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Die Themenfindung (Teil 2)

Das war ein erster Ansatzpunkt. Den musste ich als Nächstes konkretisieren. Was schwieriger wurde, als ich gedacht hätte. Ich las mich in die Literatur ein, dachte über das Gelesene nach. Fand, auch im Gespräch mit den Dozenten, Fragen, die ich nicht beantworten konnte und las wieder. Nicht immer das Richtige. Ich las wirtschaftswissenschaftliche Grundlagenwerke. Der Inhalt ging weit an dem vorbei, was ich mit der Lektüre bezweckte. Bis ich doch zu dem Ergebnis gelangte, dass eines nicht möglich war: eine Marktanalyse. Alleine schon, weil im Segment der blindenspezifischen Medien nicht Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Die Einrichtungen, die Punktschriftbücher und Talking Books speziell für Blinde produzieren, verfolgen keine Gewinnerzielungsabsicht. Also gibt es keinen Markt. Und damit kann es auch keine Marktanalyse geben.

Nun gut. Aber was dann?

Ich musste weiterlesen. Und blieb – auf der Suche nach einem bestimmten Detail – an dem Buch von Katharina Eberenz hängen: Lesen mit Händen und Ohren. Für meine Arbeit ist das ein wesentliches Werk. Ich hatte es vorher nicht nur einmal durchgesehen. Und doch stellte ich nun fest, dass da stand: Es gibt keinen Markt.

Verdammt! Hätte ich diese Erkenntnis, diese Stelle noch im Kopf gehabt, dann wäre mir eine Menge Arbeit erspart geblieben. Und so etwas ist mir nicht nur einmal passiert, obwohl ich doch gründlich und gewissenhaft arbeite. Mit etlichen Vermerk-Dateien. Aber offenbar ist mein System nicht hinreichend ausgereift.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 7, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 7, 2012

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Die Themenfindung

Rückblickend auf das vergangene Jahr, nahm ich zunächst eine Hürde, die vielleicht von allen die höchste ist: die Themenfindung. Von welcher Zielsetzung, von welcher Fragestellung möchte ich mich leiten lassen?

Zuerst wusste ich nur, dass ich über blinde Menschen und deren Mediennutzung schreiben wollte. Denn dazu gibt es, wie jeder leicht feststellen kann, bisher kaum eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bringe ich – und in diesem speziellen Fall kann man es tatsächlich so ausdrücken – den Vorteil mit, selbst blind zu sein. Vorteil deswegen, weil das bedeutet, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, woher Sehbeeinträchtigte ihre Lesemedien beziehen. Oder auch, was „lesen“ in diesem Zusammenhang eigentlich bedeutet. Wie es funktioniert, nicht mit den Augen, sondern mit den Händen zu rezipieren. Und welchen Stellenwert Hörbücher für blinde Menschen haben können.

Nicht zuletzt absolvierte ich noch während meines Studiums ein Praktikum bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig (DZB). Hier konnte ich Eindrücke gewinnen und Kenntnisse erlangen, die mein Vorwissen angenehm ergänzten. Wie beispielsweise die Produktion von Punktschrift- und Hörbüchern abläuft, hatte ich vorher nur theoretisch gewusst, nun aber auch in der Praxis erfahren.

Ich fühle mich in diesem Bereich zu Hause. Und die Mitarbeiter der Blindeninstitutionen, deren Hilfe ich bei der Erstellung meiner Dissertation womöglich noch benötigen werde, habe ich bisher stets als freundlich und hilfsbereit erlebt.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 26, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 26, 2012

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Das ist alles?

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 1. März 2011, wurde ich zum letzten Mal als Studentin geprüft. Und kein anderer Test hatte mir so viel abverlangt wie dieses 30-minütige Gespräch über Neuere und Neueste Geschichte. Nicht etwa, weil die Prüfung selbst so anstrengend gewesen wäre. Die größte Herausforderung lag vielmehr darin, den Berg an Büchern und Unterlagen zu bewältigen; zu entscheiden, was ich auf jeden Fall lernen sollte und was ich vielleicht doch weglassen könnte. Namen, Verträge, Jahreszahlen ... Ich weiß noch, wie ich mich derart überfordert fühlte, dass ich eines abends beinahe aufgegeben hätte und verzweifelt nach einer anderen Lösung suchte, trotzdem Absolventin zu werden.

Jetzt bin ich es. Und überdies Promotionsstudentin. Ich muss also weiterhin viel und hart arbeiten. Was dabei herauskommt, ist – für den Laien – allerdings erstaunlich wenig. So fasste ich Ende 2011 für den Jahresbericht der Erlanger Buchwissenschaft meine bisherigen Ergebnisse auf knapp zwei Seiten zusammen. Eine Bekannte las sich das durch und fragte mich dann: „Das ist alles? Dafür hast du so lange gebraucht?“ Immerhin zehn Monate!

Ich konnte zur Antwort nur müde lächeln. Denn immer öfter schleicht sich auch bei mir der Verdacht ein, dass die Ergebnisse eher mager sind. Dabei weiß ich es ja eigentlich besser. Ich weiß, dass so etwas nicht unüblich ist, wenn man mit einer Promotion beginnt. Und außerdem weiß ich, wie viel ich bis heute tatsächlich geleistet und in die Dissertation investiert habe.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 22, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 22, 2012