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Perspektiven

Autor:
Daniela

Rubrik:
beruf & karriere

20.10.2017

Manchmal denke ich darüber nach, ob ich in den vergangenen Jahren mehr gewonnen oder verloren habe. Sicher, ich werde bald meinen Doktortitel tragen. Aber wie viel bedeutet das wirklich? Zum Beispiel finanziell. Ich habe bisher freiberuflich gearbeitet, aber nie in einem Verlag oder in irgendeiner anderen Firma. Seit meinem Abitur sind über zehn Jahre vergangen. In dieser Zeit hätte ich eine Menge Geld verdienen, ein regelmäßiges Einkommen haben können.
Doch wer will mir garantieren, dass das so gewesen wäre? Zwei Drittel aller Schwerbehinderten finden keinen Job. Wie die Statistik für Blinde aussieht, weiß ich nicht genau. Ende 2016 jedenfalls hat der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund 84 blinde Akademiker gemeldet. Aber wie geht es dann weiter, mit dem Abschluss in der Tasche?
Eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin habe ich nie bekommen. Bis jetzt ja noch nicht einmal ein Praktikum in einem größeren Verlag. Vielleicht werde ich bald anfangen, in geringfügiger Beschäftigung einen kleinen Verlag mit aufzubauen. Die Gespräche laufen bereits. Und es gibt noch andere Ideen, die mir im Kopf herumschwirren.
Aber ich weiß von einem anderen Blinden mit Doktortitel, was er hinterher geworden ist: Schreibkraft beim Blindenbund. Weil er überall, wo er seine Bewerbungsunterlagen eingereicht hat, damit abgewiesen wurde, er wäre überqualifiziert. Aber ist das wirklich das Problem? Oder schrecken die meisten Unternehmen bloß davor zurück, sich mit einem Behinderten zu belasten?

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