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Bachelor live

Kosovo 2: Die Berge

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

30.11.2017

Es dämmert schon in Pristina, als ich mit meiner guten Freundin in den Bus nach Peja einsteige. Der Bus füllt sich schnell, unterwegs steigen bis in die Peripherie der Hauptstadt hinaus noch Leute zu, man steht bereits auf dem Gang. Aus den Lautsprechern tönt grelle Gute-Laune-Popmusik, aber kein englisch-sprachiger Einheitsbrei, sondern echte, lokale Musik in einer fremden Sprache. Vorne steht auf einem Schild „Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ – wohl ein ausgesonderter Bus aus Deutschland. Der Fahrer unterhält sich jedenfalls trotzdem.
Als wir am nächsten Morgen wanderlustig die Herberge verlassen, sind wir verblüfft: Die unfassbar schöne Berglandschaft um uns herum hatten wir am Abend zuvor gar nicht gesehen. Am Treffpunkt, wo wir auf den Bus des Alpinclubs aus Pristina warten, erscheint keiner. Wir rufen an und erfahren. Man ist ohne uns einzusammeln vorbeigefahren. Na gut, dann trampen wir eben ein paar Kilometer in die Berge. „Trampen ist im Kosovo unüblich und nicht zu empfehlen“, steht zwar in meinem Reiseführer. Sieben Minuten später sitzen wir allerdings auf der Rückbank des Wagens zweier junger Herren, die uns von ihrer Pizza abgeben. Es sind echte Bergsteigerprofis – und lassen uns an einer Stelle raus, wo es nicht zu gefährlich zum Wandern ist, irgendwo im Nirgendwo, allein in den Bergen. In der Sonne ist es behaglich warm, im Schatten ist der Weg vereist. Eine Herde Kühe kommt uns mit lautem Glockengeläut entgegen.
Schließlich nähern wir uns einem Gipfel und ein paar Hütten. Wir erwarten die komplette Idylle und tatsächlich hat man einen großartigen Blick, Schnee und Sonne. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich ein paar der Hütten – es sind vielleicht um die zehn – als regelrechte Villen und die Menschen hier oben sprechen Deutsch. Ein Mann erklärt uns, dass es sich hauptsächlich um Ferienhäuser und ihre Bewohner aus der Stadt handelt.
Wir machen uns an den Abstieg. Unten angekommen sticht uns ein Reisebus ins Auge. Und tatsächlich: Es ist der Alpinclub aus der Hauptstadt, der seine Tour beendet hat. Um die 100 mit Fotoapparaten und Funktionskleidung ausgestatteten, erschöpften kosovo-albanischen Wanderer trudeln langsam ein. Wir sind uns sicher, die schönere Wanderung gehabt zu haben. Dankenswerterweise nehmen sie uns mit zurück nach Peja, in die Stadt, wo das beste Bier des Kosovo gebraut wird. Doch das heute Abend noch näher zu verkosten, dazu kommen wir gar nicht mehr. Müde und sehr glücklich fallen wir ins Herbergsbett und in den Schlaf.

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