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FSJ in Nicaragua

Mit der Gastfamilie Zeit verbringen

Während der nächsten Tage, die ich in San Antonio verbrachte, merkte ich, dass ich einfach nur Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte. Ich hatte gedacht, dass ich an meinem ersten Abend noch meine ganzen Freunde anrufen würde, um etwas mit ihnen zu verabreden. Doch als es dann schließlich so weit war, spürte ich, dass ich eigentlich nur meinem Dad beim Kochen helfen, mit meinem Gastbruder im Pool schwimmen oder mich mit Brianna unterhalten wollte.

Die letzten Monate hatten mich sehr viel Kraft gekostet. Das ganze Drama mit meiner Krankheit in Honduras und Mexiko: Nicht wirklich zu wissen, was mich krank gemacht hatte, all das hatte mich doch sehr mitgenommen.

So traf ich mich erst nach einer Woche mit meiner besten Freundin Cielo. Es war so schön, sie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Schon damals hatten wir festgestellt, dass wir Seelenverwandte waren und selbst nach zwei Jahren hatte sich nichts an unserer Freundschaft geändert. So gingen wir abends zusammen weg, kochten gemeinsam und unterhielten uns stundenlang.

Nach und nach begann ich auch meine anderen Freunde zu sehen. Ich hatte große Angst gehabt, dass ich mich während meines Aufenthaltes in Nicaragua zu sehr verändert haben würde und dass dadurch unsere Freundschaft in die Brüche gehen könnte. Doch ich hatte mir ganz umsonst Sorgen gemacht. Sie hörten mir aufmerksam zu, als ich von meinen Erlebnissen erzählte, und natürlich hatte sich auch viel in ihrem Leben getan, wovon sie mir aufgeregt berichtete.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jul 23, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jul 23, 2010

FSJ in Nicaragua

Mein zweites Zuhause

Auf der Heimfahrt vom Flughafen unterhielten wir uns ausgelassen. Vor allem Brianna erzählte mir ganz genau, was in letzter Zeit passiert war. So erfuhr ich alles über den neusten Tratsch und Klatsch der High School, über ihre Pläne aufs College in New York zu gehen und, dass sie dieses Jahr einen Austauschschüler aus Italien bekämen.

Es war so, als ob ich nie weg gewesen wäre. Als ob ich meine Gastfamilie gestern das letzte Mal gesehen hätte und nicht etwa vor zwei Jahren. Während wir mein Gepäck auf unser Zimmer brachten, wurde mir plötzlich klar, dass ich zu Hause war. Dieses Gefühl hatte ich nicht mehr gehabt, seitdem ich Nicaragua verlassen hatte.

Schon damals, als ich nach meinem Auslandsjahr in der elften Klasse nach Deutschland zurückgekehrt war, hatte ich gespürt, dass Texas zu meiner zweiten Heimat geworden war. Alles war vertraut. Das Haus, die Gesichter, der Geruch. Alles. Ich fühlte mich einfach wohl. Und ich wusste, dass es immer so sein würde.

Es war eine unglaubliche Erleichterung für mich, endlich kein Gast mehr zu sein, sondern ein Familienmitglied. Ich wusste zwar, dass das auch bedeutete, ab und zu den Tisch zu decken, das Geschirr abzuspülen und die Hunde zu füttern, aber das war es ja gerade, was mich zu einem Familienmitglied machte. Auf die Dauer war es doch sehr anstrengend gewesen, sich immer nur als Gast zu fühlen.

Während ich an diesem Abend in meinem Bett lag und die Müdigkeit mich langsam übermannte, wusste ich, dass ich in dem Moment einfach nur glücklich war.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Jul 22, 2010
Autor: Esther
Rubrik: studium
Jul 22, 2010

FSJ in Nicaragua

Wiedersehen in San Antonio

Während das Flugzeug in Texas zum Landen ansetzte, versuchte ich an meine Gastfamilie in San Antonio zu denken, bei der ich damals vor vier Jahren in der elften Klasse gelebt hatte. Seit zwei Jahren hatte ich sie schon nicht mehr gesehen. Die Freude, die ich bei dem Gedanken verspürte, sie in wenigen Minuten wieder in meine Arme schließen zu können, verdrängte bald die Trauer.

Als ich durch die letzten Sicherheitschecks ging, sah ich meine Gastfamilie schon von weitem. Alle warteten sie strahlend hinter der Absperrung. Mein Dad, so wie fast immer in Shorts und T-Shirt gekleidet, mit verstrubbelten Haaren und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie ihn meine Mom dazu hatte überreden wollen, eine Jeans anzuziehen. Er jedoch war der Meinung, dass man in Texaseigentlich das ganze Jahr über in Badehose herumlaufen konnte.

Meine Gastmutter, die auf dem Flughafen ihrer rotblonden Haare wegen nicht zu übersehen war, hatte sich bei ihm eingehakt. Neben ihr stand mein 19-jähriger Gastbruder Dylan, der zwar versuchte etwas mürrisch dreinzuschauen, doch ich kannte ihn zu gut und wusste, dass auch er sich über meine Ankunft freute.

Als mein Blick auf meinen kleinen Bruder fiel, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Mit elf war Justin vor vier Jahren noch das Baby der Familie gewesen. Doch nun war er sogar schon größer als Dylan. Aber diejenige, deren Grinsen am Größten war, war Brianna, meine 17-jährige Gastschwester, die mir aufgeregt „Estherrrr!!!“ entgegenrief.

Mit meinem riesigen Rucksack im Schlepptau rannte ich, so schnell es ging, auf sie zu.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jul 16, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jul 16, 2010