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Bachelor live

Spaziergänge

Autor:
Conny

Rubrik:
studium

02.06.2020

Der Lockdown ist eine Zeit der Extreme. Es gibt Tage, an denen ich weniger als 500 Schritte mache und keinen Fuß vor die Tür setze. Aber es gibt auch Tage, an denen mein Schrittzähler gar nicht mehr still steht und straff auf die 20.000 zugeht.
Ob allein, zu zweit oder in der Gruppe – seitdem ich wieder bei meinen Eltern wohne, bin ich regelmäßig an wundersamen und spannenden Orten unterwegs und entdecke dadurch mein altes Zuhause vollkommen neu.
Ich durchstreifte verlassene Industriebrachen, alte Schafställe, Schrebergärten, Neubau-Siedlungen und Burgruinen. Kam vorbei an Solaranlagen, unendlichen Feldern und Seen. Überquerte gähnend leere Parkplätze, Bahnschienen und Hängebrücken, vergessene Panzerstraßen und Spielplätze. Bin Jägern und Rentnern und ganz oft niemandem begegnet. Dachte an alles und nichts, sprach mit mir selbst oder schwieg einfach nur vor mich hin. Mit ein klein wenig Fantasie durchwanderte ich Landschaften des Wilden Westens und des fernen Russlands und blieb dabei doch in der mitteldeutschen Provinz.
Bald endet diese absurde und traumhafte Zeit in meiner alten Heimat wieder und ich kehre zurück nach München in meine WG. Dann werde ich zurückdenken an zwei Monate meines Lebens, in denen ich auf einmal wieder – ganz real – das Kind meiner Eltern war, in der ich so viel schlief und lief und aß und wartete, ohne eigentlich zu wissen auf was. Eine Antwort darauf, wird sicherlich ein Spaziergang in München bereithalten.

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