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Bachelor live

Vergiss mein nicht

Autor:
Conny

Rubrik:
studium

02.10.2018

In den Semesterferien muss ich eine der wenigen theoretischen Arbeiten im Laufe meines sonst so praktisch angelegten Studiums an der Filmhochschule schreiben. Ich studiere Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, was im Kern ein Regiestudium für dokumentarische Kurz- und Langfilme beinhaltet. In unserer Ausbildung wird aber auch stark darauf geachtet, dass man jeden Bereich der Filmproduktion einmal kennengelernt und ausprobiert hat, zum Beispiel Kamera, Ton und Schnitt. Oberstes Prinzip ist dabei immer Learning by Doing: Statt mit Vorlesungen ist unser Semester meist voll von Seminaren mit rein praktischem Inhalt.
Jetzt in der vorlesungs- beziehungsweise seminarfreien Zeit zwischen zweitem und drittem Semester sollen wir aber eine theoretische Arbeit anfertigen, die in die Endbenotung einfließen wird. Dabei handelt es sich um die Analyse der Machart eines Dokumentarfilms – zehn Seiten reiner Text. Der Umfang ist also überschaubar, die Analyse aber doch aufwendiger, als ich dachte. Ich soll herausarbeiten, wie andere Filmemacher Themen angegangen sind und in einen Film verpackt haben, um dieses Wissen für meine eigene Arbeit zu nutzen. Betreut werden wir dabei von einem externen Dozenten, der Filmwissenschaftler ist und lange Zeit das Dokumentarfilmfest, kurz DOK.fest, in München leitete.
Mit der Themenfindung habe ich mich lange schwer getan, weil ich einen Film nehmen wollte, der mir wichtig ist. Film und Schwerpunkt sind frei wählbar und für mich als Filmliebhaber ist diese unbegrenzte Freiheit daher nicht gerade förderlich. Ende Juli habe ich mich festgelegt auf den anrührenden Film „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking. Darin erzählt der Regisseur auf heiter-melancholische Weise von der Pflege seiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Nach mehrmaligem Schauen stand mein endgültiges Thema fest: Ich analysiere die Dramaturgie im ersten Akt des Films. Das heißt, ich schaue, in welcher Struktur der Film seine Geschichte erzählt und was die Reihenfolge der Szenen aussagt. Gleichzeitig überlege ich, was Auslassungen in der realen Handlung bewirken. Denn das, was nicht im Film vorkommt, erzählt mindestens genau so viel, wie das, was am Ende drin gelandet ist.

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