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Bachelor live

Kosovo 1: Die Hauptstadt

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

28.11.2017

Eine gute Freundin von mir studiert derzeit ein Jahr lang im Rahmen des Erasmus-Programms in der Hauptstadt des Kosovos, Pristina. Ein wenig mehr als eine Million Einwohner hat der Kosovo und 200.000 davon wohnen dort – es ist wohl ein toller Ort. Ich mache ich mich also auf mit dem ICE nach Berlin, zum Schönefelder Flughafen und mit dem Billigflieger runter auf den Balkan.
Pristina scheint eine ganz normale europäische Hauptstadt zu sein: Kinder spielen, Hunde bellen, auf dem Markt herrscht reges Treiben. Doch der Balkan-Krieg ist noch nicht lange her. Ab und an fahren Militärfahrzeuge von großen internationalen Missionen, die noch im Land sind, durch die Straßen. Auf dem Hauptplatz der Stadt schwenken Albaner, die größte Volksgruppe im Land, bei einer Demonstration vor dem Parlament ihre Fahnen. Mit den Serben gibt es noch immer Konflikte. Die deutsche Bundesregierung erkannte 2008 die Unabhängigkeit des Kosovo an. Und das Auswärtige Amt warnt: „Es wird […] empfohlen, größere Menschenansammlungen zu meiden und sich über die lokalen Medien über die Sicherheitslage vor Ort zu informieren.“
Im Nationaltheater lasse ich die schöne albanische Sprache auf mich wirken. Hier im Zentrum gibt es unzählige hippe Cafés und Bars, ganze Straßenzüge lang. An jeder Ecke werden Kebab und gute Speisen angeboten – die Küche des Landes ist fleischlastig. Die Bevölkerung ist hauptsächlich islamisch. Das hat mitunter zur Folge, dass man auf dem Turm einer katholischen Kirche steht und ringsherum die Muezzine rufen hört. Der Verkehr ist wild: Fußgänger überqueren die Straßen immer dann, wenn sich eine Lücke auftut. Ein paar Hoteltürme ragen in den Himmel. Wer wohl da oben Champagner trinkt? An jedem Laternenpfahl hängen grün eingerahmte Zettel mit Porträts von alten Leuten und deren Nachrufen. Die Nationalbibliothek, welche gleichzeitig die der Universität ist, ist übersichtlich. Unten gibt es ein Café, da hängen Rauchen-verboten-Schilder an den Wänden, trotzdem sieht man sein Gegenüber kaum durch die dicken Rauchschwaden.
Pristina – eben eine fast ganz normale europäische Hauptstadt.

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