Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei promovieren

Nicht irgendwo im Nirgendwo versinken

Alle drei Monate, also vier Mal im Jahr, muss ich meiner Doktormutter einen Zwischenbericht schicken. Darin steht, welche Arbeiten für den entsprechenden Zeitraum geplant waren und welche Fortschritte ich tatsächlich gemacht habe. Ich gehe auf Schwierigkeiten ein, die mich aufhalten oder vielleicht auch zurückwerfen. Ich führe Unklarheiten und offene Fragen auf, damit wir beide sehen, wo es Gesprächsbedarf gibt. Schließlich enthält der Zwischenbericht die Pläne für die nächste Etappe.

Am Anfang fand ich es lästig, immer wieder so einen Bericht zu schreiben. Ich brauche jedes Mal mehrere Stunden dafür. Und ich hatte zunächst nicht das Gefühl, dass mich diese Arbeit weiterbringt.

Aber schon bald habe ich erkannt, dass sie es doch tut. Der aktuelle Zwischenbericht dient einerseits als Grundlage für unsere Gespräche. Wenn ich mich mit meiner Betreuerin zusammensetze, können wir ihn Punkt für Punkt durchgehen. Direkt auf meine schriftliche Darstellung bezogen, bittet sie mich um weitere Erläuterungen. So behält sie einen guten Überblick über mein Projekt. Gleichzeitig kann ich mir sicher sein, dass uns nichts Wichtiges entgeht. Denn jede Frage, die ich mit ihr hatte besprechen wollen, ist auf Papier festgehalten. Und wir kommen, während wir den Zwischenbericht gemeinsam durcharbeiten, auf jeden Fall an ihr vorbei.

Aber das ist noch lange nicht alles. Denn andererseits helfen mir die Zwischenberichte, schon wenn ich sie verfasse, mich nicht irgendwo im Nirgendwo zu verlieren.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 12, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 12, 2013

Barrierefrei promovieren

Locker bleiben

Ich kann neue Berge besteigen. Aber der Berg Promotion könnte vielleicht zu hoch sein. Und meine Doktormutter ist es, die mir das zu verstehen geben müsste. Mit ihrem Wissen und der Erfahrung würde sie erkennen, wenn ich nicht nur stolpere, sondern ein ernsthafter Sturz droht. Wenn es nicht mehr vorwärts geht.

Von dieser Gefahr bin ich tatsächlich weit entfernt. Und ich bin mir dessen auch bewusst. Doch dann habe ich wieder einen Termin mit meiner Erstbetreuerin, um die jüngsten Fortschritte zu besprechen und jedes Mal kriecht die Angst in mir hoch, dass ich dem entscheidenden Punkt doch näher gekommen sein könnte. Dass ich, ohne es selbst bemerkt zu haben, langsam, aber sicher auf einen Abgrund zuschliddere. Diese Angst nistet sich bereits Tage vorher bei mir ein und lässt sich dann nicht mehr vertreiben.

Sie ist idiotisch. Ausgesprochen irrational. Es kann ja überhaupt nicht sein, dass die gesamte Dissertation auseinanderbricht, nur weil es bei einem Abschnitt größere Probleme gibt. Und die größeren Probleme waren bisher auch nie so groß, dass sie sich nicht wieder beheben ließen. Im schlimmsten Fall setze ich mit dem Abschnitt noch einmal von Neuem an. Was doch auch kein Weltuntergang, sondern nur allzu verständlich wäre.

Aber Empfindungen fragen nicht nach der Vernunft. Sie kommen, um mir das Leben schwer zu machen. Dummerweise lasse ich mich immer schnell aus der Ruhe bringen und sehe, wo nur ein Kratzer ist, schnell einen Beinbruch. Mir fehlt die Kunst, locker zu bleiben.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 13, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 13, 2013

Barrierefrei promovieren?

Ich kann, wenn ich nur will

„War doch gar nicht so schlimm“, sage ich mir dann. Und ich weiß, dass ich das im Grunde auch vorher schon wusste. Weil es nie schlimm ist. Dennoch bezweifle ich nicht im Mindesten, dass ich auch vor der nächsten Besprechung mit meiner Doktormutter wieder sehr angespannt sein werde. Warum also?

Vielleicht ist es ja die Angst, mir etwas vorgenommen zu haben, das sich als zu groß erweisen könnte. Die Angst, mit meiner Dissertation zu scheitern. Denn das ist keine Magisterarbeit mehr. Als ich die Zusage meiner Professorin bekam, wusste, dass sie mein Projekt betreuen würde und als ich daraufhin auch selbst zusagte, wie bei einer Vertragsschließung, da ahnte ich noch nichts von den Welten, die zwischen einer Magisterarbeit und einer Doktorarbeit liegen. Klar, dachte ich noch, du sitzt jetzt Jahre, nicht Monate. Du schreibst, anstatt 90 Seiten, vielleicht 300 oder 500. Du musst durchhalten. Aber zäh war ich ja schon immer. Ich setze mir ein Ziel und dann realisiere ich es auch. Das mag kosten, was es will – Hauptsache, ich erreiche, was ich mir vorgenommen habe. Solange das Ergebnis alleine in meiner Hand lag, hat es bisher keine Ausnahme gegeben. Doch angenommen, ich versuche alles, aber am Ende reicht es nicht aus? Ich muss erkennen, dass es bei meinen vielen Projekten eine Herausforderung gibt, der ich nicht gewachsen bin.

Damit würde etwas wegbrechen, worauf ich mich immer verlassen, ja stützen konnte: die Gewissheit, dass ich kann, wenn ich nur will. Dass es immer nach vorne geht, nie zurück. Diese Garantie treibt mich an.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 23, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 23, 2013