Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei promovieren

War früher wirklich alles besser?

Wenn ich nicht 2006, sondern beispielsweise im Jahr 2018 mit meinem Studium begonnen hätte, wäre einiges leichter gewesen. Einiges besser für Studierende ohne Sehkraft. Beispielsweise habe ich mir, vor wenigen Monaten, ein neues Scansystem geholt. Gerät und Software sind dabei speziell an die Notwendigkeiten und Bedürfnisse blinder Nutzer angepasst.
So kann ich, um nur einen Aspekt herauszugreifen, mir bereits erfasste Seiten von der Sprachausgabe vorlesen lassen und parallel dazu die nächsten übertragen. Bis dahin liefen beide Arbeitsschritte nacheinander ab und ich reflektiere ungern, wie viele Stunden es mich gekostet hat, die Stapel von Seminarlektüre einzuscannen. Meine Kommilitonen hätten währenddessen sicher alles zweimal gelesen.
Trotzdem: Die Technik entwickelt sich in einem dauerhaften Prozess und wie war das in den 80er Jahren oder zu Beginn der 90er, ohne Computer?
Blinden Studierenden blieb damals nur die Möglichkeit, sich vortragen zu lassen. Entweder mussten sie mit jemand Sehendem einen Termin vereinbaren, um das Material gemeinsam durchzugehen. Oder eine gute Seele erklärte sich dazu bereit, die gewünschte Literatur aufzunehmen und der Blinde hörte sich später die Kassette an.
Das alles stelle ich mir äußerst mühsam vor, zumal für die Sehbehinderten doch vieles davon abhing, ob sie Hilfe fanden. Außerdem können die meisten besser lernen und verstehen, wenn sie die Texte nicht nur hören, sondern aktiv mit den Händen lesen. Mir geht es übrigens genauso.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Sep 30, 2019

Barrierefrei promovieren

Abschiedsfeier - Teil 2

Die Vorträge an diesem Abend riefen mir noch einmal ins Gedächtnis, wie viel meine Doktormutter in den letzten Jahren und Jahrzehnten für ihr Fach, die Buchwissenschaft in Erlangen, geleistet hatte. Natürlich weiß ich das längst, fühle mich aber immer wieder beeindruckt, wenn ich es von Neuem höre. Einer der Redner verglich die Professorin sogar mit der Aloe, über die sie später noch etwas erzählen würde. Leider schaffte ich es nicht, seine Worte festzuhalten. Sie rieselten durch wie Wasser zwischen den Fingern, aber sie passten sehr gut zu meiner Doktormutter.
Genauso faszinierte mich einer ihrer Kollegen, der extra aus Paris angereist war und sich bei den Rednern einreihte. Sicher hätten alle Zuhörer Englisch verstanden, einige sogar Französisch. Aber er hielt seine Rede auf Deutsch und dadurch drückte er auch seine Wertschätzung aus. Überhaupt bekam die Professorin etliche Geschenke überreicht. Ich hatte mich für eine hübsche Tasse und besonderen Tee entschieden, denn immer wieder, bei Besprechungen in ihrem Büro, konnte ich frisch aufgebrühten, aromatisch intensiven Kräutertee genießen.
Nach dem offiziellen Teil ging es weiter zu Gesprächen am Buffet. Und ich freute mich sehr, als ich von einem Medienwissenschaftler aus der Schweiz begrüßt wurde, der mich bei meiner Verteidigung geprüft hatte. Sonst kamen mir bloß wenige Leute entgegen. Irgendwie scheine ich, mit meiner Behinderung, eine ansteckende Krankheit herumzutragen, aber er sagte „hallo“ und so konnten wir uns ein bisschen unterhalten.

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Aug 26, 2019
Autor: Daniela
Rubrik: beruf & karriere
Aug 26, 2019

Barrierefrei promovieren

Abschiedsfeier - Teil 1

Groß und würdevoll hat das Institut meine Doktormutter in den Ruhestand verabschiedet. Rund 90 Gäste sind zusammengekommen, um ihr für den langjährigen Einsatz zu danken und ihr eine freudenreiche Zukunft zu wünschen. Ich war gerührt und froh, diesen Abend miterleben zu dürfen.

Die Anreise hat sich allerdings mit Hürden gestaltet. Zuerst hatte mein Zug Verspätung und als ich mich in den Toilettenräumen umziehen und frisch machen wollte, blockierte ein Putzwagen den Zugang. Wo sich das nächste WC in dem Gebäude befindet, wusste ich allerdings nicht genau. So blieb mir nur zu warten, nervös, zunehmend angespannt, weil ich ja auch noch den Weg zum Veranstaltungsort finden musste. Weil mir die Zeit davonlief, schnappte ich mir ein paar Studenten, die vor der Hauptbibliothek herumstanden und sich sofort einverstanden erklärten, mich das letzte Stück zu begleiten.

Dann traf ich meine Doktormutter und wir konnten ein paar Worte wechseln. Als sie mir die Hand schüttelte, war ich von der Atmosphäre so gerührt, dass ich für einen Moment den Impuls verspürte, sie zu umarmen. Natürlich hielt ich mich zurück, denn so etwas wäre unserem Verhältnis keinesfalls angemessen gewesen. Ich glühte innerlich und freute mich auf den Abend. Ich wusste ganz genau, warum ich mich damals für diese Professorin als Betreuerin meiner Doktorarbeit entschieden hatte. 

 

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  Jul 9, 2019
Autor: Daniela
Rubrik: beruf & karriere
Jul 9, 2019