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Barrierefrei promovieren

Locker bleiben

Ich kann neue Berge besteigen. Aber der Berg Promotion könnte vielleicht zu hoch sein. Und meine Doktormutter ist es, die mir das zu verstehen geben müsste. Mit ihrem Wissen und der Erfahrung würde sie erkennen, wenn ich nicht nur stolpere, sondern ein ernsthafter Sturz droht. Wenn es nicht mehr vorwärts geht.

Von dieser Gefahr bin ich tatsächlich weit entfernt. Und ich bin mir dessen auch bewusst. Doch dann habe ich wieder einen Termin mit meiner Erstbetreuerin, um die jüngsten Fortschritte zu besprechen und jedes Mal kriecht die Angst in mir hoch, dass ich dem entscheidenden Punkt doch näher gekommen sein könnte. Dass ich, ohne es selbst bemerkt zu haben, langsam, aber sicher auf einen Abgrund zuschliddere. Diese Angst nistet sich bereits Tage vorher bei mir ein und lässt sich dann nicht mehr vertreiben.

Sie ist idiotisch. Ausgesprochen irrational. Es kann ja überhaupt nicht sein, dass die gesamte Dissertation auseinanderbricht, nur weil es bei einem Abschnitt größere Probleme gibt. Und die größeren Probleme waren bisher auch nie so groß, dass sie sich nicht wieder beheben ließen. Im schlimmsten Fall setze ich mit dem Abschnitt noch einmal von Neuem an. Was doch auch kein Weltuntergang, sondern nur allzu verständlich wäre.

Aber Empfindungen fragen nicht nach der Vernunft. Sie kommen, um mir das Leben schwer zu machen. Dummerweise lasse ich mich immer schnell aus der Ruhe bringen und sehe, wo nur ein Kratzer ist, schnell einen Beinbruch. Mir fehlt die Kunst, locker zu bleiben.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 13, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 13, 2013

Barrierefrei promovieren?

Ich kann, wenn ich nur will

„War doch gar nicht so schlimm“, sage ich mir dann. Und ich weiß, dass ich das im Grunde auch vorher schon wusste. Weil es nie schlimm ist. Dennoch bezweifle ich nicht im Mindesten, dass ich auch vor der nächsten Besprechung mit meiner Doktormutter wieder sehr angespannt sein werde. Warum also?

Vielleicht ist es ja die Angst, mir etwas vorgenommen zu haben, das sich als zu groß erweisen könnte. Die Angst, mit meiner Dissertation zu scheitern. Denn das ist keine Magisterarbeit mehr. Als ich die Zusage meiner Professorin bekam, wusste, dass sie mein Projekt betreuen würde und als ich daraufhin auch selbst zusagte, wie bei einer Vertragsschließung, da ahnte ich noch nichts von den Welten, die zwischen einer Magisterarbeit und einer Doktorarbeit liegen. Klar, dachte ich noch, du sitzt jetzt Jahre, nicht Monate. Du schreibst, anstatt 90 Seiten, vielleicht 300 oder 500. Du musst durchhalten. Aber zäh war ich ja schon immer. Ich setze mir ein Ziel und dann realisiere ich es auch. Das mag kosten, was es will – Hauptsache, ich erreiche, was ich mir vorgenommen habe. Solange das Ergebnis alleine in meiner Hand lag, hat es bisher keine Ausnahme gegeben. Doch angenommen, ich versuche alles, aber am Ende reicht es nicht aus? Ich muss erkennen, dass es bei meinen vielen Projekten eine Herausforderung gibt, der ich nicht gewachsen bin.

Damit würde etwas wegbrechen, worauf ich mich immer verlassen, ja stützen konnte: die Gewissheit, dass ich kann, wenn ich nur will. Dass es immer nach vorne geht, nie zurück. Diese Garantie treibt mich an.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 23, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 23, 2013

Barrierefrei promovieren

Nur von Vorteil

„Und“, erkundigte sich mein Vater während eines Telefonats, „hast du Bauchweh wegen morgen?“

„Ja“, räumte ich widerstrebend ein, „schon.“

Eine kleine Pause entstand. Dann erkannte er, dass ich nicht mehr dazu sagen wollte und stellte abschließend fest: „Dir ist nicht ganz wohl dabei.“

Diese Umschreibung trifft sehr gut, was ich jedes Mal empfinde, wenn mir der nächste Gesprächstermin bei meiner Doktormutter bevorsteht.

Ich bin angespannt, nervös und, je näher das Treffen rückt, auch unsicher und verängstigt: Habe ich in den letzten Wochen alles richtig gemacht? Wie wird sie auf meine Ergebnisse reagieren? Was wird sie kritisieren?

Wirft mich die kritische Bestandsaufnahme zurück? Wenn, dann bloß kurzfristig. Denn mittel- bis langfristig kann das nur bedeuten, dass meine Betreuerin mich davor bewahrt, noch größeren Schaden anzurichten. Noch mehr Zeit in eine Sache zu investieren, die es nicht wert ist, weil sie der Zielsetzung meiner Dissertation so nicht dient.

Einmal habe ich das bereits erlebt. Es war keine angenehme Erfahrung. Vielmehr fühlte ich mich danach entmutigt, erschöpft und – vor allem – stark verunsichert.

Aber jetzt, mit einigem Abstand, bin ich froh deswegen und dankbar dafür.

So ein Gespräch mit meiner Doktormutter kann also nur von Vorteil sein. Sie hält mich auf, bevor ich mich verrenne. Sie korrigiert, gibt Ratschläge, beantwortet Fragen und diskutiert mit mir über Unklarheiten. Erklärt mir, was ich nicht verstehe. Manchmal aber verstehe ich danach, wie ich meine, weniger als vorher.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 21, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 21, 2012