interaktiv

FSJ in Tschechien

"Woher kommst du und wohin gehst du?"

Autor:
Inga

Rubrik:
auszeit nach dem abi

27.09.2010

„Woher kommst du und wohin gehst du?“  Verwirrt schaute ich meine Sitznachbarin an. Was für eine irrsinnige Frage. Treuherzig beantwortete ich sie: „Aus Westfalen nach Tschechien.“ Prompt kam die Retourkutsche: „ Aus Sachsen-Anhalt nach Costa Rica.“ Ich lachte. Meine Mitfreiwillige stimmte ein. Die Situation war aber auch mehr als komisch. Da treffen sich 250 junge Leute aus ganz Deutschland in einer Jugendbegegnungsstätte im Nirgendwo Brandenburgs und verschwinden nach zehn Tagen Vorbereitungsseminar in alle Ecken und Winkel der Erde.
Warum man uns mit einem Minimum an Kontakt zur Außenwelt hier zusammengepfercht hatte, war jedem von uns zunächst unklar. Und so liefen alle wie Hummeln im Marmeladenglas höchst verwirrt und planlos, aber dafür umso offener und kommunikativer, auf dem schier unendlichen Herbergsgelände herum. Erschwerend kam hinzu, dass man bei 250 Freiwilligen in den kompletten zehn Tagen kaum einmal jemanden, mit dem man schon geredet hatte, wieder traf. Selbst noch am letzten Tag stieg ich in den Bus und sah in lauter Fremde Gesichter. Hätte nicht jeder von ihnen ein gelbes Band mit Karte, auf der Land und Name verewigt waren, getragen, so hätte ich geglaubt, in den falschen Bus gestiegen zu sein.
Die Sache hatte aber auch etwas Positives: so viele Menschen- so viele Unterschiede. Die Tatsache, dass wir in über 60 Ländern der Erde die unterschiedlichsten Aufgaben erledigen und die unterschiedlichsten Erfahrungen machen würden, einte uns. Paradox, oder?
Und dennoch: Der Sinn des Seminars nahm Gestalt an, wir lernten vieles über Kultur, Pädagogik, Versicherungen, Toleranz, Konfliktverhalten und Sicherheit im Gastland. Aber das wichtigste war die Tatsache, alle Freiwilligen einmal zu sehen und nicht so zusammenhangslos in die Weltgeschichte zu verschwinden.

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