Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

FSJ in Tschechien

Das Nirgendwo liegt im Isergebirge

Man stelle sich eine Holzhütte vor, die aussieht wie ein Zelt. Keine Seitenwände, das Dach geht schräg bis zum Boden und es gibt sogar eine Art Vorzelt, in dem viel, viel Brennholz gelagert ist. Hinter der merkwürdigen Hütte, die innen mit Bad, Wohnraum und Schlafzimmer höchst wohlig und komfortabel eingerichtet ist, fließt unentwegt plätschernd ein Bach entlang, der sich wahrscheinlich viele Kilometer weiter in einen reißenden Fluss verwandelt. Keine zwei Schritte hinter dem Bach beginnt der Wald, wie er uriger kaum sein könnte. Der weiche Teppich aus Gras und Fichtennadeln dämpft die Schritte, sodass außer dem Wasser nichts zu hören ist. Es ist merkwürdig still, man könnte meinen, dass in einem solchen Paradies am Donnerstagnachmittag etliche Spaziergänger ihre Runden drehen, aber nein.

Felsen ragen wie von Riesen platziert mitten im Wald in die Höhe. Ein Baum schlingt seine Wurzeln um den gigantischen Findling in den Boden. Der Weg wird steil. Rechts ragt eine Felswand hinauf, links wird der schattige Wald von der Sonne erleuchtet, deren Strahlen dem Lauf unseres kleinen Bachs folgen.
Am Waldrand werden die Felsen zahlreicher. Sie sind eine genauere Betrachtung wert: Am Fuße eines jeden dieser riesigen Findlinge, manchmal sogar oben auf, befinden sich ganz viele kleine Gemächer von winzigen Waldmännchen. Mit viel Liebe zum Detail wurden hier die aberwitzigsten kleinen Burgen aus Zweigen, Moos, Steinchen und Fichtenzapfen erbaut. Und das alles im Isergebirge, einen Katzensprung von meiner neuen tschechischen Heimatstadt entfernt: Wie gut ich es doch getroffen habe!

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Nov 11, 2010
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Nov 11, 2010

FSJ in Tschechien

Meine Schule im Theater oder wie klein die Welt doch ist

Für den Dienstag hatte das Goethe-Institut das „Naivni Divadlo“, ein Puppentheater, gemietet. Eine Zusammenkunft von Deutschen, Slowaken und Tschechen, die eins gemeinsam hatten: Deutsch lehren und lernen. So hüpften plötzlich Schüler aller Altersstufen durch das sonst so ruhige Theater und auch ich war mit von der Partie. Nahezu gerührt war ich von dem Auftritt „meiner“ Klasse 2B, die mit herrlichem Akzent deutsche Kinderlieder vorsang.

Fast professionell  waren die Auftritte der Gymnasiasten aus Dolný Kubin (Slowakei) und Bøeclav (Tschechien), denen es gelang, einfache Inhalte äußerst bewegend darzustellen und mittels Tanz und Theater in Szene zu setzen. Doch wirklich am Schönsten war eine Situation ganz abseits des Bühnengeschehens: Ich sitze auf meinem ziemlich unbequemen Platz, rede mit meiner Sitznachbarin auf Deutsch und plötzlich dreht sich der Junge vor uns um und fragt: "Hey, seid ihr auch Deutsche?" Dann leuchtet etwas durch sein Gesicht und er ruft: "Dich kenn ich doch!" Und richtig, ich erkannte ihn. Er war mit demselben Freiwilligenprogramm unterwegs wie ich und wir hatten uns auf dem Vorbereitungsseminar gesehen.

Wir wussten zwar unsere Namen nicht mehr, aber selten habe ich mich so gefreut, einen Unbekannten, der doch irgendwie ein Bekannter war, zu treffen! Es war fast traurig, als er nach der Veranstaltung sofort zurück in die Slowakei aufbrechen musste, aber eins war uns beiden klar: Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht …

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Nov 5, 2010
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Nov 5, 2010

FSJ in Tschechien

Was man nicht alles waschen kann ...

Irgendwann ließ es sich nicht länger aufschieben: Der Wäscheberg in meinem Zimmer wurde größer und größer und schaute mich jeden Tag vorwurfsvoller an. Also ging ich zur Rezeption (natürlich erwischte ich wieder einen Portier, der kein Wort Englisch sprach) und stammelte „Sorry, kde je praèka?“, erntete ein mitleidiges Lächeln und wurde in ein dunkles Kabuff mit Waschmaschine geführt. Die Maschine sah zwar aus, als entstamme sie einem längst vergangenen Zeitalter und ich vertraute ihr nur ungern meine heißgeliebten T-Shirts an, aber was sein muss, muss sein.

Euphorisch über den Minimalerfolg (ich hatte mich verständigen können!) eilte ich in mein Zimmer, holte Waschmittel, alle dunklen Hemden und was sich noch so angesammelt hatte und stürmte zurück zur Waschmaschine. Stecker rein, Klamotten in die Trommel, anstellen, fertig. So dachte ich mir das zumindest … Falsch gedacht, denn die nächste halbe Stunde verbrachte ich mit meinem Wörterbuch vor der Maschine hockend und Waschgänge übersetzend. Ich fand kein einziges Wort in meinem sonst so zuverlässigen Wörterbuch und bald fand ich auch den Grund des Übels heraus: Die Tschechen haben anscheinend nichts Besseres zu tun, als selbst die Aufschriften auf der Waschmaschine zu deklinieren!!

Ich stöhnte, begann von vorne und verstand nach und nach den Sinn der einzelnen Programme: Waschen ist schließlich überall auf der Welt dasselbe! Doch bei einem Wort stutzte ich: „prani“. Alles lief darauf hinaus, die Maschine auf „prani“ einzustellen, ich tat es gutgläubig und schlug erst hinterher im Wörterbuch nach – das ominöse Wort hieß auf Deutsch „Geldwäsche“!

Autor: Inga  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Nov 3, 2010
Autor: Inga
Rubrik: auszeit nach dem abi
Nov 3, 2010