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Barrierefrei promovieren

Aufs Höchste orientierungslos

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

13.04.2011

Lange Zeit war ich mir sicher, dass ich keinesfalls im Bereich des Blindenwesens promovieren würde. Ja, ich glaubte sogar fest daran, mich niemals an einer Doktorarbeit zu versuchen. Falsch gedacht, beide Male. Denn nun tue ich genau das: Ich arbeite an meiner Promotion, die sich mit dem Blindenwesen, genauer gesagt, mit dem Buchmarkt der Blinden beschäftigen soll.

Am Anfang steht also das Thema. Eine vage Idee. Ein Erkenntnisinteresse ohne konkretes Ziel, gleich einem körperlichen Bedürfnis. Vermutlich fühlen sich auch viele der Sehenden in dieser ersten Phase so, als wären sie plötzlich erblindet. Und als müssten sie nun, ohne jemals zuvor Mobilitätstraining gehabt zu haben, einen Weg finden. Ihn sicher entlang gehen, obwohl sie doch aufs Höchste orientierungslos sind.

Mit der Zeit verflüchtigt sich dieser Eindruck. Brainstorming hilft da schon viel weiter: Was weiß ich über das Thema? Und was will ich außerdem in Erfahrung bringen? Was ist neu daran, bisher noch nicht untersucht? Und mit welcher Methode könnte ich eine entsprechende Analyse durchführen? Welche Ergebnisse erwarte ich dabei?

Ich stelle Thesen auf. Die sind zunächst noch unscharf formuliert. Doch indem ich mich durch die aktuelle Forschungsliteratur wühle, sollten sie sich verdichten. Zugleich kann ich die zentrale Fragestellung und den Forschungsgegenstand eingrenzen, um sie schließlich beide zu präzisieren.

Schon ist das Paket geschnürt. Eigentlich ganz einfach, könnte man meinen; aber das ist es garantiert nicht.

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