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Auf dem Prüfstand (Teil 2)

Eigentlich war alles ganz einfach: Meine Präsentation hatte ich zugespitzt auf die Frage, wie ich mit den Interviewpartnern umgehen sollte. Insgesamt hatte ich geplant, 56 Personen zu befragen, sortiert nach Alter, Geschlecht und Beruf. Tatsächlich hatten sich 55 Interessenten bei mir gemeldet, aber leider passten einige nicht in mein Raster, weshalb ich bisher nur mit 34 geburtsblinden Menschen je ein Interview führen konnte.

Aber ist das genug? Sind die Ansprüche für eine Dissertation damit erfüllt? Und reicht so eine Menge aus, um wissenschaftlich verwertbare Aussagen zu treffen?

Das sind Befürchtungen, mit denen ich mich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder herumgeschlagen habe. Falls 34 Teilnehmer für meine Studie zu wenig sind, woher bekomme ich noch mehr? Ich kann die Leute ja nicht anrufen und fragen: „Würden Sie mich unterstützen?“ Das lässt der Datenschutz nicht zu. Zudem habe ich keine Ahnung, in welchem Haushalt blinde Menschen wohnen. Überhaupt weiß ich nicht einmal, wie viele blinde – und noch schwieriger, wie viele geburtsblinde – Personen es in Deutschland gibt. Denn die Statistiken dazu weisen alle irgendwelche Fehler auf.

Also wie mache ich weiter?

Zunächst einmal sollte ich klären, welche Anzahl von Befragten für eine qualitative Untersuchung eigentlich verlangt wird. Dazu habe ich mich durch die einschlägige Literatur gewühlt und leider keine eindeutige Antwort gefunden. Ein Autor schreibt, es sollten 15 sein – plus /minus zehn. Ein anderer empfiehlt eins bis 100. Wo ordne ich mich nun ein?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2015
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 5, 2015

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Auf dem Prüfstand

Vorher habe ich mich nervös gefühlt, danach breitet sich Erleichterung aus. So ist das jedes Mal, wenn ich einen Vortrag halten soll. Bei meiner ersten Lesung aus meinem neuen Buch, die vor einigen Tagen stattgefunden hat, erging es mir ebenso. Und jetzt wieder, da ich im Doktorandenseminar meine Arbeit vorstellen soll. Nur dass es mich hier noch stärker angreift.

Schließlich geht es nicht nur darum, dass ich vor Publikum stehe und einen guten Eindruck hinterlassen will. Wenn ich einen Roman geschrieben habe, spricht er einige Zuhörer an und andere nicht. Das ist einfach so. Aber hier, bei meiner Dissertation, wird meine Arbeit überprüft. Was habe ich in den letzten Monaten geleistet? Und was ist als nächstes geplant?

Vielleicht muss ich ja umdenken, nachdem ich meine Präsentation gehalten habe. Weil berechtigte Einwände kommen, die mir selbst nicht aufgefallen sind.

Und die Personen, mit denen ich diskutiere, bringen viel Erfahrung mit. Da sitzen Professoren, Mitarbeiter des Lehrstuhls und weitere Doktoranden. Die denken und fordern auf hohem Niveau.

Doch bisher, kann ich mich beruhigen, gab es keine größeren Schwierigkeiten. Zwei Mal habe ich in diesem Rahmen meine Doktorarbeit präsentiert, über theoretische Ansätze und das Lesemediensystem für Blinde gesprochen. Das ist nicht oft in drei Jahren. Und vermutlich bin ich auch deshalb so nervös, weil der Termin immer näher rückt. Aber hinterher empfinde ich bestimmt eine innere Leichtigkeit, die mich beflügelt – das war zumindest bisher immer so.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Jan 2, 2015
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Jan 2, 2015

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Was habe ich davon?

Ich habe mir immer vorgestellt, Kurse an Fachhochschulen anzubieten. Aus Bereichen, die ich selbst am besten kenne. Also zum Beispiel: Wie schreibe ich eine Biographie? Oder: Wie vermarkte ich mich als Selbstständige? Es macht mir sicher Spaß zu unterrichten, nur brauche ich dafür meinen Doktortitel. Habe ich gedacht.

Vor Jahren habe ich mit einem Dozent gesprochen, der ähnliche Seminare an Fachhochschulen hält. Der hat mir das so bestätigt. Dann habe ich während meiner Ausbildung zur Biographin eine Kollegin kennengelernt, die in Wien an Volkshochschulen unterrichtet. Und auch sie führt einen Doktortitel. Für mich war die Sache also klar.

Bis ich vor ein paar Wochen eher zufällig auf eine andere Biographin stieß – ohne Dissertation, aber trotzdem mit einem Angebot von Kursen an Fachhochschulen. Irritiert schrieb ich ihr eine E-Mail. Vielleicht hatte sie auf ihren Webseiten einfach nicht erwähnt, dass sie eine Doktorarbeit mitbringt? Aber andererseits, warum hätte sie das rausnehmen sollen? Sich freiwillig herunterstufen? Die Antwort kam schnell: Nein, kein Doktortitel. Aber ja, trotzdem unterrichtet sie an Fachhochschulen.

Mit dieser Information im Gepäck ging ich noch einmal zu dem Dozenten, mit dem ich Jahre zuvor darüber gesprochen hatte. Und es stellte sich heraus, dass es sich genau so verhält. Entweder hat er damals meine Frage falsch verstanden oder ich seine Antwort. Das Ganze ist doch ziemlich dumm gelaufen.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 24, 2014
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 24, 2014