Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei promovieren

Gesunde Langeweile

Eine Bekannte sagte zu mir: „Ist doch gut, wenn dich das Thema deiner Doktorarbeit langweilt.“ Das war vor über einem Jahr, nachdem ich monatelang Bücher zur Mediennutzung gelesen hatte. Unablässig studierte ich die vorhandenen Theorien, den Nutzen- und Belohnungsansatz und eine Menge mehr. Immer wieder dasselbe, um ja nichts zu übersehen. Mit der Zeit fand ich das ermüdend. „Aber das bedeutet, dass du die Ansätze gut kennst“, wandte meine Bekannte ein. So hatte ich die Sache bis zu diesem Zeitpunkt nicht betrachtet. Ein Gefühl von Eintönigkeit als Garantie für eine effektive oder zumindest umfassende Arbeitsweise.

„Bestimmt langweilt sich jeder einmal während seiner Promotion. Alles andere würde mich auch wundern.“ Da stimmte ich ihr zu. Trotzdem melden sich manchmal Zweifel, ob ich mich tatsächlich richtig entschieden habe. Ob nicht ein anderes Thema besser, interessanter gewesen wäre. Aber welches hätte ich dann nehmen sollen?

Lese- und Leserforschung ist definitiv ein Bereich, der mich interessiert. Und hier, wie ich im Hauptstudium festgestellt habe, vor allem die Motivationsforschung. Deshalb liege ich mit meiner Arbeit garantiert nicht falsch, auch wenn die Begeisterung phasenweise nachgelassen hat. Ich denke, bis zu einem gewissen Punkt kann ich das vertreten. Und noch bin ich zum Kern der Dissertation nicht vorgedrungen: Interviews, in denen ich blinde Menschen zu ihren Leseinteressen und dem Buchnutzungsverhalten befrage. In wenigen Wochen fange ich damit an.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jun 12, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jun 12, 2013

Barrierefrei promovieren

Im Stillen für mich

Manchmal geht mir durch den Kopf, wie ungewöhnlich meine Beiträge in diesem Blog doch sind. Oder besser gesagt: dass einiges fehlt. Ich habe zum Beispiel noch nichts über Stipendien geschrieben. Und ich berichte kaum vom Austausch mit anderen, die an ihrer Doktorarbeit sitzen. Was aber wohl daran liegt, dass ich solche Gespräche nur selten suche. Aber manchmal unterhalte ich mich doch mit Promovierenden aus der Buchwissenschaft über ihre Projekte: „Wie kommst du voran? Wann willst du fertig sein? Du hast ein Problem? Und noch keine Ahnung, wie du es lösen könntest?“

Weil ich die meisten Leute, mit denen ich darüber rede, kenne, möchte ich natürlich wissen, wie es ihnen geht. Außerdem hilft mir das, was sie erzählen, die Entwicklung meiner eigenen Dissertation einzuschätzen.

Aber ich treffe mich nicht gezielt mit anderen Promotionsstudenten, um mehr zu erfahren. In der Regel führe ich diese Gespräche, wenn wir ohnehin Zeit miteinander verbringen: Beispielsweise während des Forschungskolloquiums, das regelmäßig stattfindet. Oder im Rahmen einer Veranstaltung, an der wir alle teilnehmen.

Aus dieser Gruppe von Wissenschaftlern bin ich fast die Einzige, die nicht am Lehrstuhl beschäftigt ist. Wenn wir regelmäßig zusammenarbeiten würden, wäre die Dissertation vermutlich häufiger Thema. Aber so ist das nicht der Fall. Und das macht mir auch nichts aus. Ich habe schon immer eher im Stillen für mich gearbeitet, ohne mich damit unwohl zu fühlen. Zumal ich ja weiß, wo ich hingehen könnte, wenn ich mir doch einmal Rückmeldungen wünsche.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 14, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 14, 2013

Barrierefrei promovieren

Nicht irgendwo im Nirgendwo versinken (Teil 2)

Ich sitze da und lese in einem Buch, das mir für einen bestimmten Aspekt der Dissertation wichtig erscheint. Und plötzlich bleibe ich an einer Stelle hängen und denke mir: Das ist aber auch interessant. Das könnte ich doch vielleicht ... Ich besorge mir, was in der Fußnote dazu vermerkt ist. Dann lese ich weiter. Bis ich das nächste Mal auf einen Punkt stoße, der relevant sein könnte.

So entferne ich mich Schritt für Schritt vom Kern der Sache. Das passiert mit leider nicht nur bei einem Thema, zu dem ich mich informieren will, sondern bei mehreren. Immer wieder passiert es mir, dass ich Details nachgehe, obwohl sie in Wahrheit unbedeutend für meine Studie sind. Weil es mir immer noch schwer fällt, die Dinge richtig einzuschätzen. Und weil ich sichergehen möchte, nichts übersehen zu haben, das tatsächlich von Bedeutung gewesen wäre.

Häufig sind es Irrwege. Aber die Zwischenberichte an meine Doktormutter helfen mir, sie wieder zu verlassen. So können nur Tage ins Leere laufen, nicht Wochen oder Monate.

Denn einen Zwischenbericht zu schreiben, heißt automatisch, an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Da steht, welche Arbeiten geplant waren. Und von da aus schaue ich mir noch einmal an, womit ich die letzte Zeit tatsächlich verbracht habe. Wann bin ich wo abgebogen? Und warum? Im Zwischenbericht muss ich das alles darlegen. Und auf diese Weise mache ich mir auch selbst bewusst, dass ich mich längst nicht mehr dort befinde, wo ich sein sollte. Viele kleine, falsche Schritte sind am Ende ein großer. Und wenigstens der fällt mir garantiert auf.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 3, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 3, 2013