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Nur von Vorteil

„Und“, erkundigte sich mein Vater während eines Telefonats, „hast du Bauchweh wegen morgen?“

„Ja“, räumte ich widerstrebend ein, „schon.“

Eine kleine Pause entstand. Dann erkannte er, dass ich nicht mehr dazu sagen wollte und stellte abschließend fest: „Dir ist nicht ganz wohl dabei.“

Diese Umschreibung trifft sehr gut, was ich jedes Mal empfinde, wenn mir der nächste Gesprächstermin bei meiner Doktormutter bevorsteht.

Ich bin angespannt, nervös und, je näher das Treffen rückt, auch unsicher und verängstigt: Habe ich in den letzten Wochen alles richtig gemacht? Wie wird sie auf meine Ergebnisse reagieren? Was wird sie kritisieren?

Wirft mich die kritische Bestandsaufnahme zurück? Wenn, dann bloß kurzfristig. Denn mittel- bis langfristig kann das nur bedeuten, dass meine Betreuerin mich davor bewahrt, noch größeren Schaden anzurichten. Noch mehr Zeit in eine Sache zu investieren, die es nicht wert ist, weil sie der Zielsetzung meiner Dissertation so nicht dient.

Einmal habe ich das bereits erlebt. Es war keine angenehme Erfahrung. Vielmehr fühlte ich mich danach entmutigt, erschöpft und – vor allem – stark verunsichert.

Aber jetzt, mit einigem Abstand, bin ich froh deswegen und dankbar dafür.

So ein Gespräch mit meiner Doktormutter kann also nur von Vorteil sein. Sie hält mich auf, bevor ich mich verrenne. Sie korrigiert, gibt Ratschläge, beantwortet Fragen und diskutiert mit mir über Unklarheiten. Erklärt mir, was ich nicht verstehe. Manchmal aber verstehe ich danach, wie ich meine, weniger als vorher.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 21, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 21, 2012

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Die Kunst der kleinen Schritte (Teil 2)

Das Kapitel zu den Lesemedien, an dem ich seit einigen Wochen arbeite, setzt sich aus zahlreichen Teilabschnitten zusammen: Die Bedeutung des Lesens für Blinde. Der Leseprozess. Die Brailleschrift. Die Produktion von Punktschriftbüchern. Die Herstellung von Digital Talking Books. Das Produktionsverfahren. Die Distribution. Rechtliche Vorgaben und institutioneller Rahmen. Damit sind nur einige Aspekte genannt. Und ich sollte immer nur an die Aufgabe denken, die vor mir liegt. Eine bestimmte, kurzfristige Recherche, die Lektüre eines wichtigen Buchs oder das Verfassen eines Unterkapitels.

Nur wäre das schon wieder zu viel. Ich schreibe jetzt nicht ein Unterkapitel, sondern eine Seite. Oder eineinhalb. Zwei Seiten kann ich in den seltensten Fällen an einem Tag bewältigen. Und das muss ja auch nicht sein. Stattdessen sollte ich mir Ziele setzen, die realistisch sind. Gut, wenn ich sie dann auch erreiche. Und halb so schlimm, falls nicht.

Ich nenne das „die Kunst der kleinen Schritte. Und wenn ich sie beherrsche, werde ich es schaffen. Dann werde ich meine Doktorarbeit schreiben!

Bisher habe ich etwa zwei große Kapitel ausformuliert. Beide liegen im ersten Entwurf vor und müssen später noch einmal überarbeitet werden. Insgesamt habe ich 80 Seiten; in eineinhalb Jahren!

Aber auch das gehört dazu: Detaillierte, sorgfältige Arbeit, bei der wenig Zählbares herauskommt, die sich aber am Ende doch bezahlt macht.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Oct 31, 2012
Autor: Daniela
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Oct 31, 2012

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Die Kunst der kleinen Schritte

Ich soll eine Doktorarbeit schreiben? Mehrere hundert Seiten? Manchmal schleicht sich bei mir das Gefühl ein, dass ich das nicht kann. Dass ich es nicht schaffen werde. Zuerst muss ich den Theorieteil ausarbeiten, dann einen Überblick über die Lesemedien geben, die blinden Menschen zugänglich sind. Als Nächstes sollte ich das Interview ausarbeiten. Dann muss ich die Interviews führen, mit schätzungsweise 30 bis 40 Betroffenen und anschließend auswerte, nach Kriterien, von denen ich bisher noch keine Ahnung habe. Ich fühle mich wie unter einer schweren Last, die mich erbarmungslos nach unten drückt. Das schaffe ich nicht!

Angst kriecht in mir hoch. Ich versuche, dagegen anzukämpfen, aber die Angst ist nicht alleine: Schnell kommt Nervosität hinzu. Und dann stärkt die Verzweiflung den beiden auch noch den Rücken. Alle drei verbünden sich gegen mich. Sie verwandeln sich in Panik, während ich meinen Emotionen hilflos ausgeliefert bin.

Spätestens wenn dieser Punkt erreicht ist, muss ich wieder zu mir kommen. Ich darf mich nicht von meinen Gefühlen überwältigen lassen, weil ich dann nur durchdrehen würde.

Denk nach!

So schlimm ist es doch auch wieder nicht.

Bleib ruhig!

Ich zwinge mich, einen anderen Weg einzuschlagen. Verbiete mir, in großen Blöcken zu denken. Es sind die kleinen Schritte, die mich vorwärts bringen. Viele kleine Schritte. Und ich muss einen nach dem anderen gehen, nicht alle auf einmal.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Sep 25, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Sep 25, 2012