interaktiv

Bachelor live

Drehen auf Distanz

Autor:
Conny

Rubrik:
studium

02.09.2020

Anfang August war es für mich wieder soweit: Der erste Dreh nach dem Lockdown stand an. Nach wochenlanger Theorie und Heimarbeit erfüllte mich die anstehende praktische Arbeit mit Respekt. Ich spürte, dass ich aus der Übung gekommen war, mir Routine und Gelassenheit ein wenig fehlten. Zwar hatte ich auch in der Quarantäne meine Kamera ab und zu in der Hand, doch es ist etwas anderes, ob ich nur für mich selbst ein paar Aufnahmen mache oder gar dafür bezahlt werde.
Meine ersten Dreharbeiten nach Corona fanden nicht im Rahmen meines Studiums statt, sondern waren eine Auftragsarbeit für den Deutschen Gewerkschaftsbund. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Gewerkschaften in Sachsen-Anhalt, sollten drei kurze Videos entstehen. Eines über die Anfänge des DGB in der Nachwendezeit, eines über die aktuelle Situation und das letzte sollte die Frage aufwerfen, wie die Gewerkschaft der Zukunft aussehen kann.
In Abstimmung mit meinem Auftraggeber schrieb ich das Konzept, das auf zwei Ebenen basiert. Zum einen gibt es Interviews mit verschiedenen gewerkschaftlichen Akteuren allen Alters, zum anderen soll die Bildebene ergänzt werden durch Archivaufnahmen und aktuelle Bilder aus dem ganzen Land, die die Identität von Sachsen-Anhalt widerspiegeln. Für die Umsetzung des Konzepts setzten wir zwei Interviewdrehtage an, jeweils einen in Magdeburg und Halle, zu denen die Gesprächspartner*innen eingeladen wurden. Insgesamt interviewten wir dreizehn Personen. Unterstützung holte ich mir von einem Kamera-Kommilitonen aus München. Während er Kamera und Licht übernahm, kümmerte ich mich um Ton und Redaktion. Durch regelmäßiges Lüften und Desinfizieren, Abstand und Mundschutz schafften wir es, den Dreh Corona-konform durchzuführen. Eindrücklich in den Gesprächen waren für mich vor allem die Schilderungen der Situation nach dem Mauerfall. Die Massenentlassungen von damals und der radikale Übergang in eine vollkommen neue Weltordnung prägen die Region bis heute.
In der darauffolgenden Woche fuhr ich gemeinsam mit einem DGB-Mitarbeiter durch Sachsen-Anhalt, um Aufnahmen von Firmen, Natur und Sehenswürdigkeiten zu machen. Die Stationen dieser Tour wurden zuvor festgelegt. Es waren anstrengende, aber sehr interessante Tage, bei denen ich viele neue Ecken meiner Heimat kennenlernen durfte.
Im Rahmen einer Festveranstaltung werden die Videos dann im September aufgeführt. Bis dahin ist noch einiges an Schnittarbeit für mich zu tun.

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