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Bachelor live

An der eigenen Website basteln

Als Jugendliche habe ich angefangen, etwas HTML zu lernen und an Webseiten herumzubasteln. Damals gab es noch keine Content-Management-Systeme wie Wordpress oder Typo3, mit denen heute die meisten Webseiten und insbesondere Blogs entstehen. Das Spannende daran: Auf der einen Seite ist ein Code, der recht trocken und mysteriös aussieht, auf der anderen Seite eine kunterbunte Webseite. Wenn ich am Code schreibe, weiß ich zwar, was ich haben möchte und wie ich mir meine Webseite vorstelle. Wenn ich sie dann aber aktualisiere, um zu sehen, was meine Änderungen im Code bewirkt haben, ist mitunter doch alles anders. Dann muss getüftelt werden, bis der Code genau das macht, was ich von ihm möchte.
Ich studiere Medienwissenschaft – das ist vor allem ein wissenschaftliches Studium. Da werden Zeitungen, YouTube-Videos, Filme, Werbung und Bücher analysiert. An meiner Uni gibt es aber auch zwei Praxiskurse. In diesem Jahr belege ich einen Onlinekurs und arbeite inzwischen an meinem Abschlussprojekt: einer Webseite, die ohne jegliche Systeme wie Wordpress oder ähnliches funktionieren und mindestens eine Reportage sowie ein weiteres multimediales Element enthalten muss.
Im März war ich als Nachwuchsjournalistin bei den Paralympischen Spielen und habe dort einen Podcast gemacht. Das war vor allem zu Übungszwecken, aber im Hinterkopf hatte ich schon, dass ich ihn vielleicht für mein Abschlussprojekt gebrauchen könnte.
Für die Reportage wollte ich mich in meiner Unistadt umschauen: Welche spannenden Geschichten aus dem Sport mit Behinderung gibt es hier, über die ich schreiben könnte? Über mehrere Ecken habe ich eine Studentin gefunden, die Blindenfußball spielt – und sich für ein Interview bereiterklärte. Eine Freundin von mir, die gerne fotografiert, machte auf dem Fußballplatz Bilder von ihr.
In den nächsten Wochen muss ich an meinem Code basteln. Auf einem Collegeblock habe ich mir aufgemalt, wo die Links zu Reportage und Podcast stehen, welche Kästen Schatten werfen sollen und welche Buttons sich automatisch einfärben sollen, wenn man mit der Maus über sie fährt. Nun geht’s ans Tüfteln!

Autor: Marie  |  Rubrik: studium  |  Oct 2, 2018
Autor: Marie
Rubrik: studium
Oct 2, 2018

Bachelor live

Vergiss mein nicht

In den Semesterferien muss ich eine der wenigen theoretischen Arbeiten im Laufe meines sonst so praktisch angelegten Studiums an der Filmhochschule schreiben. Ich studiere Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, was im Kern ein Regiestudium für dokumentarische Kurz- und Langfilme beinhaltet. In unserer Ausbildung wird aber auch stark darauf geachtet, dass man jeden Bereich der Filmproduktion einmal kennengelernt und ausprobiert hat, zum Beispiel Kamera, Ton und Schnitt. Oberstes Prinzip ist dabei immer Learning by Doing: Statt mit Vorlesungen ist unser Semester meist voll von Seminaren mit rein praktischem Inhalt.
Jetzt in der vorlesungs- beziehungsweise seminarfreien Zeit zwischen zweitem und drittem Semester sollen wir aber eine theoretische Arbeit anfertigen, die in die Endbenotung einfließen wird. Dabei handelt es sich um die Analyse der Machart eines Dokumentarfilms – zehn Seiten reiner Text. Der Umfang ist also überschaubar, die Analyse aber doch aufwendiger, als ich dachte. Ich soll herausarbeiten, wie andere Filmemacher Themen angegangen sind und in einen Film verpackt haben, um dieses Wissen für meine eigene Arbeit zu nutzen. Betreut werden wir dabei von einem externen Dozenten, der Filmwissenschaftler ist und lange Zeit das Dokumentarfilmfest, kurz DOK.fest, in München leitete.
Mit der Themenfindung habe ich mich lange schwer getan, weil ich einen Film nehmen wollte, der mir wichtig ist. Film und Schwerpunkt sind frei wählbar und für mich als Filmliebhaber ist diese unbegrenzte Freiheit daher nicht gerade förderlich. Ende Juli habe ich mich festgelegt auf den anrührenden Film „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking. Darin erzählt der Regisseur auf heiter-melancholische Weise von der Pflege seiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Nach mehrmaligem Schauen stand mein endgültiges Thema fest: Ich analysiere die Dramaturgie im ersten Akt des Films. Das heißt, ich schaue, in welcher Struktur der Film seine Geschichte erzählt und was die Reihenfolge der Szenen aussagt. Gleichzeitig überlege ich, was Auslassungen in der realen Handlung bewirken. Denn das, was nicht im Film vorkommt, erzählt mindestens genau so viel, wie das, was am Ende drin gelandet ist.

Autor: Conny   |  Rubrik: studium  |  Oct 2, 2018
Autor: Conny
Rubrik: studium
Oct 2, 2018

Bachelor live

Ein Land in blau-gelb

In diesem Land ist alles blau-gelb: die Zäune, die Schilder an den Bushaltestellen, die Haargummis der Soldatinnen, die Zugwaggons, die Parkbänke, die Lamettagirlande an der Stirnseite des Busses. Klarheit bringen endgültig die Einkaufstüten mit der gelben Sonnenblume vor dem blauen Himmel und der Aufschrift „Proud Ukraine“. Die Landesflagge ist blau-gelb und ebenso überall zu sehen.
Wir reisen stilecht mit dem Nachtzug aus Budapest an. Tee aus dem Samowar gibt es hier für ein paar Cent. Das Ruckeln wiegt uns in den Schlaf, nur an der Grenzkontrolle, wird man geweckt. Taschenlampenstrahl im Gesicht. Schämen für den deutschen Pass.
Lviv/Lemberg in der Westukraine begeistert uns. Eine Stadt, die früher mal ein melting pot der Kulturen war, ganz wie mein geliebtes Prag. Hier lebten Juden, Polen, Ukrainer zusammen. Davon ist heute nur noch wenig übrig. Wie heute mit dem jüdischen Erbe umgegangen wird, ist aus erinnerungskultureller Sicht überaus spannend: Es scheint, als würde man die Geschichte der vergangenen Hundert Jahre erst langsam aufarbeiten. Am Ort einer zerstörten Synagoge in der Innenstadt hat man eine beeindruckende Installation aus Stein, Text und Bild geschaffen. An vielen Orten informieren mittlerweile einfache Tafeln auf schwarzen Aufstellern an die geschichtsträchtigen Orte jüdischer Kultur.
Anderswo aber stoßen wir auf eine alte, leerstehende Synagoge. Ein Mann, der sich um ihre Sanierung kümmert, lässt uns ein und erklärt uns alles. So gut es geht übersetze ich mit meinen Polnisch- und Tschechischkenntnissen. Verstaubte Stuckstücke liegen herum, steinerne Texttafeln mit hebräischen Buchstaben. Hier soll ein Museum entstehen, ein Begegnungszentrum. Ob unser Geld für ein paar Postkarten wohl dabei helfen kann?
Das Land ist blau-gelb und sehr groß. Im Osten, etliche Stunden mit dem Nachtzug entfernt, ist Krieg. Das merkt man auch hier im Westen, aber nur ab und an. Auf großen Plakatwänden wird an das Nationalbewusstsein der Ukrainer appelliert. Auf dem Soldatenfriedhof sind die Grabsteine mit blau-gelben Schleifen versehen. Die Gefallenen sind oft noch jünger als ich. Seit 2014 sind laut den Vereinten Nationen über 10.000 Menschen in diesem Krieg gestorben. Über 10.000 zu viele.