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Bachelor live

Kosovo 3: Die Menschen

Die Menschen im Kosovo sind allesamt sehr lieb. Zumindest die, die ich erlebt habe. Natürlich bin ich als Tourist sofort zu entlarven und man will wissen, woher ich komme. Alle Taxifahrer kennen Leipzig: „RB Leipzig. Gute Fußball. Bundesliga!“ Sie sind dann enttäuscht ob meines Desinteresses für Fußball.

Gefühlt kann hier jeder Deutsch: Der Mann im Dönerladen, die Reinigungskraft auf der Busbahnhofstoilette, der Taxifahrer, der wohlhabende Familienvater auf dem Berg in den Albanischen Alpen. Denn im Krieg bekamen viele Kosovoalbaner Asyl in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Einige brachten dort ihre Kinder zur Welt. Dann mussten sie zurück, sie wurden abgeschoben. Der Verkäufer im Supermarkt erzählt mir, er hätte neun Jahre in Deutschland gelebt, aber dann musste er zurück. Seine Schwester lebt zwar noch in Deutschland, aber er bekommt kein Visum. Das ist doch verrückt! Ich kann einfach so in dieses Land reisen, nur mit meinem Reisepass, ohne einen dicken Dokumentenstapel. Und die Menschen dort dürfen nicht mehr in das Land zurück, in dem sie neun Jahre lang gelebt haben. Ich begreife ein bisschen mehr, was Krieg, Flucht und Abschiebung bedeuten.

Als ich zurückfliege und am Münchner Flughafen bei der Passkontrolle stehe, komme ich mir deshalb etwas komisch vor – für mich geht es so einfach …

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 5, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Dec 5, 2017

Bachelor live

Zwei Semester in einem

Dieses Semester wird mein mit Abstand anstrengendstes. In Zahlen ausgedrückt: Ich sammle dieses Semester rund 60 Leistungspunkte, indem ich drei Vorlesungen, ein Proseminar, ein Mittelseminar und eine Übung in meinem Hauptfach sowie vier Vorlesungen inklusive Klausur in meinem Nebenfach belege. Dazu mache ich noch zwei zusätzliche Seminare in Germanistik für das Modul „Erweiternde Kompetenzen“ und „Visuelle Kompetenzen“. Deshalb werde ich von Montag bis Freitag Uni haben und dementsprechend einen sehr hohen Arbeitsaufwand. Ständig müssen neue Referate, schriftliche Hausaufgaben und Paper vorbereitet werden.
Warum ich zwei Semester in eins presse? Weil ich nächstes Semester so gut wie nichts machen kann. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich im April und Mai 2018 eine Hospitanz in Berlin beim ZDF machen kann und sehe diese Chance als einmalig an. Dieser Zeitraum liegt allerdings etwas ungeschickt, da mein Semester im April beginnt und ich daher sechs Wochen fehlen werde – an sich auch kein Problem, in meinem Institut besteht Anwesenheitspflicht. Bei zweimaligem Fehlen kann man an der Veranstaltung nicht mehr weiter teilnehmen und fällt automatisch durch. Natürlich könnte ich ein Urlaubssemester nehmen und alles ganz entspannt auf mich zukommen lassen. Aber ehrlich gesagt habe ich dieses Studium mit dem Vorsatz aufgenommen, es in der Regelstudienzeit zu schaffen, und das möchte ich auch durchziehen. Außerdem möchte ich im fünften Semester ins Ausland gehen und dort ohne den durchgängigen Druck studieren, in Deutschland noch viele offene Module zu haben. Danach werde ich im sechsten Semester meine Bachelorarbeit schreiben und mein Studium abschließen.
Ich würde mir dieses Pensum natürlich nicht aufladen, wenn ich nicht sicher wäre, dass ich es schaffen kann. Die Prüfungsphase wird zwar bestimmt hart und es ist noch einiges zu tun, aber ich arbeite mich durch und weiß, dass ich nach dem Ende des Semestern sehr tief durchatmen kann – auf diesen Moment freue ich mich schon.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Dec 1, 2017
Autor: Bo
Rubrik: studium
Dec 1, 2017

Bachelor live

Kosovo 2: Die Berge

Es dämmert schon in Pristina, als ich mit meiner guten Freundin in den Bus nach Peja einsteige. Der Bus füllt sich schnell, unterwegs steigen bis in die Peripherie der Hauptstadt hinaus noch Leute zu, man steht bereits auf dem Gang. Aus den Lautsprechern tönt grelle Gute-Laune-Popmusik, aber kein englisch-sprachiger Einheitsbrei, sondern echte, lokale Musik in einer fremden Sprache. Vorne steht auf einem Schild „Während der Fahrt bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ – wohl ein ausgesonderter Bus aus Deutschland. Der Fahrer unterhält sich jedenfalls trotzdem.
Als wir am nächsten Morgen wanderlustig die Herberge verlassen, sind wir verblüfft: Die unfassbar schöne Berglandschaft um uns herum hatten wir am Abend zuvor gar nicht gesehen. Am Treffpunkt, wo wir auf den Bus des Alpinclubs aus Pristina warten, erscheint keiner. Wir rufen an und erfahren. Man ist ohne uns einzusammeln vorbeigefahren. Na gut, dann trampen wir eben ein paar Kilometer in die Berge. „Trampen ist im Kosovo unüblich und nicht zu empfehlen“, steht zwar in meinem Reiseführer. Sieben Minuten später sitzen wir allerdings auf der Rückbank des Wagens zweier junger Herren, die uns von ihrer Pizza abgeben. Es sind echte Bergsteigerprofis – und lassen uns an einer Stelle raus, wo es nicht zu gefährlich zum Wandern ist, irgendwo im Nirgendwo, allein in den Bergen. In der Sonne ist es behaglich warm, im Schatten ist der Weg vereist. Eine Herde Kühe kommt uns mit lautem Glockengeläut entgegen.
Schließlich nähern wir uns einem Gipfel und ein paar Hütten. Wir erwarten die komplette Idylle und tatsächlich hat man einen großartigen Blick, Schnee und Sonne. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich ein paar der Hütten – es sind vielleicht um die zehn – als regelrechte Villen und die Menschen hier oben sprechen Deutsch. Ein Mann erklärt uns, dass es sich hauptsächlich um Ferienhäuser und ihre Bewohner aus der Stadt handelt.
Wir machen uns an den Abstieg. Unten angekommen sticht uns ein Reisebus ins Auge. Und tatsächlich: Es ist der Alpinclub aus der Hauptstadt, der seine Tour beendet hat. Um die 100 mit Fotoapparaten und Funktionskleidung ausgestatteten, erschöpften kosovo-albanischen Wanderer trudeln langsam ein. Wir sind uns sicher, die schönere Wanderung gehabt zu haben. Dankenswerterweise nehmen sie uns mit zurück nach Peja, in die Stadt, wo das beste Bier des Kosovo gebraut wird. Doch das heute Abend noch näher zu verkosten, dazu kommen wir gar nicht mehr. Müde und sehr glücklich fallen wir ins Herbergsbett und in den Schlaf.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Nov 30, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Nov 30, 2017