Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Bachelor live

Marseille

Meine Schwester studiert Maschinenbau in Aachen und steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss.
Ähnlich wie ich, hatte sie nach ihrem Abi mehrere Monate in Frankreich verbracht. Als Animatrice hat sie in einem Seniorenheim die älteren Leute unterhalten. Nun, nach drei Jahren in Aachen, zog es sie wieder nach Frankreich. Mit dem Programm ERASMUS+ macht sie zurzeit ein Auslandssemester in Marseille.
Zufällig hatten meine Eltern und ich gleichzeitig frei, sodass wir sie in ihrer vorübergehenden Heimat gemeinsam besuchen konnten.
Am Sonntagmittag kamen wir in Marseille an. Bei 5 Grad und Regen in das Flugzeug gestiegen, traten wir in Marseille bei 18 Grad hinaus auf die Straße.
Mit meiner Schwester und ihrem Freund, der ebenfalls gerade zu Besuch dort war, gingen wir zusammen durch die Stadt und besichtigten das Wahrzeichen Marseilles: die Kirche Notre Dame de la Garde. Von dem Hügel, auf dem diese Kirche steht, hatten wir einen schönen Ausblick über die Stadt. Danach ging es auf einem schmalen Pfad entlang Richtung Hafen. Wir kamen pünktlich zum Sonnenuntergang an.
In den nächsten Tagen erkundeten wir mit einem Mietauto das Umland und fuhren zum Nationalpark Calanques, der für seine fjordähnlichen Buchten bekannt ist – ein wunderschöner Anblick. Nach diesen tollen Erlebnissen flogen wir nach ein paar Tagen wieder nach Hause, wo wir bereits von Nebel und Gewitter erwartet wurden.

 

Autor: Pia  |  Rubrik: studium  |  Apr 29, 2019
Autor: Pia
Rubrik: studium
Apr 29, 2019

Bachelor live

Der Seebär

Im März führte mich die Recherchereise für unseren Zweitjahresfilm an der Filmhochschule München nach Hamburg. Da wir einen Film über Containerschiffahrt machen, landeten wir irgendwann in einem Seemannsclub mitten im Hamburger Hafen. Dort kam ich mit Max ins Gespräch. Er ist Ehrenamtlicher in dem Seemannsclub und besucht in dessen Auftrag Schiffe, um sich um die Belange der Seeleute an Deck zu kümmern. Hauptsächlich verkauft er SIM-Karten und macht dabei auf den Seemannsclub aufmerksam. Dort können die Seeleute, die sich gerade in Hamburg aufhalten, verschiedene Angebote nutzen; zum Beispiel können sie Billard, Tischtennis und vieles mehr spielen. Es gibt eine Bar, Sofas und Sessel zum Chillen und auch einen Raum der Stille. Da haben ganz viele Religionen ihren eigenen Schrein und die Seeleute aus aller Welt können zu ihrem jeweiligen Gott beten.
Irgendwann erzählte Max, dass er selbst lange Zeit zur See gefahren ist. In den 1960er-Jahren ging er im zarten Alter von 15 Jahren das erste Mal an Bord eines Frachters. Er hat damals noch mit Leuten zusammengearbeitet, die in den 1950er-Jahren von Deutschland aus auf Walfang gegangen waren. Die ganze Welt hat er gesehen, wobei er vor allem in Südamerika unterwegs gewesen ist.
Heute ist der Warentransport über Container ein nicht mehr weg zu denkender Standard. Damals allerdings wurde die Ladung noch in Säcken und Kisten transportiert und musste von Hand oder per Kran verladen werden. Insgesamt fuhr Max über zwanzig Jahre zur See, bevor er dann als Hafenarbeiter in Hamburg anfing. Das Leben als Seemann habe sich seither grundlegend verändert. Heute würde er die Arbeit auf den Containerschiffen nicht mehr machen wollen.

Autor: Conny   |  Rubrik: orientieren  |  Apr 26, 2019
Autor: Conny
Rubrik: orientieren
Apr 26, 2019

Bachelor live

Dionysos Stadt

An den Münchner Kammerspielen steht ein Stück namens „Dionysos Stadt“ auf dem Spielplan. Es orientiert sich an den griechischen Dionysien, den antiken Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos, und dauert mit Pausen ganze zehn Stunden. Auf moderne Weise werden darin die großen griechischen Tragödien behandelt.
Mit meiner Freundin ging ich an einem Samstag um 13 Uhr in das Stück. Auch wenn wir uns erst wieder gegen 23 Uhr auf den Heimweg machen würden, hatte ich nicht das Gefühl, eine große Anstrengung vor mir zu haben. Ich konnte mich eigentlich ganz gut auf diesen Zeitrahmen einstellen, auch wenn er sich völlig abseits von meinem alltäglichen Zeitrhythmus bewegt. Der Saal war voll, bevor es losging, gab es eine Einführung durch den Hauptdarsteller Nils Kahnwald. Einem Rentner in der ersten Reihe versprach er fünfzig Euro, wenn er bis zum Ende bleiben würde. Den Schein pinnte Kahnwald gut sichtbar an den Bühnenrand. Die Einführung ging dann fließend über ins Spiel. Im ersten Teil ging es um Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte und dadurch den Zorn und die Strafe des Zeus auf sich zog. Nach zwei Stunden gab es die erste halbstündige Pause. Dehn- und Gymnastikübungen fanden in den Gängen statt. Teil zwei behandelte in einem bildgewaltigen Bühnenbild und mit fulminanter Live-Musik die Schlacht von Troja. Gegen 18 Uhr war dann die große Halbzeitpause, in der wir uns ein Stück Pizza am Marienplatz holten.
Der dritte Teil „Die Orestie“ war komplett improvisiert und im Stil einer Telenovela à la „Sturm der Liebe“ inszeniert. Es war ein makabrer Mix aus witziger Unterhaltung und brachialer Gewalt. In der folgenden Pause wurden die Gymnastikübungen ausgedehnter, ebenso wie die Euphorie über das Spektakel, das dargeboten wurde.
Im vierten und letzten Teil spielten die Bühnendarsteller auf einem Kunstrasen eine halbe Ewigkeit Fußball. Dazu wurde ein Essay vorgetragen über den legendären Kopfstoß von Zinédine Zidane im WM-Finale 2006. Nach all den niederträchtigen Wirbelstürmen auf der Bühne stellte sich schließlich ein Gefühl menschlicher Demut ein. Es ging am Ende nicht darum, die griechische Mythologie intellektuell zu verstehen und deuten zu können, sondern es war ein zutiefst menschliches Stück, das auch aufgrund der Länge die Kraft hatte, im Publikum eine Gemeinschaft entstehen zu lassen. Ich war auf merkwürdige Weise erschöpft und doch hellwach und wahnsinnig beseelt von der Erfahrung der letzten Stunden. Die versprochenen 50 Euro wurden dem Rentner tatsächlich ausgehändigt. Aber das Geld war am Ende mehr als nebensächlich.

Autor: Conny   |  Rubrik: studium  |  Apr 11, 2019
Autor: Conny
Rubrik: studium
Apr 11, 2019