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Barrierefrei promovieren!

Murphys Gesetz

Autor:
Daniela

Rubrik:
beruf & karriere

11.10.2017

Wenn etwas schief gehen kann, geht es auch schief – das besagt das sogenannte Murphys Gesetz. Zum Beispiel muss ein Student seine Abschlussarbeit abgeben. Am Sonntagnachmittag will er sie ausdrucken. Dann fällt ihm auf, dass die Druckerpatrone leer ist und weit und breit kein Copyshop geöffnet hat. Barrieren treffen jeden, nicht nur die Behinderten. Aber bei mir wirken sie sich stärker aus, da ich weniger flexibel bin.
Das bekam ich kürzlich zu spüren: Plötzlich bekam ich ein Problem mit meiner Braillezeile, meinem Auslesegerät am Computer, dass mir Zeichen in Brailleschrift darstellt. Es war nicht mehr möglich, das USB-Kabel in die Buchse zu schieben, irgendetwas blockierte. Und das bedeutete, dass ich den Text, mit dem ich arbeiten musste, nur noch über Sprachausgabe hören konnte. Ihn mit den Fingern zu ertasten, fiel weg. Das erschwert mein Vorankommen massiv.
Natürlich konnte ich nicht sagen: „Okay, ich leihe mir von einem Freund eine andere Braillezeile aus.“ Denn meine Bekannten sind in Bayern weit verstreut. Vielleicht könnte ich den Blindenbund fragen? Oder die Firma für Blindenhilfsmittel, wo ich mein Gerät erworben habe? Letztere war auf Nachfrage tatsächlich bereit, mir ein Ersatzteil zuzusenden. Aber natürlich dauert das ein paar Tage. Meine defekte Braillezeile schickte ich inzwischen ein, damit sie repariert wird.
Und das geschah alles, während ich auf hoher Drehzahl laufe, da ich meine Doktorarbeit dringend fertigstellen muss. Ich verliere wertvolle Zeit, Stunden und Tage. Ich fühle mich nervös, aufgekratzt. Und ich kann doch nichts ändern.

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