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Freiwilligendienst im Ausland

Alltagsroutine

Der Arbeitsalltag hier in Arequipa ist unvergleichbar mit dem, was ich bei verschiedensten Tätigkeiten in Deutschland erlebt habe. Aber ich glaube gerade deswegen absolviert man einen Freiwilligendienst und ich bin mit der aktuellen Situation ziemlich glücklich. Ich arbeite sechs Tage die Woche. Der „freie“ Tag wechselt wöchentlich zwischen Samstag und Sonntag. „Frei“ ist dieser Tag insofern nicht immer, da ich mit den drei anderen Freiwilligen innerhalb des Kinderheimes lebe und man somit nie wirklich Abstand bekommt. Gleichzeitig hat man somit die einzigartige Möglichkeit so intensiv wie nie zuvor an etwas teilhaben zu können. Im Vergleich zu Freiwilligen bei anderen Projekten, die ich kennenlernen durfte und nur fünf Tage arbeiten „müssen“, ist das natürlich auf den ersten Blick sehr anstrengend. Auf der anderen Seite hat man hier das Gefühl wirklich gebraucht zu werden und mit seiner Arbeit vor Ort den Menschen tatsächlich helfen zu können, anstatt nur den tolerierten Geldgeber aus Europa zu spielen.
Auch die Arbeitszeiten sind etwas anders verteilt: Unter der Woche geht es von 13 Uhr bis 19 Uhr und am Wochenende meist von 8 Uhr bis 14 Uhr, wobei man realistisch gesehen immer mindestens eine halbe Stunde länger bleibt. Man ist immer in irgendeiner Weise eingespannt und theoretisch rund um die Uhr abrufbar. Ab und zu führt das natürlich dazu, dass man mal etwas Abstand sucht. Dieser ist aber auch möglich, da man sich jederzeit mit allen absprechen kann und ich auch mit meinem eigenen Zimmer einen sicheren Rückzugsort habe. Die meiste Zeit profitiere ich aber aus dieser Integration im Projekt. An Feiertagen lerne ich typische Bräuche kennen, man kann mal eine spontane Partie Monopoly spielen und kann den Kindern das Gefühl geben jederzeit für sie da zu sein, falls man benötigt wird.
Insgesamt führt das zu einer eigenartigen Endsituation: Man hat trotz der vielen Arbeit viel Zeit. Man findet immer Beschäftigung ohne Stress zu haben. Das alles macht den Alltag ziemlich spannend und ich merke, dass ich meine Zeit bewusster als in Deutschland nutze.

Autor: David   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 11, 2019
Autor: David
Rubrik: orientieren
Nov 11, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Angekommen?

Natürlich klappt nicht immer alles perfekt. Mit diesem Wissen bin ich in den Zug zum Frankfurter Fernbahnhof gestiegen und wurde nicht enttäuscht. Zum Glück hatte ich mehr als genug Zeit eingeplant, um meinen Flieger nicht zu verpassen, denn die Deutsche Bahn hat mich erst eine gute Stunde später als geplant zu meinem Ziel gebracht. Als ich dann dachte, dass nun das Schwierigste hinter mir liegt, wurde meine optimistische Stimmung erneut getrübt. Da bei der Zwischenlandung der Rucksack meiner Mitfreiwilligen nicht auf dem Gepäckband erschien, verpassten wir unseren Anschlussflug. Nach ewigem Suchen und Fragen konnten wir für saftige 40 Dollar pro Person neue Tickets kaufen. Trotzdem war die allgemeine Stimmung von uns drei Reisenden nicht am absoluten Nullpunkt. Dafür waren wir zu aufgeregt.
Mit Jetlag und großer Übermüdung sind wir dann schließlich in Peru angekommen und wurden sogleich vom Leiter des Kinderheimes, in dem wir nun ein Jahr verbringen werden, abgeholt. Die ganze Situation kam mir wahnsinnig surreal vor, da man innerhalb von ein paar Stunden von einer dunkelgrünen Tannenbaumkulisse hin zu einer trockenen, bergigen Landschaft wechselte und gar nicht wirklich wusste, wo man eigentlich war. Um den Kulturschock zu vollenden, durfte ich gleich den ansässigen Straßenverkehr kennenlernen, der mir anfangs nach dem Recht des Stärkeren zu funktionieren schien. Der fehlende Gurt bereitete mir schon etwas Sorgen. Mittlerweile weiß ich, dass trotz des Chaos und dem andauernden Gehupe auf den Straßen mehr Vorsicht und Rücksicht herrscht als in Deutschland. Tatsächlich passieren sehr selten Unfälle.
Am Ziel angekommen, habe ich mich an die Favelas erinnert gefühlt, die ich in dem einen oder anderen Spielfilm schon einmal gesehen habe. Als wir unsere Wohnung im dritten Stock sahen, war ich jedoch sehr erleichtert. Drei relativ große Zimmer, eine bescheidene Küche, zwei sehr kleine Bäder, ein Wohnzimmer und sogar ein klitzekleiner Balkon konnten wir jetzt unser eigen nennen. Einen sicheren Rückzugsort zu haben, weiß ich auch jetzt noch sehr zu schätzen, da dies sicherlich nicht selbstverständlich ist. An der Küchenausstattung merkt man, dass wir nicht die ersten Freiwilligen hier sind, denn es ist reichlich Geschirr vorhanden. Sogar ein paar Gewürze konnten wir finden.
Auch wenn nicht alles perfekt geklappt hat, bin ich mehr als zufrieden in Peru angekommen.

Autor: David   |  Rubrik: orientieren  |  Oct 31, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Abschied nehmen

Ein wichtiges Thema, das vor dem Freiwilligendienst ansteht, ist das Abschied nehmen. Selbstverständlich ist das nicht leicht, weil man immer Personen zurücklassen muss, wenn man ins Ausland geht. Bei mir waren es primär drei Gruppen: Familie, Freunde und Großeltern. Die Trennung von meinen Großeltern ist schwierig, da alle bereits über 80 und teilweise schon 90 Jahre alt sind und ein Jahr Abwesenheit in dem Alter eine ganz andere Dimension darstellt. Bei meiner Familie, sprich Eltern, Bruder, Onkel, Tanten, Cousins, etc. hatte ich Glück, da vier Tage vor meiner Ausreise ein großes Familienfest stattfand und ich mich somit von allen persönlich verabschieden konnte. Dabei musste ich natürlich allen versprechen, mich nach meiner Ankunft zu melden und sie auf dem Laufenden zu halten. Was ich schon verraten kann: Anfangs hat das noch ganz gut geklappt, dann wurde der Kontakt immer mehr vergleichbar wie zu der Zeit vor der Ausreise. Wichtig war es mir auch, mich von meinen Freunden zu verabschieden. Wir haben im Vorfeld sehr viel unternommen und schließlich habe ich mich doch noch dazu entschieden, ein kleines Fest im engen Kreis bei mir zuhause zu veranstalten. Im Nachhinein war es glaube ich die perfekte Lösung, um für mich selbst einen konkreten „Schlussstrich“ zu ziehen – aber auch um für die anderen nicht einfach so von der Bildfläche zu verschwinden. Je leichter es mir bei meinen Freunden fiel, desto schwerer war es bei meinen Großeltern. Da diese einen sehr großen Teil meines bisherigen Lebens geprägt haben, war es nicht sehr leicht ihnen klarzumachen, warum ich unbedingt „sooo weit weg“ gehen will. Sehr erleichternd fand ich, dass auf dem Vorbereitungsseminar das Thema Abschied angesprochen wurde. Wir haben genug Zeit bekommen um uns mit den anderen auszutauschen und somit auch sehr wertvollen Input weitergeben, aber vor allem auch empfangen zu können. Dort habe ich mich dann auch entschieden ganz klassisch einen Brief zu verfassen, um all meine Gedanken zu ordnen und festzuhalten. Rückblickend waren das sehr gute Entscheidungen für mich, um mit einem Blick nach vorne in den Flieger zu steigen.

Autor: David   |  Rubrik: orientieren  |  Oct 23, 2019
Autor: David
Rubrik: orientieren
Oct 23, 2019