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FSJ in Tschechien

"Woher kommst du und wohin gehst du?"

„Woher kommst du und wohin gehst du?“  Verwirrt schaute ich meine Sitznachbarin an. Was für eine irrsinnige Frage. Treuherzig beantwortete ich sie: „Aus Westfalen nach Tschechien.“ Prompt kam die Retourkutsche: „ Aus Sachsen-Anhalt nach Costa Rica.“ Ich lachte. Meine Mitfreiwillige stimmte ein. Die Situation war aber auch mehr als komisch. Da treffen sich 250 junge Leute aus ganz Deutschland in einer Jugendbegegnungsstätte im Nirgendwo Brandenburgs und verschwinden nach zehn Tagen Vorbereitungsseminar in alle Ecken und Winkel der Erde.
Warum man uns mit einem Minimum an Kontakt zur Außenwelt hier zusammengepfercht hatte, war jedem von uns zunächst unklar. Und so liefen alle wie Hummeln im Marmeladenglas höchst verwirrt und planlos, aber dafür umso offener und kommunikativer, auf dem schier unendlichen Herbergsgelände herum. Erschwerend kam hinzu, dass man bei 250 Freiwilligen in den kompletten zehn Tagen kaum einmal jemanden, mit dem man schon geredet hatte, wieder traf. Selbst noch am letzten Tag stieg ich in den Bus und sah in lauter Fremde Gesichter. Hätte nicht jeder von ihnen ein gelbes Band mit Karte, auf der Land und Name verewigt waren, getragen, so hätte ich geglaubt, in den falschen Bus gestiegen zu sein.
Die Sache hatte aber auch etwas Positives: so viele Menschen- so viele Unterschiede. Die Tatsache, dass wir in über 60 Ländern der Erde die unterschiedlichsten Aufgaben erledigen und die unterschiedlichsten Erfahrungen machen würden, einte uns. Paradox, oder?
Und dennoch: Der Sinn des Seminars nahm Gestalt an, wir lernten vieles über Kultur, Pädagogik, Versicherungen, Toleranz, Konfliktverhalten und Sicherheit im Gastland. Aber das wichtigste war die Tatsache, alle Freiwilligen einmal zu sehen und nicht so zusammenhangslos in die Weltgeschichte zu verschwinden.

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Sep 27, 2010
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Sep 27, 2010

FSJ in Nicaragua

Zurück in Deutschland

Ich war nervös und aufgeregt, als das Flugzeug in Nürnberg landete. Nachdem ich mein Gepäck zusammengesucht hatte, ging ich kurz aufs Klo, um dort einen prüfenden Blick in den Spiegel zu werfen. Mein braungebranntes Gesicht starrte mich an. Müde sah es aus, etwas schmaler als sonst und (vielleicht bildete ich es mir auch nur ein) etwas älter. Eine alte Dame rempelte mich an. Eine Entschuldigung folgte nicht. Im Gegenteil. Ihr mürrischer Blick drückte aus, dass es noch meine Schuld gewesen war. Das schien mir typisch deutsch zu sein. Dieses Verhalten Älterer einer Jüngeren gegenüber. Doch ich erinnerte mich daran, positiv zu denken. Ich lächelte mir zu und lief durch die Absperrung.

Sofort sah ich meine Eltern, die mir wild zuwinkten. Meine Mutter rannte auf mich zu und schloss mich in ihre Arme. Einerseits war es ganz komisch, sie plötzlich wieder zu sehen. Vor einigen Stunden war ich doch noch in einer ganz anderen Welt gewesen. Aber andererseits war alles so vertraut wie immer.

Meine Eltern hatten meine Rückkehr liebevoll vorbereitet. Das Haus war geputzt, der Frühstückstisch gedeckt und am Carport hing eine Girlande, auf der „Herzlich Willkommen“ stand. Ich wusste nicht, wie lange dieses Gefühl anhalten und was in den nächsten Wochen auf mich zukommen würde, doch in dem Moment, als ich das Haus betrat, freute ich mich, wieder in Deutschland zu sein.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Sep 15, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Sep 15, 2010

FSJ in Nicaragua

Gedanken an die Heimreise

Als wir wieder in Texas waren, blieben mir noch sechs Tage bis zu meiner Heimreise. Es war ein komisches Gefühl an zu Hause zu denken. Deutschland war nicht mehr mein einziges Zuhause. Bereits vor vier Jahren war San Antonio zu meiner zweiten Heimat geworden, und nachdem ich ein Jahr in Nicaragua gelebt hatte, empfand ich auch dieses kleine Land in Mittelamerika als meine Patria.

Ich dachte daran, wie es für mich gewesen war, nach meinem Auslandsjahr in Texas zurückzukommen. Hart ist wohl das beste Wort, um die Zeit in der zwölften Klasse zu beschreiben. Es war alles so anders gewesen. Ich hatte mich verändert, während das Leben in Deutschland seinen normalen Trott weiter gegangen war. Dazu kamen die ganzen Emotionen: Das Fernweh, die Angst von meinen FreundInnen in San Antonio vergessen zu werden, und das Gefühl, so gut wie niemanden in Deutschland zu haben, der einen verstehen konnte.

Mir graust es bei dem Gedanken, all das noch einmal durchleben zu müssen. Natürlich hatte mir meine Anti-Deutschland-Haltung nicht gerade bei der Wiedereingewöhnung geholfen. Einfach alles hatte ich kritisiert. Die „miesepetrigen, unfreundlichen“ Deutschen und das graue, nasskalte Herbstwetter, um nur zwei Bespiele zu nennen. Ich nahm mir fest vor, dieses Mal mit einer positiveren Einstellung nach Bayern zurückzukehren.

 

Autor: Esther  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Sep 10, 2010
Autor: Esther
Rubrik: auszeit nach dem abi
Sep 10, 2010