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Der Zeitfaktor

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

27.08.2012

Bildung ist unverzichtbar. Und es heißt ja auch, dass wir unser Leben lang lernen. Aber wie lange dauert es, bis die erste große Phase abgeschlossen ist?

In meinem Fall sind es, wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, doch erschreckend viele Jahre:

Zunächst die Grundschule. Nicht vier, sondern fünf Jahre, weil das in der Blindeneinrichtung in Nürnberg so üblich ist. Dann neun Jahre Gymnasium. Später neun Semester Universität. Das war die Regelstudienzeit im Magister. Einige Studenten lassen sich wesentlich länger Zeit. Ich habe es auf den Punkt geschafft; mit Stolz – verlangt der Umstand meiner Behinderung mir doch einiges mehr ab als den Kommilitonen.

Dafür dürfte ich für die Promotion mehr Zeit benötigen, als vorgesehen ist. Sechs Semester beträgt hier die Regelstudienzeit. Drei liegen bereits hinter mir. Und ich kämpfe – seit den letzten Wochen jeden Tag. Seit Mitte Juni habe ich nichts anderes geleistet, als meine Doktorarbeit voranzutreiben. Und doch: Was vorgesehen war, habe ich wieder einmal nicht erreicht.

Manchmal fühlt sich das an, als wäre ich gescheitert. In anderen Momenten wiegt es nicht so schwer. Ich bin dann nur unzufrieden. Obwohl ich andererseits doch weiß, dass es dafür eigentlich keinen Grund gibt. Ich arbeite ja nicht schlechter als andere. Im Gegenteil: Ich bin immer sehr gründlich und gewissenhaft. Das kostet Zeit. Zweitens brauche ich wegen meiner Behinderung länger, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Und drittens ermüde ich deshalb schneller.

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