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Bachelor live

Die gescheiterte Musikkarriere

Autor:
Enne

Rubrik:
studium

16.09.2020

Als ich acht Jahre alt war, erfuhr ich von der Musikschule, die in den Räumen meiner Grundschule Musikunterricht anbot. Aussuchen konnte man sich ein gewünschtes Instrument dort nicht, denn es gab nur eine Lehrerin, die Klavierunterricht gab. Bevor man jedoch an diese Tasten kam, musste man erst zwei andere Instrumente lernen, die auf das Klavier vorbereiten sollten: die Melodica und das Akkordeon. So hatte ich das auf jeden Fall damals verstanden. Während meine Freundin, die dort bereits früher angefangen hatte, also schon Akkordeon spielte, hatte ich meine Melodica vor mir liegen und musste jede Woche üben, üben, üben. Ich kann mich heute nicht mehr an alles erinnern, aber denke ich an damals zurück, dann saß ich immer erst am Abend vor der nächsten Stunde vor den neuen Noten und war vollkommen unmotiviert. Ich blies in meine Melodica, sah in das Notenbuch und egal, wie sehr ich mich anstrengte, die Konzentration schien einfach fern zu bleiben. Nach ein paar Monaten Quälerei erlöste mich meine Mutter und meldete mich von der Musikschule ab.

Wie wahrscheinlich denkbar, war ich kein bisschen traurig und fing auch in den nächsten Jahren mit keinem anderen Musikunterricht an. Meine Musikkarriere war gescheitert. Ich tanzte lieber in einer Tanzgruppe und trat jedes Jahr zu Weihnachten bei einem Kindermusical auf. Nach einigen Jahren hatte ich keine Leidenschaft mehr für das Tanzen und hörte auf. Ich machte mein Abitur und war danach in einer Theatergruppe, hatte aber auch Lust auf ein Hobby, das ich alleine und jederzeit machen konnte. Da ein Keyboard oder ein Klavier sehr teuer sein können, habe ich mir eine Ukulele gekauft. Ja, es gab zu der Zeit auch einen gewissen Hype um dieses Instrument, aber die Ukulele ist einfach unkompliziert anzuschaffen, zu transportieren und zu lernen. Seit her habe ich eine On-Off-Beziehung mit Iva, wie ich die Ukulele liebevoll genannt habe.

Gerade jetzt in den letzten Wochen hatte ich aber oft viel Zeit zum Spielen und habe sie wieder richtig schätzen gelernt. Und vielleicht lerne ich ja wirklich irgendwann nochmal Klavier, wenn ich genügend Geld, Zeit und einen festen Wohnort habe. Professionelle Musikerin werde ich in diesem Leben jedenfalls sicher nicht mehr.

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