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Bachelor live

Kosovo 3: Die Menschen

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

05.12.2017

Die Menschen im Kosovo sind allesamt sehr lieb. Zumindest die, die ich erlebt habe. Natürlich bin ich als Tourist sofort zu entlarven und man will wissen, woher ich komme. Alle Taxifahrer kennen Leipzig: „RB Leipzig. Gute Fußball. Bundesliga!“ Sie sind dann enttäuscht ob meines Desinteresses für Fußball.

Gefühlt kann hier jeder Deutsch: Der Mann im Dönerladen, die Reinigungskraft auf der Busbahnhofstoilette, der Taxifahrer, der wohlhabende Familienvater auf dem Berg in den Albanischen Alpen. Denn im Krieg bekamen viele Kosovoalbaner Asyl in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Einige brachten dort ihre Kinder zur Welt. Dann mussten sie zurück, sie wurden abgeschoben. Der Verkäufer im Supermarkt erzählt mir, er hätte neun Jahre in Deutschland gelebt, aber dann musste er zurück. Seine Schwester lebt zwar noch in Deutschland, aber er bekommt kein Visum. Das ist doch verrückt! Ich kann einfach so in dieses Land reisen, nur mit meinem Reisepass, ohne einen dicken Dokumentenstapel. Und die Menschen dort dürfen nicht mehr in das Land zurück, in dem sie neun Jahre lang gelebt haben. Ich begreife ein bisschen mehr, was Krieg, Flucht und Abschiebung bedeuten.

Als ich zurückfliege und am Münchner Flughafen bei der Passkontrolle stehe, komme ich mir deshalb etwas komisch vor – für mich geht es so einfach …

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