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Bachelor live

Pauschalurlaub oder Freiwilligendienst?

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

26.10.2017

Vor einigen Wochen saß ich bei meiner Ärztin und wollte wissen, welche Impfungen ich noch für meine Südafrikareise im Sommer brauche. Ob ich Kontakt zu Einheimischen haben würde, wollte sie wissen. Ich bejahte, angemeldet hatte ich mich eben für ein Workcamp und nicht für eine Rundreise durch Nationalparks. „Ach ja, so ein Charity-Projekt“, sagte sie und stellte mir ein Rezept für Impfstoffe aus, die ich kaufen sollte.
Ich finde es seltsam, wenn etwas als Charity-Projekt bezeichnet wird. Das Wort Charity erinnert mich an Fundraising und Spendensammeln, womit ein Workcamp wenig zu tun hat. Charity-Projekt, das klingt, als würden die Einheimischen vor Ort mehr davon profitieren als diejenigen, die aus dem Ausland anreisen. Nicht umsonst bezeichnen sich viele Freiwilligendienste inzwischen als „Lerndienste“, um zu betonen, dass es vor allem darum geht, jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, im Ausland etwas außerhalb von Schule, Ausbildung oder Universität zu lernen.
Aber was ist so ein Workcamp nun? Im Vorfeld fühlte es sich wie ein Pauschalurlaub an: Du meldest dich an, schreibst ein paar Worte über deine Motivation für die Reise, du bekommst deine Flugtickets zugeschickt, die Unterkunft wird organisiert – alles ganz einfach. Vor Ort ist es dann etwas anders: Nur an den Wochenenden ist Touristenprogramm angesagt. Wenn auf dem Plan steht, dass der Kirchengarten vor Ort neu gestaltet werden soll, muss eine Aufgabenverteilung her. Und man muss für alle Workcampteilnehmer kochen, das gemeinsame Haus putzen und nicht zuletzt dafür sorgen, dass sich alle verstehen.
Nach meinem Abitur habe ich neun Monate lang einen Freiwilligendienst gemacht und je länger ich in Südafrika war, desto mehr fühlte sich das Leben dort ein wenig wie die Zeit nach meinem Abitur an – nur etwas kürzer, dafür intensiver und mindestens genauso anstrengend. Ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass ein Workcamp insofern ein großer Luxus ist, weil es nicht jedem Reisenden ermöglicht werden kann, so schnell und so einfach Freundschaften mit Einheimischen aufzubauen – gerade das erinnert einen vor Ort aber auch daran, dass es doch etwas völlig anderes ist als ein Pauschalurlaub.

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