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Bachelor live

Zurückkehren ist nicht einfach

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

14.12.2017

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich zu Schulzeiten von Klassenfahrten, Skifreizeiten und meinem Schüleraustausch zurück zu nach Hause gekommen bin: Jedes Mal habe ich mich unglaublich gefreut! Meine Eltern, meine Schwester, mein eigenes Bett, die vertraute Umgebung – egal wie schön die Zeit woanders war, mein Zuhause habe ich doch immer etwas vermisst.
Das hat sich geändert, als ich nach dem Abitur für neun Monate einen Freiwilligendienst in Madrid absolviert habe. Schon nach knapp drei Monaten als ich über die Weihnachtsferien zurück nach Deutschland geflogen bin, fühlte sich Madrid eher wie mein Zuhause an. In Deutschland hingegen erschienen mir die Menschen seltsam kühl. Weitere sechs Monate später ging mein Freiwilligendienst in Spanien zu Ende. Kaum war ich zurück in Deutschland, ging es für ein Seminar nach Berlin. Das klingt zunächst sehr stressig, aber im Endeffekt war es super. Denn in der Zeit nach meinem Freiwilligendienst wollte ich nicht wahrhaben, dass ich Madrid nicht so schnell wiedersehen würde. Mir fehlten der Rotwein und die Tortilla, meine französische Mitbewohnerin und meine beste Freundin, die Menschen, mit denen ich gearbeitet hatte, die Siesta und die durchgemachten Nächte. Sonst hätte ich wahrscheinlich mein Unvermögen, mit dem Ende meiner Spanienzeit umzugehen, direkt an meinen Eltern ausgelassen.
Im Sommer verbrachte ich vier Wochen in einem Workcamp in Südafrika. Das ist keine lange Zeit und es war auch anstrengend, da wir uns immer wieder auf Neues einlassen mussten. Aber zurückkehren ist trotzdem nicht einfach, merkte ich nun wieder. Auch würden mir zurück in Deutschland erst die Unterschiede bewusst. In unserem Viertel bei Kapstadt war der Elektrozaun um unser Grundstück normal und auch, dass ich nicht alleine auf die Straße ging. Zurück bei meinen Eltern war es seltsam und befremdlich, einfach so allein aus dem Haus zu gehen und im Wald zu spazieren. Viel Zeit zum Nachdenken blieb mir aber nicht: Zwei Hausarbeiten wollten abgegeben werden und in der Woche nach dem Rückflug fing ich wieder an zu arbeiten. Auch das war stressig – und wohl gut so. Sobald ich wieder in Bonn unter meinen Unifreunden war, war es beinahe so, als wäre ich nie in Südafrika gewesen. Erst nach und nach fiel mir das Rückkehren wieder schwer, etwa wenn ich Menschen von Südafrika erzählen sollte und selbst noch kein Fazit von der Reise gezogen hatte.
Ich glaube, dass es zu einem Auslandsaufenthalt dazugehört, mit der Rückkehr zu hadern. Sonst hätten wir uns in der Zeit schließlich nicht verändert und nichts dazugelernt.

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