist gegen alles, was mir zu „Mainstream“ erscheint. Ich hatte jahrelang kein Handy mit einem fähigen App-Store, war die letzte aus meinem Freundeskreis, die sich ein Profil auf Facebook zulegte, und Instagram fand ich lange Zeit ziemlich angeberisch. Inzwischen finde ich es schwierig, mir ein Leben ohne ein Handy mit Apps vorzustellen, die Facebook-App öffne ich auch täglich und Instagram-süchtig bin ich sowieso. Wenn mich Freunde aus meiner Schulzeit damit necken, kann ich aber meist darüber lachen – und sage immer, dass ich halt Medienwissenschaft studiere und sich das so gehört.
In meinem Studium geht es eher um traditionelle Medien wie Radio, Film und Fernsehen, um Zeitungen, Bücher und Webseiten. Social Media taucht immer mal wieder in Seminaren auf, aber das Studium ist auf jeden Fall mehr als nur Facebook und Co. Ich glaube, dass trotzdem viele von uns Lust haben, nach ihrem Studium im Bereich Social Media zu arbeiten. Ich habe seit ein paar Monaten eine Stelle als studentische Hilfskraft und füttere als solche auch fleißig die Facebook-, Instagram- und Twitteraccounts verschiedener Kunden. Das macht mir Spaß, weil man so unkompliziert mit den Leuten in Kontakt treten kann.
Nur Snapchat verstehe ich bisher noch nicht. Bei Instagram bleibt immer noch das Gefühl, dass ich mit jedem Foto, das ich poste, eine Art Fotowand basteln kann. Snapchat ist aber vergänglich. Jedes Foto, das ich poste, ist einen Tag später gelöscht. Aus reiner Neugier habe ich mir die App aber doch installiert. Genau zwei meiner eingespeicherten Kontakte sind dort aktiv: Meine jüngere Schwester schickte mir einige Tage lang Fotos von ihren Füßen in Turnschuhen kurz vor dem Sportunterricht und von selbstgekochten Nudelgerichten. Und eine Freundin aus der Uni versorgte mich mehrmals täglich mit Bildern aus ihrem Leben.
Mein Fazit: Ich verstehe diesen Trend immer noch nicht. Warum muss jemand wissen, was ich gegessen habe, selbst wenn das Foto kein bisschen schön aussieht? Warum muss ich all meinen Freunden zeigen, dass ich mit zwei von ihnen abends im Kino war? Gleichzeitig frage ich mich aber auch, wie das meine berufliche Zukunft verändern wird: Werden die PR-Agenturen in zehn Jahren zunehmend Fotos auf Snapchat stellen? Je länger ich Medienwissenschaft studiere, desto mehr frage ich mich, was es sowohl für die Werbung aber auch die Öffentlichkeitsarbeit bedeutet, wenn alles, was wir ins Internet stellen, immer vergänglicher wird.

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