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Happenings statt Traurigkeit

Autor:
Noah

Rubrik:
studium

11.05.2020

Seit knapp zwei Monaten machen wir nun alle eine unfreiwillige Fastenzeit durch. Doch wir verzichten nicht auf Fleisch oder Süßigkeiten, sondern auf soziale Kontakte und auf das öffentliche Leben. Am Anfang dieser Pandemie dachte ich mir – wie schön wäre es jetzt auf Saaremaa zu sein? Saaremaa ist die größte estnische Insel und diese habe ich noch im letzten Sommer besucht. Ich dachte mir, da wird Corona nicht so schnell hinkommen und während die Welt draußen durchdreht, würde ich dann durch die magischen Wälder und an den sandigen Ostseeküsten wandern. Natürlich war das nie ein ernsthafter Plan, sondern eher ein kleines Tagträumchen.
Doch die Realität sah anders aus: Denn durch ein Volleyballspiel kam das Virus schon recht früh auf die Insel und nun ist Saaremaa die Region in Estland mit den zahlenmäßig meisten Infektionen, obwohl die Bevölkerung dort, gerade einmal 2,5 Prozent Anteil an der gesamten estnischen Bevölkerung hat.
Nun können einem die ganzen Schlagzeilen sehr traurig machen, doch um dagegen etwas zu machen, haben eine Freundin und ich etwas in die Welt gerufen, um uns beide besser und vor allem glücklicher durch die jetzige Zeit bringen. Wir fingen an, tägliche „Happenings“ zu haben, so nennen wir kleine Momente des Glücks. Zum Beispiel schrieb ich ihr und anderen Freunden Postkarten gegen das Alleinsein oder wir bestellten uns Dinge online, die uns oder unsere Wohnung schöner machten. Außerdem, fingen wir an, täglich zu telefonieren und uns gegenseitig von den Dingen zu erzählen, die uns heute ein wenig glücklicher gemacht haben. Wir fieberten gemeinsam auf die Ankunft von Paketen und halfen uns gegenseitig bei Problemen. Und so wurde selbst aus etwas eigentlich Traurigem, wie der Stornierung einer Reise, ein „Happening“, weil wir uns dann freuten, dass wir doch all unser Geld zurückbekamen und wir dies irgendwann in Post-Corona Zeiten wieder benutzen können. Dieses gegenseitige Aufbauen und das Schätzen der kleinen Dinge helfen mir gerade gut dabei, glücklich in jeden neuen Tag zu starten.
Eigentlich wollte ich dieses Jahr wieder nach Estland und auch wieder nach Saaremaa – das wird wahrscheinlich erst mal nichts. Doch ich habe gelernt, das zu akzeptieren, und freue mich dann irgendwann mal wieder dort zu sein und ich weiß, dass es auch ein tolles „Happening“ sein wird.

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