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Bachelor live

Generation Fernbeziehung

Autor:
Bo

Rubrik:
studium

13.12.2017

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie viele Fernbeziehungen in meinem Umfeld geführt oder begonnen werden – sei es zwischen Frankfurt und Berlin, Heidelberg und Hamburg, München und Marburg oder im extremsten Fall Bamberg und Hong Kong. Jeder scheint entweder schon mal eine Fernbeziehung geführt oder eine zumindest in seinem direkten Umfeld erlebt zu haben.
Ich habe diesen Sommer in Berlin meinen jetzigen Freund kennengelernt und nun führen wir eine Beziehung zwischen Heidelberg und Frankfurt. Es war von Anfang an für uns kein Hindernis, da uns nur eine eineinhalbstündige Autofahrt trennt und dank Skype und WhatsApp der andere immer erreichbar und „da“ zu sein scheint. Sich auf das gemeinsame Wochenende zu freuen und dieses bewusst zu erleben, hat einen unbestreitbaren Reiz. Mit einem guten Freund sprach ich am Wochenende über seine Fernbeziehung zwischen Berlin und Frankfurt. Die beiden brauchen zum anderen an guten Tagen vier Stunden, an schlechten Tagen bis zu sechs Stunden. Sie schaffen es trotzdem, sich mindestens einmal in zwei Wochen zu sehen. Seiner Meinung nach seien Fernbeziehungen insbesondere unter Studierende die Normalität. Er erklärte sich das so: „Ich weiß nicht, wo ich in einem Jahr sein werde – vielleicht mache ich ein Auslandssemester, vielleicht gehe ich an eine andere Hochschule. Und spätestens zum Master möchte ich noch mal in eine andere Stadt umziehen. Insgesamt ist uns Studierenden die Mobilität wichtig, ortsgebundene Verpflichtungen haben wir kaum.“ Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war seine Aussage, dass es natürlich einfacher und bequemer gehen könnte. Doch wir sind eben so mobil und unstet, dass das Kennen- und lieben lernen schwer wird.
Natürlich gibt es unzählige Campus-Beziehungen, doch auch bei diesen geht oft mindestens einer für ein Semester ins Ausland und so führen sie zumindest eine temporäre Fernbeziehung. Vielleicht sind wir ja nicht „Generation beziehungsunfähig“, sondern die „Generation Fernbeziehung“.

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