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Bachelor live

Pauschalurlaub oder Freiwilligendienst?

Vor einigen Wochen saß ich bei meiner Ärztin und wollte wissen, welche Impfungen ich noch für meine Südafrikareise im Sommer brauche. Ob ich Kontakt zu Einheimischen haben würde, wollte sie wissen. Ich bejahte, angemeldet hatte ich mich eben für ein Workcamp und nicht für eine Rundreise durch Nationalparks. „Ach ja, so ein Charity-Projekt“, sagte sie und stellte mir ein Rezept für Impfstoffe aus, die ich kaufen sollte.
Ich finde es seltsam, wenn etwas als Charity-Projekt bezeichnet wird. Das Wort Charity erinnert mich an Fundraising und Spendensammeln, womit ein Workcamp wenig zu tun hat. Charity-Projekt, das klingt, als würden die Einheimischen vor Ort mehr davon profitieren als diejenigen, die aus dem Ausland anreisen. Nicht umsonst bezeichnen sich viele Freiwilligendienste inzwischen als „Lerndienste“, um zu betonen, dass es vor allem darum geht, jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, im Ausland etwas außerhalb von Schule, Ausbildung oder Universität zu lernen.
Aber was ist so ein Workcamp nun? Im Vorfeld fühlte es sich wie ein Pauschalurlaub an: Du meldest dich an, schreibst ein paar Worte über deine Motivation für die Reise, du bekommst deine Flugtickets zugeschickt, die Unterkunft wird organisiert – alles ganz einfach. Vor Ort ist es dann etwas anders: Nur an den Wochenenden ist Touristenprogramm angesagt. Wenn auf dem Plan steht, dass der Kirchengarten vor Ort neu gestaltet werden soll, muss eine Aufgabenverteilung her. Und man muss für alle Workcampteilnehmer kochen, das gemeinsame Haus putzen und nicht zuletzt dafür sorgen, dass sich alle verstehen.
Nach meinem Abitur habe ich neun Monate lang einen Freiwilligendienst gemacht und je länger ich in Südafrika war, desto mehr fühlte sich das Leben dort ein wenig wie die Zeit nach meinem Abitur an – nur etwas kürzer, dafür intensiver und mindestens genauso anstrengend. Ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass ein Workcamp insofern ein großer Luxus ist, weil es nicht jedem Reisenden ermöglicht werden kann, so schnell und so einfach Freundschaften mit Einheimischen aufzubauen – gerade das erinnert einen vor Ort aber auch daran, dass es doch etwas völlig anderes ist als ein Pauschalurlaub.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Oct 26, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Oct 26, 2017

Bachelor live

Theater in der Finsternis

Ich gehe sehr gerne ins Theater und habe schon viele verschiedene Stücke gesehen, darunter auch Musicals, Open-Air-Aufführungen, Produktionen des Theaterjugendclubs und klassische Stücke. Eine ganz neue Theatererfahrung habe ich vergangene Woche gemacht, als ich mit einer Freundin das Spiel „20.000 Meilen unter dem Meer“ besuchte. Das Besondere an dieser Aufführung: Sie fand komplett im Dunkeln statt. Bevor es losging, konnte ich mir kaum vorstellen, etwa 70 Minuten lang ruhig in der Finsternis zu sitzen. Als dann alle Lichter ausgingen und uns tatsächlich völlige Dunkelheit umgab, dauerte es zunächst einen kleinen Moment, bis meine Augen aufhörten, vergeblich einen Lichtpunkt zu suchen und ich mich auf einen einzigen Sinn konzentrieren konnte: das Hören.
Mit einer Mischung aus reiner Erzählung und Rollenspiel wurde die Geschichte des Professor Aronnax, seines Dieners Conseil und Kapitän Nemo erzählt. Das Publikum saß in der Mitte des Raumes, während sich die Schauspieler um uns herum bewegten. Gleichzeitig waren an verschiedenen Stellen Lautsprecher befestigt, durch die Hintergrundgeräusche wie Meeresrauschen elektronisch eingespielt wurde. Es hat sich wirklich ein bisschen angefühlt wie eine Traumreise, bei der man die Augen schließt und sich gedanklich an einen anderen Ort oder in eine bestimmte Situation begibt. Obwohl wir als Publikum nur zuhören konnten und anders als bei normalen Theateraufführungen Mimik, Gestik und Requisiten keine Rolle spielten, war die Aufführung sehr mitreißend. An der Stelle, an der in der Geschichte die Luft in der Kabine des U-Bootes knapp wurde, schnappten auch einige Personen im Publikum nach Luft. Als schließlich die Lichter wieder angingen, fühlte ich mich, als würde ich aus einem Traum erwachen und in die Realität zurückkommen.
Das Theater in der Finsternis war mal etwas ganz anderes und eine sehr coole neue Erfahrung. Ich finde es beeindruckend, wie die Schauspieler es geschafft haben, allein mit ihren Stimmen so viele Emotionen rüberzubringen und sich zusätzlich noch im Dunkeln zu orientierten.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Oct 24, 2017
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Oct 24, 2017

Bachelor live

Niedersorbisch? Obercool!

Das neue Semester hat begonnen. Auf dem Campus kehrt wieder Leben ein, in der Mensa muss man Schlange stehen, die Erstis finden sich langsam aber sicher zurecht. Und ich? Ich besuche neue spannende Seminare und Vorlesungen.
Schon jetzt das Highlight des Semesters ist die Fremdsprache, welche ich lerne: Nach vier Semestern Tschechisch und zwei Semestern Polnisch bleibe ich weiterhin im westslawischen Raum, doch beschäftige mich nun mit einer etwas anderen Sprache – Niedersorbisch.
Die Sorben in der Lausitz im Osten Sachsens und in Brandenburg sind in Deutschland anerkannte Minderheit. Seit dem 7. Jahrhundert siedeln sie im Gebiet der Slawen. Der Minderheitenstatus hat seine Auswirkungen: Es finden sich zum Beispiel zweisprachige Ortschilder in den Gebieten und vor Gericht darf man Sorbisch sprechen. Wenn man Sorbisch lernt, hat man es unmittelbar mit Sprachpolitik zu tun. Um die wenigen niedersorbischen Schulen ist es nicht gut bestellt und immer weniger beherrschen die Sprache: Während das Obersorbische noch rund 20.000 Sprecher hat, hat das Niedersorbische nur um die 7.000 und wird von der Unesco als akut gefährdete Sprache eingestuft. Die wenigen, die die Sprache in der Lausitz erlernen, ziehen nach dem Abitur oft hinaus in die Welt. Die Muttersprachler sterben aus.
Und nun lerne ich diese Sprache. Warum? Weil Polnisch recht geläufig ist, weil ich schließlich auch mal Latein gelernt habe und das spricht überhaupt niemand mehr, weil ich meine Kenntnisse der westslawischen Sprachen ausweiten will.
Also Niedersorbisch. Die Sprache klingt wunderschön und überspitzt gesagt wie eine Mischung aus Schwyzerdütsch, Tschechisch und Polnisch. Die letzten beiden Sprache helfen mir natürlich enorm beim Verstehen des Niedersorbischen oder Wendischen, wie es auch genannt wird, und auch die kleine Kursgröße trägt zum schnellen Lernen bei: „Eine Sprache, die kurz vor dem Aussterben ist, die will man nicht lernen, was bringt einem das schon“, denkt sich wohl der Otto-Normal-Studierende und so sind wir dreimal die Woche nur zu dritt im Kurs. Ich bin auf jeden Fall überzeugt: Niedersorbisch ist obercool! Bozemje!

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Oct 23, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Oct 23, 2017