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Bachelor live

Berg-WG

Bis ich nach Freising gezogen bin, verlief meine WG-Suche immer kurz und schmerzlos: Am Wattenmeer lebte ich in einem vom Naturschutzverein gestellten Häuschen, in Tansania im gleichen Bungalow wie die Schulgründer und in Jena schließlich bin ich in die Wohngemeinschaft einer guten Freundin eingezogen.
Hier in Freising konnte ich keine Kontakte vorweisen, um an eine WG zu kommen. Ich musste den langen Weg über Castings gehen. Casting ist in diesem Fall nur ein extravagantes Wort für Bewerbungsgespräch. Über eine spezielle Internetseite kann man gezielt nach Studentenwohnungen in Freising suchen, deren Bewohnern man dann eine möglichst eingängige Nachricht schickt, um aus der Bewerberflut herauszustechen.
Finden diese Gefallen daran, wird man von ihnen zur Besichtigung eingeladen. Auch dort muss man während der Unterhaltung wieder so einprägsam sein, dass man sich gegen alle anderen Mitbewerber durchsetzt und den Platz in der WG bekommt. Ihr seht schon, es ist nicht ganz einfach.
In meinem Fall kam noch erschwerend hinzu, dass ich in Jena bislang für unter 250 Euro wie ein König in der Stadtmitte gewohnt habe und deswegen kaum gewillt war, mehr als 300 Euro für ein Zimmer auszugeben. Freising ist aber nicht Jena, vor allem die Nähe zu München sorgt meiner Meinung nach dafür, dass die Preise gerne mal die 400-Euro-Schallmauer durchbrechen.
Es half alles nichts, ich bewarb mich auf das, was für mich in Betracht kam – also nicht viel. Oft bekam ich gar keine Antwort auf meine Nachrichten, doch auch nach zwei persönlichen Gesprächen wurde mir abgesagt, eines davon in einer Wohnung, in der es außer einem Kamin keine Heizung gab. Das dritte Zimmer, das ich schließlich besichtigte, war in der Berg-WG. Zehn Kilometer außerhalb von Freising auf einem Bauernhof gelegen war mir diese direkt sympathisch. Durch die unabgeschlossene Haustüre wurde ich per Zuruf in die Küche gebeten. Diese war über und über voll mit Zeitdokumenten ehemaliger Mitbewohner: Fotos, Postkarten, Bildern. Das Gespräch fühlte sich nicht wirklich nach Bewerbung an, sondern vielmehr, als wäre ich einfach auf ein Bier vorbeigekommen.
Nach einigen Tagen bekam ich die Zusage, seitdem darf ich die Berg-WG mein Zuhause nennen. Und ich bereue meine Entscheidung nicht. Wenn ich nicht gerade in der Uni bin oder etwas zu lernen habe, sitze ich meistens in der Küche und quatsche mit einem meiner neun Mitbewohner.

Autor: Hannes  |  Rubrik: studium  |  Nov 25, 2019

Bachelor live

Die Abnahme

An der Filmhochschule erbringen wir unsere Prüfungsleistungen in Form von Filmprojekten. Dafür erhalten wir in der Realisation der Projekte finanzielle und inhaltliche Unterstützung von der Hochschule. Unsere fertigen Filme werden anschließend von einer Prüfungskommission, die aus Professoren und künstlerisch-wissenschaftlichen Mitarbeitern der Hochschule besteht, angeschaut und bewertet. Der Zweitjahresfilm ist der erste, der innerhalb unseres Studiums benotet wird. Ich habe gemeinsam mit zwei Kommilitonen diesen Film umgesetzt, weshalb wir auch gemeinsam bewertet wurden.
An einem Tag wurden die vier kurzen Dokumentarfilme, die im Rahmen des Seminars entstanden sind, in einem Kino unserer Hochschule gezeigt. Es war sehr spannend, die Filme unserer Kommilitonen zu sehen, da wir nur vereinzelt etwas von ihren Produktionen mitbekommen hatten.
Es war eine hochschulöffentliche Veranstaltung, sodass auch einige Studenten des ersten Semesters im Saal saßen. Und auch aus den anderen Jahr- und Studiengängen waren Kommilitonen gekommen, was mich sehr freute. Gleich als erstes, früh um zehn Uhr, lief unser Film. Im Anschluss gab es eine kurze Fragerunde. Moderiert wurde diese von unserer Professorin. Die Kommission hatte natürlich den Vorrang, Fragen zu stellen. Nachdem das Q&A vorbei war, mussten alle bis auf die Kommission den Saal verlassen. Nach zehn Minuten wurden meine Kommilitonen und ich wieder herein gebeten, um unsere Note für den Film zu erhalten.
Wir wurden mit der Note sehr gut ausgezeichnet. Auch wenn das wenig Relevanz hat für ein künstlerisches Zeugnis, war es doch eine sehr schöne persönliche Bestätigung für die intensive Arbeit, die wir in unser Projekt gesteckt haben. Mit dieser Note erhielten wir auch unser Vordiplom und gehen damit jetzt vom Grund- ins Hauptstudium über.
Kurz bevor wir dann in die Pause entlassen wurden, drückte ein Mitarbeiter unserer Abteilung uns einen Brief in die Hand. Diesen hatten wir vor einem Jahr in einem Seminar mit ihm an unser Zukunfts-Ich geschrieben. Ich las ihn erst ein paar Tage später, weil ich mir Zeit und Ruhe dafür nehmen wollte. Einige Angst und Unsicherheit konnte ich da raus lesen, aber auch sehr viel Zuversicht und den festen Glauben daran, einen guten Job zu machen. Seit damals hat sich vieles verändert und irgendwie bin ich da ganz froh drüber.

Autor: Conny   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 15, 2019

Bachelor live

Ein langer Sommer

Durch meine Entscheidung, das Physikstudium abzubrechen, war ich auf einmal mit sehr viel freier Zeit gesegnet. Weder musste ich die Vorlesungen besuchen, wenn ich nicht wollte, noch musste ich Übungsserien bearbeiten und pünktlich abgeben, um meine Prüfungszulassung zu erhalten.
Klar, ich musste mich um einen neuen Studiengang kümmern und ein paar Experimente an der Uni wollte ich auch noch bearbeiten, um wenigstens eine Studienleistung in diesem Semester zu erreichen. Abgesehen davon war ich aber frei in meiner Tagesgestaltung. Wenn mir danach war, packte ich morgens meinen Rucksack und machte mich einen Tag auf Wanderschaft, sammelte Obst oder machte einen Ausflug nach Erfurt.
Forstwissenschaften hatte ich schon vor meinem Studienbeginn in Physik als Alternative auserkoren. Aus ideellen Gründen hatte ich mich zunächst dagegen entschieden. Nun sollte es doch dazu kommen. Tharandt, die Fakultät in Dresden hatte ich mir im Jahr zuvor schon angesehen, in meiner engeren Wahl stand noch Freising. Ich schlief bei einer Freundin in München und schlenderte dann tags darauf gemütlich über den Freisinger Campus.
Anders als ich es von der Jenaer Universität gewohnt war, schwebten die Gebäude nicht zwischen altehrwürdig und 70er-Jahre-Bausünde, sondern wirkten, als würden sie aus einem Architekturentwurf stammen. Die finanziellen Mittel der TU München, zu der die Fakultät gehört, waren deutlich spürbar. Trotzdem war das Gelände nicht unwirtlich und steril, sondern machte mit seinen vielen Grünanlagen und üppigen Bepflanzungen einen sehr sympathischen und lebenswerten Eindruck auf mich.
Kurz und knapp: Diese positive Erfahrung und die kürzere Anreise in meine Heimatstadt Stuttgart waren schlussendlich die Argumente, warum ich mich in Freising eingeschrieben habe.
Den Rest des Sommers konnte ich entspannt verbringen, meine Zukunft war in geregelten Bahnen. Mit dem Umzug und Urlaub mit der Familie verging die Zeit bis zu meinem Neubeginn schneller als gedacht.

Autor: Hannes  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2019
Autor: Hannes
Rubrik: studium
Nov 14, 2019