interaktiv

FSJ in Nicaragua

Mi casa es tu casa

Autor:
Esther

Rubrik:
auszeit nach dem abi

22.03.2010

Als ich mit meinem riesigen Rucksack auf dem Rücken aus dem Flughafen marschierte, sah ich schon von Weitem das grinsende Gesicht meines Kumpels Christian, der vor zwei Jahren Austauschschüler in Deutschland gewesen war und bei dem ich die nächsten zehn Tage verbringen würde.

Nachdem wir uns lauthals begrüßt hatten, gingen wir zu seinem Auto, das er nicht weit entfernt geparkt hatte. „Das ist dein Auto?“, fragte ich völlig erstaunt, als wir vor einem eleganten, neuen Sportwagen hielten. In Nicaragua hatte ich niemanden gekannt, der ein Auto besaß. Und die Autos, die es in San Carlos gab, waren alte Klapperkisten ohne Sitzgurte und Seitenspiegel, die wahrscheinlich noch nicht einmal vor zehn Jahren den TÜV bestanden hätten. Ich merkte schon, dass ich mich in einem ganz anderen Land befand und mich vor allem nicht mehr in der Unter-, sondern in der Oberschicht Mittelamerikas bewegte.

So durchquerten wir Tegucigalpa (Hauptstadt von Honduras), bis wir langsam in einen kleinen Vorort namens „Santa Lucía“ kamen, der in den Bergen lag. Auf dem Weg wurden die Häuser immer größer und prachtvoller. Als wir an einer riesigen Villa vorbeifuhren, erklärte mir Christian, dass dies das Haus eines bekannten Drogenbosses sei. Als ich ihn fragte, ob die Polizei das wüsste, lachte er nur und sagte: „Ach, du weißt doch, wie korrupt Lateinamerika ist.“

Nach wenigen Minuten hielten wir vor einem wunderschönen Haus mit Parkanlage an. Während eine kleine Frau mit Schürze die großen Eisentore öffnete, sagte Christian zu mir: „Fühl dich wie zu Hause! Mi casa es tu casa!“

 

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