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Freiwilligendienst im Ausland

Von Anfängen und Erwartungshaltungen

Aller Anfang ist schwer, heißt es. Diese Erwartungshaltung brachte ich meinem Freiwilligendienst in Peru entgegen. Eigentlich begann mein Freiwilligendienst über das weltwärts-Programm schon lange vor der Abreise. Nämlich bereits mit der ersten Bewerbung. Neben einem Anschreiben galt es, 28 tiefgründige Fragen zu meiner Person und meiner Motivation zu beantworten. Einerseits sorgt dies dafür, dass man sich intensiv mit den eigenen Beweggründen befasst, andererseits ist es Zeugnis für die akribische Vorauswahl seitens des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dieser Bewerbungsaufwand hat mir erstmals bewusst gemacht, dass der Schritt, einen Freiwilligendienst im Ausland anzutreten, ein ziemlich großer ist. Glücklicherweise durfte ich vor meiner Ausreise an drei Vorbereitungsseminaren teilnehmen. Während das erste, eintägige Seminar zum Kennenlernen der direkten Mitfreiwilligen diente und somit mit viel Vorfreude und Neugierde verbunden war, war ich dem zweiten, zehntägigen Seminar mit knapp 30 Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland ziemlich skeptisch gegenübergestellt. Was soll man zehn Tage in einem abgelegenen Pfadfinderhaus mit wildfremden Menschen anfangen? Außerdem verliert man zusätzlich noch wertvolle Zeit, die man mit seinen Freunden verbringen könnte, bevor man sie ein Jahr nicht mehr sieht. Doch Erwartungshaltungen sind wohl lediglich dazu da, um widerlegt zu werden. Lange Rede kurzer Sinn: Es waren vermutlich die am besten investierten zehn Tage, die ich vier Wochen vor meiner Ausreise verbringen hätte können. Die intensive Besprechung aller Themen, Befürchtungen und Ideen fand ich sinnvoll, toll waren aber vor allem die anwesenden Teilnehmer, die nicht unterschiedlicher hätten sein können, in ihrer Entscheidung ins Ausland zu gehen aber geeint waren und somit für eine ungemein dynamische, gelassene und trotzdem intensive Stimmung gesorgt haben. Dadurch war das letzte, zweitägige Seminar kurz vor der Ausreise nur noch das Sahnehäubchen mit einigen organisatorischen Punkten, sodass ich nicht nur formell, sondern auch mit dem Gefühl „bereit zu sein“ am 3. September 2019 nach Peru reisen konnte. Falls es etwas gibt, das ich schon bereits vor meinem Freiwilligendienst gelernt habe, wäre es, dass lediglich falsch gesetzte und hohe Erwartungen für schwere Anfänge sorgen. Auch wenn mir langweilige Kalendersprüche nicht unbedingt gefallen, muss ich sagen, dass man mit der Einstellung „expect nothing, appreciate everything“ (zu deutsch: „Erwarte nichts, sei dankbar für alles“) auch bei einem Freiwilligendienst im Ausland gut fährt.

Freiwilligendienst im Ausland

DALF-Zertifikat

Heute Morgen entdeckte ich im Briefkasten einen großen an mich adressierten Umschlag. Darauf stand handschriftlich und in französischer Sprache geschrieben "Bitte nicht knicken - danke". Ich öffnete den Umschlag und zog ein leider doch recht zerknittertes Blatt Papier hervor – es war mein Französischdiplom der Niveaustufe C1!
Während meines Freiwilligendienstes hatte ich die sogenannte "DALF" Sprachprüfung abgelegt, um einen offiziellen, weltweit nahezu überall anerkannten Nachweis über meine Französischkenntnisse zu erlangen.
Ich entschied mich für das zweitbeste Niveau, C1, das einen sicheren Umgang mit der Fremdsprache erfordert. Diese Prüfung ist in vier Teile gegliedert: Hörverstehen, Leseverstehen, schriftlicher Ausdruck und mündlicher Ausdruck.
Entscheidend ist neben reinen Sprachkenntnissen, gut mit längeren Texten umgehen und die eigenen Gedanken klar strukturieren zu können, denn beinahe die Hälfte aller Punkte werden auf inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit vergeben.
Da der Sprachtest mit Vorbereitungszeit fast fünfeinhalb Stunden dauert, packte ich mir am Prüfungstag eine ordentliche Brotzeit ein, bevor ich zur Universität fuhr.
Dort angekommen erwartete mich eine Überraschung: Ich war tatsächlich der einzige Prüfling!
Zum Glück war die Aufsicht sehr nett und bot mir sogar einen Kaffee an, trotzdem empfand ich es als anspruchsvoll, mich so lange zu konzentrieren.
Doch ich habe bestanden – mit 92,5 von 100 Punkten!
Ich bin stolz, dass ich mich auf so eine lange Prüfung eigenständig vorbereitet habe und meine Sprachkenntnisse so noch einmal verbessern konnte. Außerdem ermöglicht mir das DALF-Diplom theoretisch sogar das Studium an einer französischen Hochschule! Nur über ein weniger zerknicktes Zertifikat hätte ich mich gefreut, denn für 130 Euro Prüfungsgebühr wäre der Versand in einem verstärkten Briefumschlag meiner Meinung nach durchaus machbar gewesen.

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 26, 2019
Autor: Anna
Rubrik: orientieren
Sep 26, 2019

Freiwilligendienst im Ausland

Kreativitätskiller

Eigentlich liebe ich es, beim Zeichnen oder zu Malen kreativ zu werden, Viola da Gamba zu spielen, beim Lesen oder Hörbuch hören in eine andere Welt einzutauchen – und auch für das ein oder andere Gedicht kann ich mich ab und zu begeistern.
Im Alltag geht all das oft unter, doch im Moment genieße ich meine Verschnaufpause zwischen Freiwilligendienst und Studium. Ich bin immatrikuliert, meine Wohnung ist gefunden und auch Kindergeldantrag und Versicherungen habe ich schon hinter mich gebracht, daher bleibt nun viel Freizeit.
Und mir ist aufgefallen, wie gut es tut, mich abends mit einem dicken Schmöker ins Bett zu legen. Oder ein neues Stück auf der Gambe zu lernen. Oder endlich einmal wieder meine Zeichenstifte hervorzuholen und mich in feinen Schattierungen zu üben.
Dass ich dafür normalerweise nicht mehr Zeit finde, liegt vor allem am Kreativitätskiller Nummer eins: meinem Smartphone. Denn auch wenn Posts auf Instagram und mein eigener Account mich anfangs noch zum Zeichnen motivierten und anleiteten – über dieses Stadium geht mein Medienkonsum längst hinaus. In einer Handynutzungsapp kann ich sehen, dass ich im Durchschnitt täglich über zwei Stunden an meinem Smartphone verbringe. Ganz schön viel eigentlich, oder? Würde ich diese Nutzung auch nur um die Hälfte reduzieren, hätte ich täglich quasi eine ganze Stunde mehr freie Zeit! Es mag zwar angenehm sein, nach einem langen Tag in den Sumpf von Instagram-Stories und Facebook-Posts einzutauchen – so richtig erholt fühle ich mich danach nicht.
Für meinen Start an der Uni nehme ich mir vor, mich regelmäßig zu bewegen und meine kreativen Hobbies nicht zu sehr zu vernachlässigen – auch wenn mir das manchmal schwerer fällt als der Griff zum Smartphone.

Autor: Anna  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 18, 2019