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Bachelor live

Wenn Gäste kommen

Wie geht ihr damit um, wenn Besuch kommt? Die Frage habe ich mir immer wieder gestellt, als ich an einem Workcamp in einem Vorort der südafrikanischen Millionenstadt Kapstadt teilgenommen habe. Wie würde die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, damit umgehen, wäre eine Gruppe südafrikanischer Jugendliche bei der lokalen Kirche zu Besuch?
In Südafrika jedenfalls war ich überwältigt von all der Gastfreundlichkeit. Während meines mehrstündigen Flugs konnte ich kaum glauben, dass dort am anderen Ende der Welt tatsächlich Menschen auf mich warteten, mich am Flughafen auf die Rückbank ihres Autos klettern lassen und mich zu meinem Zuhause für die nächsten drei Wochen fahren würden. Als alle Freiwilligen dort ankamen, wurde bereits gegrillt, unsere Gastgeber hatten Betten in das sonst leere Haus neben der Kirche geschoben und unsere sonst ebenso leere Küche mit ihren Kochutensilien gefüllt. Über die nächsten Wochen wurden wir unzählige Male zum Essen eingeladen. Während wir uns fragten, wie wir nach einer solchen Einladung höflich anbringen konnten, dass wir weder mit einem Auto noch den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihnen kommen konnten, war für die Familien längst klar: Jemand von ihnen holt uns mit dem Auto ab.
Als wir vier Wochen später zurück zum Flughafen fuhren, sagten wir allen Liebgewonnenen, dass sie uns unbedingt besuchen müssen. Die südafrikanische Lehrerin und unsere Fahrerin lachte und sagte: „Dann müsst ihr aber für mich kochen, denn wenn ich ein Ticket nach Deutschland kaufe, habe ich sonst kein Geld mehr.“ Das war ein recht seltsamer Moment für uns.
Seltsam war es auch zuvor bei besagten Essenseinladungen, dass sich die gastgebende Familie nicht zu uns setzte. In Deutschland ist das Essen oft Nebensache, es geht um die Gespräche, um das Drumherum. Während meines Freiwilligendienstes in Spanien habe ich erlebt, dass das Essen dort einen ganz anderen Stellenwert hat und es viel mehr als kleine Feier betrachtet wurde. Auch in Südafrika schien das so, aber eher in dem Sinne, dass die Gastgeber meist nicht aßen, bevor die Gäste satt geworden waren. Umgekehrt mussten wir jeglichem Besuch, den wir in unserem kleinen Häuschen empfangen, den Teller mit Essen in die Hand drücken, statt zu fragen, ob sie etwas mitessen wollten – denn egal, wann sie das letzte Mal an dem Tag gegessen hatten, sie hätten die Frage aus lauter Gastfreundlichkeit sowieso verneint.

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Dec 6, 2017
Autor: Marie
Rubrik: studium
Dec 6, 2017

Bachelor live

Kosovo 3: Die Menschen

Die Menschen im Kosovo sind allesamt sehr lieb. Zumindest die, die ich erlebt habe. Natürlich bin ich als Tourist sofort zu entlarven und man will wissen, woher ich komme. Alle Taxifahrer kennen Leipzig: „RB Leipzig. Gute Fußball. Bundesliga!“ Sie sind dann enttäuscht ob meines Desinteresses für Fußball.

Gefühlt kann hier jeder Deutsch: Der Mann im Dönerladen, die Reinigungskraft auf der Busbahnhofstoilette, der Taxifahrer, der wohlhabende Familienvater auf dem Berg in den Albanischen Alpen. Denn im Krieg bekamen viele Kosovoalbaner Asyl in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Einige brachten dort ihre Kinder zur Welt. Dann mussten sie zurück, sie wurden abgeschoben. Der Verkäufer im Supermarkt erzählt mir, er hätte neun Jahre in Deutschland gelebt, aber dann musste er zurück. Seine Schwester lebt zwar noch in Deutschland, aber er bekommt kein Visum. Das ist doch verrückt! Ich kann einfach so in dieses Land reisen, nur mit meinem Reisepass, ohne einen dicken Dokumentenstapel. Und die Menschen dort dürfen nicht mehr in das Land zurück, in dem sie neun Jahre lang gelebt haben. Ich begreife ein bisschen mehr, was Krieg, Flucht und Abschiebung bedeuten.

Als ich zurückfliege und am Münchner Flughafen bei der Passkontrolle stehe, komme ich mir deshalb etwas komisch vor – für mich geht es so einfach …

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 5, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Dec 5, 2017

Bachelor live

Zwei Semester in einem

Dieses Semester wird mein mit Abstand anstrengendstes. In Zahlen ausgedrückt: Ich sammle dieses Semester rund 60 Leistungspunkte, indem ich drei Vorlesungen, ein Proseminar, ein Mittelseminar und eine Übung in meinem Hauptfach sowie vier Vorlesungen inklusive Klausur in meinem Nebenfach belege. Dazu mache ich noch zwei zusätzliche Seminare in Germanistik für das Modul „Erweiternde Kompetenzen“ und „Visuelle Kompetenzen“. Deshalb werde ich von Montag bis Freitag Uni haben und dementsprechend einen sehr hohen Arbeitsaufwand. Ständig müssen neue Referate, schriftliche Hausaufgaben und Paper vorbereitet werden.
Warum ich zwei Semester in eins presse? Weil ich nächstes Semester so gut wie nichts machen kann. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich im April und Mai 2018 eine Hospitanz in Berlin beim ZDF machen kann und sehe diese Chance als einmalig an. Dieser Zeitraum liegt allerdings etwas ungeschickt, da mein Semester im April beginnt und ich daher sechs Wochen fehlen werde – an sich auch kein Problem, in meinem Institut besteht Anwesenheitspflicht. Bei zweimaligem Fehlen kann man an der Veranstaltung nicht mehr weiter teilnehmen und fällt automatisch durch. Natürlich könnte ich ein Urlaubssemester nehmen und alles ganz entspannt auf mich zukommen lassen. Aber ehrlich gesagt habe ich dieses Studium mit dem Vorsatz aufgenommen, es in der Regelstudienzeit zu schaffen, und das möchte ich auch durchziehen. Außerdem möchte ich im fünften Semester ins Ausland gehen und dort ohne den durchgängigen Druck studieren, in Deutschland noch viele offene Module zu haben. Danach werde ich im sechsten Semester meine Bachelorarbeit schreiben und mein Studium abschließen.
Ich würde mir dieses Pensum natürlich nicht aufladen, wenn ich nicht sicher wäre, dass ich es schaffen kann. Die Prüfungsphase wird zwar bestimmt hart und es ist noch einiges zu tun, aber ich arbeite mich durch und weiß, dass ich nach dem Ende des Semestern sehr tief durchatmen kann – auf diesen Moment freue ich mich schon.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Dec 1, 2017
Autor: Bo
Rubrik: studium
Dec 1, 2017