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Bachelor live

Nur das Besondere zählt

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

16.03.2018

Als Teil meines Soziologiemoduls konnten wir uns in diesem Semester einen Lektürekurs aussuchen. Dieser besteht aus einer Vorlesung, einer Übung und einem Seminar, wobei wir uns bei letzten beiden aus mehreren Angeboten eines aussuchen konnten. Ich habe mich für die Übung „Die Gesellschaft der Singularitäten“ entschieden – und wusste damals noch gar nicht, dass es sich dabei um den Titel des neuen Buchs des Soziologen und Kulturwissenschaftlers Andreas Reckwitz handelt, das erst im Oktober 2017 erschienen ist.
Selten habe ich mich beim Lesen einer soziologischen Theorie so ertappt gefühlt. Andreas Reckwitz behauptet, dass unsere Gesellschaft sich zunehmend auf Singularitäten ausrichtet, auf das eigene Profil, auf das Besondere. Insbesondere das Akademikermilieu, das er als neue Mittelklasse bezeichnet, kauft ihm zufolge Fair-Trade-Oberteile, weil diese eine besondere Geschichte mitbringen, geht in der Freizeit auch als Erwachsene Dingen nach, die spielerisch erscheinen –  zum Beispiel Aktivurlaube – und gestaltet das Leben zunehmend ästhetisch.
Je weiter ich mit dem Buch vorankam, desto mehr Beispiele fielen mir aus meinem eigenen Leben ein. Haben wir nicht alle ein T-Shirt, das wir so lieb haben, weil wir es in einem besonderen Urlaub gekauft haben, obwohl es objektiv betrachtet genauso aussieht wie alle anderen T-Shirts? Neben Politikwissenschaft und Soziologie studiere ich Medienwissenschaft und es hätte wohl keine andere Lektüre geben können, die meine Fächer so gut verbindet. Wir streben nach Ästhetik, sei es für ein persönliches Erlebnis oder für eine Webseite, die wir für einen Kunden gestalten.
Zugleich hat es mich fasziniert, wie Andreas Reckwitz durch scharfe Beobachtung aufdeckt, welche Rolle Singularitäten in unserer Gesellschaft spielen. Er zählt Konsequenzen für verschiedene Aspekte des Lebens auf – sei es eine bestimmte Gesellschaftsstruktur, die heutige Gestaltung von Reisen oder die Bedeutung der Singularität für Arbeitnehmer. Soziologie ist mitunter etwas eigen, die Texte scheinen etwa wie in einer eigenen Sprache formuliert zu sein. Doch die Soziologie schafft es, unser Alltagsverständnis von Gesellschaft tiefgehend zu hinterfragen.

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