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War früher wirklich alles besser?

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

30.09.2019

Wenn ich nicht 2006, sondern beispielsweise im Jahr 2018 mit meinem Studium begonnen hätte, wäre einiges leichter gewesen. Einiges besser für Studierende ohne Sehkraft.

Beispielsweise habe ich mir, vor wenigen Monaten, ein neues Scansystem geholt. Gerät und Software sind dabei speziell an die Notwendigkeiten und Bedürfnisse blinder Nutzer angepasst. So kann ich, um nur einen Aspekt herauszugreifen, mir bereits erfasste Seiten von der Sprachausgabe vorlesen lassen und parallel dazu die nächsten übertragen. Bis dahin liefen beide Arbeitsschritte nacheinander ab und ich reflektiere ungern, wie viele Stunden es mich gekostet hat, die Stapel von Seminarlektüre einzuscannen. Meine Kommilitonen hätten währenddessen sicher alles zweimal gelesen.

Trotzdem: Die Technik entwickelt sich in einem dauerhaften Prozess und wie war das in den 80er Jahren oder zu Beginn der 90er, ohne Computer? Blinden Studierenden blieb damals nur die Möglichkeit, sich vortragen zu lassen. Entweder mussten sie mit jemand Sehendem einen Termin vereinbaren, um das Material gemeinsam durchzugehen. Oder eine gute Seele erklärte sich dazu bereit, die gewünschte Literatur aufzunehmen und der Blinde hörte sich später die Kassette an.

Das alles stelle ich mir äußerst mühsam vor, zumal für die Sehbehinderten doch vieles davon abhing, ob sie Hilfe fanden. Außerdem können die meisten besser lernen und verstehen, wenn sie die Texte nicht nur hören, sondern aktiv mit den Händen lesen. Mir geht es übrigens genauso.

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