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FSJ in Nicaragua

Schon wieder Koffer packen

Die Zeit verging wie im Flug und nach einer Woche musste ich auch schon wieder meine Koffer packen. Allerdings war es noch nicht Zeit für die Heimreise nach Deutschland. Meine Gastmutter hatte mich eingeladen, mit ihr und dem Rest der Familie eine Woche in Kanada zu verbringen. Der Anlass für die Reise war die Hochzeit ihrer Nichte. Da meine Gastmutter Kanadierin ist und noch dazu 15 Geschwister hat, kann man sich die Größe ihrer Familie vorstellen. Meine Gastschwester Brianna meint immer, dass sie sich bestimmt nicht noch einmal alle Namen ihrer 50 Cousinen und Cousins mütterlicherseits merken könne. „Die Hochzeit meiner Nichte Laura wird richtig groß werden“, erklärte mir meine Mom. „Sie heiratet außerdem einen Multimillionär, ich kann mir vorstellen, dass das richtig pompös wird.“

Da ich kein passendes Kleid für eine derartige Feier aus Nicaragua mitgebracht hatte, gingen meine Gastschwester und ich ein paar Tage vor der Abreise einkaufen. Eigentlich hatte ich keine große Lust, shoppen zu gehen, da ich meistens nichts finde, wenn ich etwas brauche. Außerdem wollte ich keine 50 Euro für ein Kleid ausgeben, das ich wahrscheinlich nie wieder anziehen würde. Doch wir hatten Glück: Bereits im ersten Laden, einem Second Hand-Shop, fand ich ein wirklich schönes schwarz-weißes Cocktailkleid für zehn Dollar. Aber was den Einkaufsbummel krönte, war die Entdeckung der größten Hose, die ich je in meinem Leben gesehen hatte.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jul 29, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jul 29, 2010

FSJ in Nicaragua

Mit der Gastfamilie Zeit verbringen

Während der nächsten Tage, die ich in San Antonio verbrachte, merkte ich, dass ich einfach nur Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte. Ich hatte gedacht, dass ich an meinem ersten Abend noch meine ganzen Freunde anrufen würde, um etwas mit ihnen zu verabreden. Doch als es dann schließlich so weit war, spürte ich, dass ich eigentlich nur meinem Dad beim Kochen helfen, mit meinem Gastbruder im Pool schwimmen oder mich mit Brianna unterhalten wollte.

Die letzten Monate hatten mich sehr viel Kraft gekostet. Das ganze Drama mit meiner Krankheit in Honduras und Mexiko: Nicht wirklich zu wissen, was mich krank gemacht hatte, all das hatte mich doch sehr mitgenommen.

So traf ich mich erst nach einer Woche mit meiner besten Freundin Cielo. Es war so schön, sie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Schon damals hatten wir festgestellt, dass wir Seelenverwandte waren und selbst nach zwei Jahren hatte sich nichts an unserer Freundschaft geändert. So gingen wir abends zusammen weg, kochten gemeinsam und unterhielten uns stundenlang.

Nach und nach begann ich auch meine anderen Freunde zu sehen. Ich hatte große Angst gehabt, dass ich mich während meines Aufenthaltes in Nicaragua zu sehr verändert haben würde und dass dadurch unsere Freundschaft in die Brüche gehen könnte. Doch ich hatte mir ganz umsonst Sorgen gemacht. Sie hörten mir aufmerksam zu, als ich von meinen Erlebnissen erzählte, und natürlich hatte sich auch viel in ihrem Leben getan, wovon sie mir aufgeregt berichtete.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Jul 23, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Jul 23, 2010

FSJ in Nicaragua

Mein zweites Zuhause

Auf der Heimfahrt vom Flughafen unterhielten wir uns ausgelassen. Vor allem Brianna erzählte mir ganz genau, was in letzter Zeit passiert war. So erfuhr ich alles über den neusten Tratsch und Klatsch der High School, über ihre Pläne aufs College in New York zu gehen und, dass sie dieses Jahr einen Austauschschüler aus Italien bekämen.

Es war so, als ob ich nie weg gewesen wäre. Als ob ich meine Gastfamilie gestern das letzte Mal gesehen hätte und nicht etwa vor zwei Jahren. Während wir mein Gepäck auf unser Zimmer brachten, wurde mir plötzlich klar, dass ich zu Hause war. Dieses Gefühl hatte ich nicht mehr gehabt, seitdem ich Nicaragua verlassen hatte.

Schon damals, als ich nach meinem Auslandsjahr in der elften Klasse nach Deutschland zurückgekehrt war, hatte ich gespürt, dass Texas zu meiner zweiten Heimat geworden war. Alles war vertraut. Das Haus, die Gesichter, der Geruch. Alles. Ich fühlte mich einfach wohl. Und ich wusste, dass es immer so sein würde.

Es war eine unglaubliche Erleichterung für mich, endlich kein Gast mehr zu sein, sondern ein Familienmitglied. Ich wusste zwar, dass das auch bedeutete, ab und zu den Tisch zu decken, das Geschirr abzuspülen und die Hunde zu füttern, aber das war es ja gerade, was mich zu einem Familienmitglied machte. Auf die Dauer war es doch sehr anstrengend gewesen, sich immer nur als Gast zu fühlen.

Während ich an diesem Abend in meinem Bett lag und die Müdigkeit mich langsam übermannte, wusste ich, dass ich in dem Moment einfach nur glücklich war.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Jul 22, 2010
Autor: Esther
Rubrik: studium
Jul 22, 2010