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Perspektiven

Manchmal denke ich darüber nach, ob ich in den vergangenen Jahren mehr gewonnen oder verloren habe. Sicher, ich werde bald meinen Doktortitel tragen. Aber wie viel bedeutet das wirklich? Zum Beispiel finanziell. Ich habe bisher freiberuflich gearbeitet, aber nie in einem Verlag oder in irgendeiner anderen Firma. Seit meinem Abitur sind über zehn Jahre vergangen. In dieser Zeit hätte ich eine Menge Geld verdienen, ein regelmäßiges Einkommen haben können.
Doch wer will mir garantieren, dass das so gewesen wäre? Zwei Drittel aller Schwerbehinderten finden keinen Job. Wie die Statistik für Blinde aussieht, weiß ich nicht genau. Ende 2016 jedenfalls hat der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund 84 blinde Akademiker gemeldet. Aber wie geht es dann weiter, mit dem Abschluss in der Tasche?
Eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin habe ich nie bekommen. Bis jetzt ja noch nicht einmal ein Praktikum in einem größeren Verlag. Vielleicht werde ich bald anfangen, in geringfügiger Beschäftigung einen kleinen Verlag mit aufzubauen. Die Gespräche laufen bereits. Und es gibt noch andere Ideen, die mir im Kopf herumschwirren.
Aber ich weiß von einem anderen Blinden mit Doktortitel, was er hinterher geworden ist: Schreibkraft beim Blindenbund. Weil er überall, wo er seine Bewerbungsunterlagen eingereicht hat, damit abgewiesen wurde, er wäre überqualifiziert. Aber ist das wirklich das Problem? Oder schrecken die meisten Unternehmen bloß davor zurück, sich mit einem Behinderten zu belasten?

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Oct 20, 2017
Autor: Daniela
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Oct 20, 2017

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Murphys Gesetz

Wenn etwas schief gehen kann, geht es auch schief – das besagt das sogenannte Murphys Gesetz. Zum Beispiel muss ein Student seine Abschlussarbeit abgeben. Am Sonntagnachmittag will er sie ausdrucken. Dann fällt ihm auf, dass die Druckerpatrone leer ist und weit und breit kein Copyshop geöffnet hat. Barrieren treffen jeden, nicht nur die Behinderten. Aber bei mir wirken sie sich stärker aus, da ich weniger flexibel bin.
Das bekam ich kürzlich zu spüren: Plötzlich bekam ich ein Problem mit meiner Braillezeile, meinem Auslesegerät am Computer, dass mir Zeichen in Brailleschrift darstellt. Es war nicht mehr möglich, das USB-Kabel in die Buchse zu schieben, irgendetwas blockierte. Und das bedeutete, dass ich den Text, mit dem ich arbeiten musste, nur noch über Sprachausgabe hören konnte. Ihn mit den Fingern zu ertasten, fiel weg. Das erschwert mein Vorankommen massiv.
Natürlich konnte ich nicht sagen: „Okay, ich leihe mir von einem Freund eine andere Braillezeile aus.“ Denn meine Bekannten sind in Bayern weit verstreut. Vielleicht könnte ich den Blindenbund fragen? Oder die Firma für Blindenhilfsmittel, wo ich mein Gerät erworben habe? Letztere war auf Nachfrage tatsächlich bereit, mir ein Ersatzteil zuzusenden. Aber natürlich dauert das ein paar Tage. Meine defekte Braillezeile schickte ich inzwischen ein, damit sie repariert wird.
Und das geschah alles, während ich auf hoher Drehzahl laufe, da ich meine Doktorarbeit dringend fertigstellen muss. Ich verliere wertvolle Zeit, Stunden und Tage. Ich fühle mich nervös, aufgekratzt. Und ich kann doch nichts ändern.

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Oct 11, 2017
Autor: Daniela
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Oct 11, 2017

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Du schaffst das!

In den vergangenen Monaten habe ich gekämpft wie ein Tier. Emotional ist es rauf und runter gegangen. Tränen, Verzweiflung, Zuversicht und Stolz – nichts habe ich ausgelassen. Die eigene Dissertation abzuschließen, empfinde ich als eine Phase, die sich kaum beschreiben lässt. Ich denke, ich habe in dieser Zeit vieles gelernt. Dinge, die mich bei der Arbeit, aber auch im Leben weiterbringen. Ich kann sehr zufrieden mit mir sein.
Gleichzeitig erkenne ich auch, wo meine Grenzen liegen. Zwei Personen haben mich besonders unterstützt: meine Mutter und Lisa, meine sehende Hilfskraft. Stundenlang haben sie verschiedene Kapitel Korrektur gelesen, unermüdlich, immer wieder. Außerdem haben sie sich um die Seitengestaltung gekümmert, also das übernommen, was ich als blinde Frau nicht hätte leisten können.
Aber ich glaube fast, es war etwas anderes, mit dem sie mir am meisten geholfen haben: wie sehr mich die beiden ermutigen konnten, wenn ich mich der Doktorarbeit nicht mehr gewachsen fühlte. Wenn ich kurz davor stand, einfach alles hinzuschmeißen. Dann sagte Mama: „Anderen geht es sicher genauso.“ Oder Lisa meinte: „Du bist doch schon so weit. Du schaffst das!“
Also setzte ich mich noch einmal hin und musste mich durchbeißen. Denn sicher, eigentlich wollte ich doch gar nicht abbrechen. Langsam rückte die Ziellinie näher. Jeden Tag ein paar Schritte. Und dann, vor zwei Wochen, habe ich die Arbeit endlich abgegeben!

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Sep 27, 2017
Autor: Daniela
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Sep 27, 2017